Gendefekte : Bundesrat ermöglicht Präimplantationsdiagnostik

Nach jahrelangem Streit ist der Weg für die Präimplantationsdiagnostik frei. Der Bundesrat stimmte dafür. Nun ist das Kabinett am Zug.
Fachärzte im Kinderwunschzentrum Leipzig © Waltraud Grubitzsch/dpa

Paare mit problematischen Genanlagen können ihre Embryonen aus dem Reagenzglas in einigen Monaten mit Gentests auf schwere Defekte untersuchen lassen. Der Bundesrat stimmte einer entsprechenden Rechtsverordnung von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zu.

Die Länderkammer verlangte mit Mehrheit einige Änderungen. Dabei geht es etwa darum, dass die Zentren zur Durchführung der PID erst einzeln genehmigt werden müssen und somit begrenzt werden sollen. Von der ursprünglichen Forderung nach höheren Hürden für die PID rückte die Mehrheit der Länder aber wieder ab.

So fand die Forderung keine Mehrheit, dass die Länder selbst über die Zusammensetzung von Ethikkommissionen befinden können. Diese Gremien entscheiden in jedem Einzelfall, ob ein Paar eine PID vornehmen lassen darf.

Minister zufrieden

Hätte sich das ursprüngliche Verlangen hier durchgesetzt, hätte es sein können, dass Nichtmediziner in einigen Ländern die Entscheidungsgremien dominieren und besonders restriktiv entscheiden. In anderen hätte es dann liberale Kommissionen geben können. Nun sollen vier Mediziner und vier weitere Vertreter wie Ethiker und Juristen in den Kommissionen sitzen. Entschieden wird dort mit Zwei-Drittel-Mehrheit.

Bahr äußerte sich zufrieden. "Jetzt werden wir die Verordnung zügig in Kraft setzen und damit Rechtssicherheit für die Paare und alle Beteiligten herstellen", sagte er. Ethikkommissionen in verschiedener Zusammensetzung seien nicht sinnvoll. Die Zahl der PID-Zentren zu begrenzen, unterstütze er. "Am Ende muss es hinreichend viele Zentren geben."

Damit die Regelung wirksam werden kann, muss das Bundeskabinett noch zustimmen.

Kritiker warnen vor Designer-Babys

Für Kritiker bedeutet die Methode einen Dammbruch hin zu sogenannten Designer-Babys. Vor allem die katholische Kirche, Behindertenvertreter und die damals unterlegenen Bundestagsabgeordneten sind weiter gegen die PID.

Die Tests sollen Paare durchführen lassen können, die nur mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung ein Kind bekommen können, deren Gen-Anlagen aber eine Tot- oder Fehlgeburt oder schwere Krankheit des Kindes wahrscheinlich machen. Embryonen mit Schäden sollen der Mutter nicht eingepflanzt werden.

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Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Vermischung.

Lastenträger,

Respekt für Ihre Arbeit! Ich empfinde nichts als Hochachtung, für Ihre Arbeit.

Dennoch vermischen sie unabhänig davon Dinge, die nicht zu vergleichen sind.

Jeder Behinderte muss, wie Sie richtig sagen, die volle Aufmerksamkeit Tolleranz und Unterstützung unserer Gesellschaft erfahren. Ich weiß auch, dass das allzuoft nicht der Fall ist.

Ich habe auch nie behauptet, behindertes Leben sei lebensunwert, es ist mithin verachtlich, dass Sie mir das vorwerfen. Eltern, die es sehen wie Sie, und ein Kind auf die Welt bringen wollen, dass nur wenige Tage lebt, können das doch tun.

Sie übersehen vollkommen die Situation der Mutter. Es gibt Situationen, bei der die Geurt die Mutter selbst in Gefahr brächte, Sie müssen doch zugestehen, dass es Menschen geben kann, die nicht mal ein gesundes Kind wollen. Wie sollen diese Menschen mit einem behinderten Kind fertig werden.

Ich will damit sagen, dass es den Eltern selbst überlassen bleiben muss, ob sie sich in der Lage sehen das Kind zu bekommen oder eben nicht.

Fernerhin, ein Zygot mit einem lebenden und dann erkrankenden Menschen z.B. an Multipler Sklerose verbietet sich. - das dieser Vergleich hinkt wissen Sie aber ebensogut.

Einigen wir uns doch darauf, dass es Menschen gibt, die aus nachvollziehbaren Gründen kein Kind wollen. Das können Sie ja verabscheuungswürdig erachten. Das ist aber kein Grund ihre Weltanschauung Menschen aufzuzwingen, in deren Situation Sie sich nicht befinden.

Keine Euthanasie

Ich finde es unverantwortlich den Begriff der Euthanasie hier überhaupt ins Spiel zu bringen. Es diskreditiert die Opfer der Nationalsozialisten, verharmlost mithin, wo es nichts zu verharmlosen gibt.

@ Zeitgehabt: Euthanasie meint sie systemeatische Vernichtung "unwerten" Lebens im Nationalsozialismus. Das wollen Sie doch nicht im Ernst den Eltern vorwerfen, die eine PID wollen.

Sehen Sie es doch mal so: Die Eltern haben (de lege lata) zwei Möglichkeiten.

1.) Verzicht auf Kinder. Wenn die Eltern aber Kinder wollen wäre ein Verzicht mit Art. 6 Abs. 2 GG unvereinbar. Eltern haben also das Recht auf Kinder.

2.) Pränataldiagnostik. Also die in vivo ferilierte Zygote untersuchen, während einer Schwangerschaft. Zeigt die PND einen Gendefekt, erlauben die §§ 218 ff. StGB den Schwangerschaftsabbruch.

De lege ferenda, stimmt nun auch der BT zu, kommt dann die PID dazu.

ggf. (3): PID: Die in vitro fertilierten Zygoten werden untersucht, VOR der Implantation! dh., die Frau muss nicht erst schwanger werden.

Wenn man also die Optionen nüchtern analysiert, erscheint es mir logisch auf das Endergebnis abzustellen. Entweder die Eltern bekommen keine Kinder, was keine Option ist oder sie bekommen welche.

Viele genetisch "vorbelastete" Eltern wollen dieses Risiko nicht eingehen. Wenn die PID im Ergebnis hilf, dass überhaupt ein Mensch geboren wird, als Alternative zum Schwangerschaftsverzicht, liegt für mich der Vergleich zur Euthanasie fern.

Trotz der Gefahren!

Wir Menschen haben uns weg von Tier weg von der natürlichen Auslese entwickelt. Leben, das eigentlich nicht lebensfähig wäre, wird am Leben erhalten. Das hat seinen Preis.
"Jedes Leben ist lebenswert!
Ja, aber: Wenn wir uns erlauben, jede Behinderung zu akzeptieren und das Lebenswerte zu sehen, sollten wir aber nicht vergessen, daß das gesunde Leben doch anzustreben ist.

Hat denn tatsächlich jemand ein krankes Kind lieber als ein gesundes Kind? Bestimmt nicht.
Beruflich war ich in sehr vielen Tagesstäten für behinderte KInder. Da geht es lustig und fröhlich zu, und jder freut sich seines Lebens. Aber gesunde Kinder lachen auch und vielleicht sogar noch ein bisschen fröhlicher.