Gerichtsurteil : Kinder haben Anrecht auf Namen anonymer Samenspender

Die Namen von anonymen Samenspendern müssen ihren Kindern verraten werden, wenn diese ihren Vater kennen wollen. Die Klage einer Tochter hatte vor Gericht Erfolg.
Die mikroskopische Aufnahme einer menschlichen Eizelle, die in einem Speziallabor in Dresden zu Demonstrationszwecken injiziert wird. © Ralf Hirschberger/dpa

Die Tochter eines anonymen Samenspenders hat das Recht auf die Herausgabe des Namens ihres biologischen Vaters. Das entschied das Oberlandesgericht Hamm.

Geklagt hatte eine junge Frau, deren Mutter sich per Samenbank anonym befruchten lassen hatte.

Vor dem Landgericht Essen hatte die Klägerin in erster Instanz keinen Erfolg. Der beklagte Mediziner berief sich auch darauf, dass die Daten zu dem Fall nicht mehr vorliegen. Gesetzlich wurde eine längere Aufbewahrungsfrist erst vorgeschrieben, nachdem die heute 22 Jahre alte Klägerin geboren war.

Der Bundesgerichtshof hatte 1989 zwar bereits entschieden, dass es zu den Persönlichkeitsrechten eines Menschen gehört, seine genetische Herkunft zu kennen. Allerdings gibt es in Deutschland bisher keine Rechtsverordnung, die diese Frage genau regelt. Erst seit 2007 müssen laut Gewebegesetz Unterlagen über eine Samenspende 30 Jahre lang aufgehoben werden.

Theoretisch können auf Samenspender auch Unterhaltsansprüche zukommen. Zum Beispiel, wenn die Empfängerin des Spermas eine alleinstehende Frau ist. Möglich ist Samenspende sowohl für verheiratete als auch für unverheiratete Paare. Einige Bundesländer verlangen dafür allerdings einen notariellen Vertrag, in dem die gegenseitige finanzielle Absicherung festgeschrieben ist.

Es hängt von der Samenbank ab, ob sie Ärzten auch für alleinstehende oder homosexuelle Frauen Sperma zur Verfügung stellt. Diese Samenspenden gelten als Graubereich, sind aber auch nicht verboten.

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Kommentare

123 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Zur Unterhaltspflicht:

darauf wird auch im TExt verwiesen, vielleicht erst jetzt, aber immerhin.

Für mich wiegen hier ganz klar die Persönlichkeitsrechte der Spender mehr als alle anderen Rechtsbelange. Nicht mal dann, wenn das Kind sich rechtsbindend verpflichtet, keinerlei Unterhaltsansprüche einzufordern, halte ich die Herausgabe des Namens für extrem fragwürdig, weil die Tat des Vaters, welche vielleicht 15-30 Jahre, vielleicht mehr, zurück liegt, jetzt plötzlich wieder sein Leben beeinflussen könnte. Wie weit dann das Verständnis der neuen Familie geht, steht dann auf einem anderen Blatt.

Samenspenden werden, wie im Text beschrieben, entweder zu wissenschaftlichen Zwecken oder zum Familienglück anderer abgegeben, und man erhält dafür Geld. Dabei sollte man es bewenden lassen.

Ergänzung: Wortglauberei

Eben aus diesem Unterschied, der emotionalen Beweggründe ist es wohl auch für die Psyche des Kindes kontraproduktiv seinen Erzeuger einzuklagen. Das Kind hat emotionale Erwartungen an seinen Erzeuger. Dieser hat mit seiner Spermaspende aber keinerlei emotionalen oder sonstige gefühlsmässigen Zustände assoziiert. Für ihn waren es 100 Mark, ein Porno und ein Plastikbecher und vielleicht noch das gute Gefühl das nun ein anderer Mann Vater und eine andere Frau Mutter werden kann.

Stellt nun das Kind nach 20 oder mehr Jahren einseitig Kontakt her, wird es doch in der Regel enttäuscht. Der Erzeuger hat eine eigene Familie und abstrahiert zwischen seinen Kinder und der "Samenspende". Untersagt den Kontakt und das identitässuchende Kind ist noch mehr vor den Kopf gestoßen. Ich sehe einfach nicht wo aus dieser Entscheidung was gutes Erwachsen soll. Happy Ends gibt's zumeist nur in Hollywood. Es ist ja auch ein anderer Fall wie bei jenen Kindern, die ihren Vater auf dem ganzen Erdball suchen, weil dieser vor Jahr und Tag mal eine Liebesbeziehung mit der Mutter gehabt hat. Hier kann durchaus eine emotionale Bindung zum Kind da sein, da der Vater nicht wusste das er ein Kind hat und sich der Liebe zu seiner Partnerin von einst entsinnen mag.

Wer klaubt hier?

Bitte werfen Sie mir doch nicht Wortklauberei vor und betreiben Sie dann selber. Ob man Erzeuger oder biologischer Vater sagt, ist doch herzlich egal, es bezeichnet denselben Vorgang. Der Mann, der ein Kind aufzieht, ist der soziale Vater, nicht mehr und nicht weniger.

Jeder von uns trägt zur Hälfte das Erbgut seines biologischen Vaters in sich, die sich in ganz unterschiedlicher Weise nach Kombination mit dem mütterlichen Erbgut in unserem Phänotyp niederschlagen. Die Herkunft von bestimmten Eigenheiten oder Merkmalen wissen zu wollen ist ein ganz natürliches Verlangen. Wenn Ihnen das nicht einleuchtet, dann unterhalten Sie sich doch mal mit Betroffenen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen ihre biologische Herkunft nicht ermitteln können. Es kann nie schaden, seinen Horizont zu erweitern, wenn einem etwas nicht einleuchten will.

Kurios finde ich, dass ein Samenspender nicht Vater werden will. Wer nicht Vater werden will, sollte sich in Enthaltsamkeit üben, sterilisieren lassen oder konsequent Kondome benützen, aber doch nicht ausgerechnet Samen spenden! Ich bin sicher, dass man Samen auch ausdrücklich lediglich zu Forschungszwecken spenden kann.