InfektionskrankheitenNeuer Gentest verrät, wie Tuberkulose sich verbreitet

Millionen Menschen erkranken jährlich an TBC. Immer öfter sind die Erreger resistent gegen Antibiotika. Ein Schnell-Gentest vereinfacht jetzt die Jagd auf die Bakterien. von  und

Tuberkulose, kurz TBC, gibt es das überhaupt noch? Die Lungenkrankheit, die viele Deutsche nur noch aus historischen Büchern und Filmen kennen, ist global gesehen noch immer ein großes Problem. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO erkrankten allein 2011 weltweit 8,7 Millionen Menschen daran, 1,4 Millionen starben.

Auch aus Deutschland sind die Bakterien, die vor allem die Atemwege befallen, nicht verschwunden. 4.268 Fälle zählte das Robert-Koch-Institut im Jahr 2012, ein Jahr zuvor waren es 4.299. Immer häufiger helfen gängige Antibiotika nicht mehr, einige Erreger sind resistent geworden.

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Jetzt haben Infektionsbiologen eine neue Methode entwickelt, mit der sich Tuberkulose-Ausbrüche genauer und schneller verfolgen lassen. Zudem lassen sich Bakterien-Stämme so auf Resistenzen testen. Im Onlinefachjournal PLOS Medicine stellten die Forscher die neue Technik vor, die sie an 86 TBC-Patienten aus Deutschland erprobt haben.

Die Wissenschaftler machten sich für ihren neuen Test zunutze, dass die stäbchenförmigen TBC-Bakterien, wie auch wir Menschen, ein Erbgut aus Genen haben, das man entziffern kann. Darin verstecken sich Informationen darüber, woher die Erreger stammen. Denn während sie sich im Körper eines Infizierten vermehren, auf jemand anderes übergehen, und sich im Körper des Angesteckten weiter fortpflanzen, verändert sich ihr Erbgut ständig. Im Durchschnitt 0,4 Mal pro Jahr. Bei der Verdopplung ihres Erbguts treten also kleine Fehler auf, die von einer Bakterien-Generation an die nächste weitergegeben werden.

Und genau an diesen Spuren im Erbgut können Forscher die Reise eines Bakterien-Stammes zurückverfolgen und so herausfinden, ob etwa Krankheitsausbrüche an zwei Orten der Erde zusammenhängen, oder ob sich die Patienten an unterschiedlichen Infektionsherden angesteckt haben.

Die Gene der Bakterien verraten ihren Weg

Mit bisherigen Tests war das zwar schon möglich, doch man hatte nur einen groben genetischen Fingerabdruck, der nur bestimmte Erbgut-Abschnitte erfasst. Mit der neuen Sequenzier-Technik wird hingegen das komplette Erbgut von Mycobacterium tuberculosis aufgeschlüsselt. Dieser Test erkennt auch Gene, die dafür verantwortlich sind, ob ein Medikament gegen das Bakterium hilft oder nicht.

Beim Vergleich der alten Methode mit der neuen stellte sich heraus, "dass die untersuchten Tuberkulose-Bakterien aus dem Jahr 1997 zwar einen identischen genetischen Fingerabdruck hatten, sich in der Genomanalyse aber deutlich unterschieden", sagte Stefan Niemann vom Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften am FZ Borstel.

Er und seine Mitarbeiter fanden heraus, dass sich in Deutschland von 1998 an ein Tuberkulose-Stamm, der sogenannte Hamburg-Klon, verstärkt verbreitet hat. Er entstand vermutlich zwischen 1993 und 1997, bis 2010 wurden ihm 56 Patienten zugerechnet. Nach Angaben des Teams um Niemann wurden nach 2010 weitere Fälle mit dem Hamburg-Klon gefunden. Die genaue Anzahl sei unklar, weil die Analysen noch laufen.

Erkrankt jemand an Tuberkulose, werden sofort alle Personen im Umfeld des Infizierten untersucht. Zumindest in Ländern wie Deutschland, in denen es gut arbeitende Gesundheitsbehörden und ausreichend Medikamente gegen TBC gibt.

Dank des neuen Tests lässt sich bei dieser Untersuchung noch schneller klären, wer sich bei wem angesteckt hat. Das ist auch deshalb so wichtig, weil TBC eine Erkrankung ist, die lange im Verborgenen schlummern und erst Jahre später ausbrechen kann.

Die Bakterien lösen in der Lunge Entzündungen aus, von denen gesunde Menschen jedoch häufig zunächst nichts merken. Ihre Körperabwehr-Zellen reagieren prompt, kapselt die Bakterien in der Lunge ein und machen sie unschädlich – allerdings nur vorerst. Denn in den sogenannten Tuberkeln, die sich dabei bilden, leben die Bakterien weiter und warten nur darauf, dass die Immunabwehr geschwächt wird. Mangelernährung, chronische Erkältung, eine Aids-Erkrankung oder Altersschwäche – all das sind Voraussetzungen, unter denen die Tuberkulose dann ausbrechen kann. Jetzt erst kommt es zu den typischen Symptomen, wie schwerem, teils blutigem Husten. In diesem Stadium sind die Erkrankten hoch ansteckend. Befällt das Bakterium dann weitere Organe, während Antibiotika versagen, geht die Infektion tödlich aus.

Multi- oder extrem resistente Erreger kommen vor allem in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion vor. In Deutschland gibt das Koch-Institut für 2010 eine allgemeine Rate an multiresistenten Tuberkulose-Erregern von 1,7 Prozent an. Bei Patienten in Deutschland, die in den ehemaligen Sowjetstaaten geboren wurden, lag sie hingegen bei 12,9 Prozent.

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Leserkommentare
    • Mari o
    • 13. Februar 2013 14:59 Uhr

    Patienten leiden an starkem Husten, Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiß.
    schweißgebadet zwischen zwei Hustenanfällen fotografiert
    http://de.wikipedia.org/w...
    Die Übertragungswege:wie bei Grippe.angehustet zu werden kann ausreichen.Es können Monate vergehen bis eine offene Tb behandelt wird,und damit aus dem Verkehr gezogen wird.
    Helfen Antibiotika nicht mehr, kann die Krankheit mit dem Tod enden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tst
  • Schlagworte Robert Koch-Institut | Tuberkulose | Weltgesundheitsorganisation | Antibiotikum | Erbgut | Erkältung
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