Beschneidungsgesetz : Gesetzgeber kannte nicht alle Risiken der Beschneidung

Das Beschneidungsgesetz basiert auf fragwürdigen Empfehlungen von US-Kinderärzten, behaupten zahlreiche Mediziner. Ihre Kritik sei zurückgehalten worden.

12. Dezember 2012: Der Bundestag beschließt mit deutlicher Mehrheit einen eilig erarbeiteten Gesetzentwurf. Er regelt, dass auch weiterhin Jungen in Deutschland beschnitten werden dürfen. Dem Gesetz waren wochenlange Debatten über Religion und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit vorausgegangen. Nun melden sich erneut Kinderärzte aus verschiedenen Nationen zu Wort. Hat der Bundestag damals unter falschen Annahmen seine Entscheidung getroffen? Das längst verabschiedete Beschneidungsgesetz beruft sich auch auf Empfehlungen der American Academy of Pediatrics (AAP), dem angesehenen US-amerikanischen Kinderärzteverband.

Die Darstellung der AAP vom 27. August 2012 dürfte damals viele Kritiker des Gesetzentwurfs besänftigt haben. Darin heißt es: Die Beschneidung Neugeborener berge zwar Risiken, diese würden aber von gesundheitlichen Vorteilen knapp, aber doch eindeutig überwogen. Dies gehe aus der Studienlage hervor.

Dieses Fazit steht nun infrage. "Für uns ist absolut nicht nachvollziehbar, wie man das der Literatur entnehmen kann", sagt der Sexualmediziner Morten Frisch vom Statens Serum Institut in Kopenhagen. Zusammen mit 37 weiteren Autoren aus 17 Nationen kritisiert er die Empfehlung der AAP zur Beschneidung von Jungen scharf. Die Vorsitzenden von 19 europäischen Kinderärzteverbänden haben sich an der Kritik beteiligt.

Erschienen ist die Replik aber erst jetzt in Pediatrics, dem von der AAP herausgegebenen, weltweit einflussreichsten kinderärztlichen Magazin. Obwohl der AAP der Artikel schon Anfang September 2012 zur Veröffentlichung vorlag. Die Autoren berichten nun übereinstimmend von einer für den Wissenschaftsbetrieb unüblichen Verzögerung. Für Wolfram Hartmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft der Kinderärzte, sei damit der Eindruck entstanden, "die AAP versuche, die Veröffentlichung in Pediatrics zu verhindern, um sich einer offenen Diskussion nicht stellen zu müssen."

Die angeblichen Vorteile einer Beschneidung sind nicht haltbar

Hartmann war Ende November zu einer Anhörung über den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Beschneidung als Experte geladen. In seiner Stellungnahme sprach er sich entschieden gegen die Pläne der Bundesregierung zur Neuregelung der Beschneidung aus. Aus der nun erschienenen Kritik an der AAP-Empfehlung durfte Hartmann dabei nicht im Detail zitieren, geschweige denn sie im Volltext zur Verfügung stellen. "Das war unser Handicap. Der Bundestag hat sich dann ganz wesentlich auf die Stellungnahme der AAP berufen."

Die ist nach Ansicht der Kritiker nicht haltbar. Keiner der von der AAP angeführten Vorteile halte einer Analyse nach präventivmedizinischen Kriterien stand. Mitnichten schütze eine Beschneidung vor einer Reihe von Infektionen und Peniskrebs:

  • Harnwegsinfektionen treten nur bei einem Prozent der Säuglinge auf, die Komplikationsrate bei Beschneidungen ist dagegen doppelt so hoch. Es müssten also zwei Kinder Komplikationen erdulden, um einem Kind eine Infektion zu ersparen. Die Evidenz für den Schutzeffekt ist überdies unsicher.
  • HIV-Infektionen sind in den USA, wo 80% der Männer beschnitten sind, häufiger als in Europa, wo die Beschneidungsrate unter zehn Prozent liegt. Afrikanische Studien sind widersprüchlich, maximal wird ein 60-prozentiger Schutz für den Mann behauptet – für Frauen bietet die Beschneidung des Mannes keinen Schutz. Auf Kondome kann also nicht verzichtet werden.
  • Auch bei klassischen Geschlechtskrankheiten zählt man in den USA mehr Fälle als in Europa. Ein möglicher Schutz betrifft nur bestimmte virale Infektionen wie Herpes, nicht aber bakterielle Erkrankungen wie Syphilis. Kondome schützen umfassend.
  • Peniskrebs ist in der westlichen Welt extrem selten. Um einen solchen Fall zu verhindern, müssten Ärzte bis zu 322.000 Beschneidungen durchführen. In deren Folge sind statistisch bis zu 40 Todesfälle zu erwarten. Kondome schützen dagegen komplikationslos gegen die zugrundeliegende HPV-Infektion, die den Krebs auslöst. Im AAP-Papier werden Kondome aber gar nicht erwähnt.
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Kommentare

497 Kommentare Seite 1 von 28
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Ich sehe es kritisch aus

zwei Perspektiven. Den Eltern wurde ebenfalls dieses Riual gepredigt. Zu velangen, dass es überflüssig ist, ist schwer. Darum sind die Opfer die religiösen Familien und nicht nur die Kinder, denn die Eltern hätten bei einem rechtlichen Verbot gegen eventuelle religiöse Überzeugungen leben müssen .
Das Grundgesetzrechte einander gegenüberstehen passiert selten, ist hier aber der Fall und genau das macht die Situation so komplex. Ich habe andere Beispiel genannt, von kosmetischen Korrekturen, über die sich niemand aufregen würde. Darum die Frage. Warum die Aufregung hierbei?
Ein Kind wird seine Relgion selten wirklich frei wählen können. Der Konflikt entsteht eben darin, dass es z.B. beim Judentum zu dieser frühen festlegung kommt, aber wie frei ist die Taufe?
Wer beschneidet, kann ich nun wirklich nicht sagen. Wünschenswert, ja eigentlich sogar verpflichtend wäre es, dass es von Ärzten in steriler Umgebung unter Zugabe von schmerzlindernden Sachen durchgeführt wird.

Persönlich bin ich der Überzeugung, dass wenn ich als Eltern meine Religion "sauber" vorlebe, sich mein Kind mit einer hohen Wahrscheinlichkeit fü die gleiche entscheiden wird.

Man muss betrachten, dass es eine neue Generation von Eltern gibt, die andere Möglichkeiten haben, sich zu vernetzen und auszutauschen (danke web2.0), weswegen die Debatte innerjüdisch genauso geführt wird. Das ist wichtig.

Danke, dass Sie im anderen Kommentar auf den Unterschied der männlichen und weiblichen Beschneidung verwiesen haben.

Das müssen Sie

die unbeschnittenen Personen schon selbst fragen.
Was einem genommen werden kann? Wenn eine in der jeweiligen Religion einen bestimmten Zeitpunkt festlegt, in der ein bestimmtes Ritual zu erfolgen hat, dieses jedoch nicht erfolgt dann KANN, wohlgemerkt KANN es zu einem Identitätsproblem führen, denn dieses Ritual ist eines der wichtigsten in der jüdischen Religion. Das muss man in der Diskussion zumindest mit bedenken und mehr erwarte ich nicht.
Man muss die betroffenen Familien fragen, Eltern und Kinder (der Vater wird in der Regel ja beschnitten sein), was dies bedeutet.
Wir reden hier von einem Eingriff, den sich viele Millionen Männer freiwillig unterziehen aus verschiedensten Gründen. Das muss man ebenfalls mit bedenken und einfach in die Diskussion mit einfließen lassen.
Ich würde es begrüßen, wenn man die Wahl hätte, aber das ist ein Diskurs, der innermuslimisch und innerjüdisch geführt wird.

Religion

ist durchaus etwas sehr praktisches und die freie Ausübung der Religion ist ebenfalls ein Grundrecht.
Die Kritik gibt es nicht nur in Dtl. aber besonders hier fällt auf, dass es wieder ein Angriff auf die Religion an sich sind. Betrachten Sie es aus der jüdischen Perspektive. In vielen Ländern, vor allem in Regimen wurde das ausleben der jüdischen Traditionen unter Strafe gestellt und dann bricht ausgerechnet in Deutschland diese Diskussion mit dieser Wucht los. Wie würden Sie sich fühlen? Es ist nicht die Frage, dass man etwas diskutiert. Kann man machen. Sollte man sogar, denn es tut gut, immer wieder Bräuche und Gesetze zu prüfen, ob sie noch kompatibel sind.
Es gab mehr als genug Kommentare (auch hier im Forum) die zutiefst Antisemitisch waren. Wir haben ein Dtl. die historische Bürde in manchen Bereichen vielleicht feinfühliger sein zu müssen, als unsere Nachbarn und sicher auch, als vielen lieb ist. Darum MUSS man aber genau darauf achten, wie man diese Diskussion führt.
Das kann man religiös, soziologisch, juristisch machen und immer wird es genug Pro/Contra Argumente geben.
Wie bereits erwähnt. ich seh es kritisch, sehe aber auch die Schwierigkeit einer Lösung, denn so einfach uns vielleicht eine Ersatzhandlung erscheinen mag, so schwierig ist dies vielleicht für wirklich gläubige, Religionspraktizierende.
Und Kindeswohl bedeutet nicht nur körperliche Unversehrtheit, sondern auch emotionale Geborgenheit und Kinder können sehr fies sein beim Hänseln.

Druck erzeugt Gegendruck?

Von wem wird denn permanent Druck ausgeübt?" Ihr dürft keine Kopftücher tragen, kein Kreuz im Unterricht, eure Kinder nicht beschneiden, eure Religion nur im stillen Kämmerlein ausführen. Eigentlich haltet ihr euch ja eh nicht an unsere Werte und Gesetze."
Gestern ging es bei Günter Jauch um Salafismus und die Diskussion war am Ende wieder die Endlosschleife "Der Islam ist böse und alle müssen sich zu unseren Werten bekenne." Musste ich noch nie. Ich musste noch nie dem Grundgesetz treue schwören oder ähnliches.
Ich schrieb bereits. Es ist nicht nur Antisemtismus, sondern Antireligiösität, die sich breit macht und das schlägt sich auch auf die Art der Diskussion nieder. Sie sprechen von Druck? Von wem geht der Druck aus? "Ihr müsst" "Ihr sollt" "wer hier leben will" usw.
Und Antisemitismus? Er ist weit verbreitet. Soziologische Studien beweisen das leider.
Warum sind "wir" es, die immer meinen zu wissen, was für andere das beste ist? Wenn man die Diskussion in all seiner Komplexität geführt hätte, also zwingend auch mit religiösen Aspekten, die Replik wäre eine andere gewesen. So wurden jedoch Familien zu Monstern stilisiert, die ihren barbarischen Gott die Vorhaut und das Blut ihrer traumatisierten Jungen aus purer Bösartigkeit opfern. Diese Eltern seien grausame Zurückgebliebene, einer Steinzeitreligion.
Das eigentliche jüdische Trauma findet sich aber leider nunmal in der deutschen Geschichte und entsprechend feinfühlig muss man den Diskurs führen.

Natürlich kann man das.

".... Recht auf körperliche Unversehrtheit
Das Recht auf körperliche Unversehrtheit, kann man, gerade bei unmündigen Personen, die Kinder nun mal sind, nicht mit der Beschneidung vereinen!..."

Warum sollte man das nicht können? Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird Tag ein Tag aus in unzähligen Variationen tausende Mal verletzt, ob nun bei Kindern oder Erwachsenen. Ob Recht oder Unrecht vorliegt, hängt von den jeweiligen Rechtfertigungsgründen ab.

Die Argumentation, die ein Recht auf Beschneidung aus den Persönlichkeitsrechten des Kindes selber, aus seinen Ansprüchen aus dem grundgesetzlichen Würdebegriff ableitet, in dem es sich auf das Recht eines Kindes und seiner Eltern beruft, eine gemeinsame religiöse oder kulturelle Identität als Familienverband im Rahmen einer Glaubensgemeinschaft herausbilden zu dürfen, baut auf fundamentalen Grundrechtsnormen auf, die man nur ignorieren kann, wenn man Religionsfreiheit schlechthin eher wie ein Gnaden- und Nischenrecht für "religiöse Hinterwäldler" interpretiert. Das mag - da wiederhole ich mich - der Mentalität entsprechen, die in der Verfassunsgwirklichkeit der ehemaligen DDR prägend war, in einem Verständnis, deren Verfassung gesinnungskonformistischen Tendenzen entsagt, die Freiheit des Gewissens und der Weltanschauung garantiert, hat so was nichts zu suchen.

Konsens?

Ich versuch es mit einer Gegenperspektive.
Das Kopftuch hat für verschiedene Frauen verschiedene Bedeutungen (Sie kommen natürlich mit dem Extrem Burka um die Ecke) und uns obliegt es nicht die Intention zu deuten, sondern zu respektieren, dass sie es tragen. Vor 15 Jahren hat es ausserdem keinen interessiert.

Das Kreuz: Lernt ein Schüler schlechter, wenn ein Lehrer ein Kreuz trägt? Ich glaube nicht. Beeinflusst es die Schüler negativ? Aber ok. Gesetz ist ja Gesetz, egal wie kleingeistig es ist. Schließlich fahren wir auch alle nie zu schnell, oder laufen bei Rot über die Ampel. Wir alle leben und respektieren jedes Gesetz.
(ein Unterschied wäre es, wenn ein LehrerIN) Missionierungsarbeit leistet, denn das dies nicht geht und verboten gehört ist logisch.

Die Beschneidung: Der Staat hat es gesetzlich geregelt. Punkt.Aus. Sorry, aber so einfach sollte man es sich nicht machen mit einer Argumentation.

http://www.focus.de/gesun...

http://www.juedische-allg...

Das Thema wird immer sehr emotional debattiert."archaische Akt". Es gibt eine Rechtslage und es gibt die Gruppe der Betroffenen. Vielleicht fragen wir zur Abwechslung die Betroffenen.

http://www.spiegel.de/pan...

http://www.faz.net/aktuel...

Argumentative

Höchstleistung. Inhaltlich zwar größtenteils Falsch, dafür aber schön polemisch, mit leeren Phrasen. Besonders gut gefällt mir, dass Sie der Meinung sind, entscheiden zu können, wer hier etwas zu suchen hat und wer nicht. Das entscheidet in der Regel noch immer der Pass ;)
"Die Zeiten in denen die Religiösen entschieden haben, was Recht ist oder nicht, sind längst vorbei" Längst vorbei? Das ist ja sowas von untertrieben. Aber ich werde mich gerne mit Ihnen historisch auseinandersetzen. Wem oblag in der frühen Neuzeit eigentlich die Gesetzgebung im HrRdN?
Polemisieren ist einfach, argumentieren und das auch noch inhaltlich, umso schwerer :(
Vielleicht mögen Sie ja einen zweiten argumentativen Versuch einer Antwort unternehmen!

Und das ist

natürlich die Mehrheit der Musliminen in Deutschland. Verhüllt in "extremen Burkas". Was unterscheidet eigentlich die Burka von einer extremen Burka? Es mögen nur kleine unbeabsichtigte Worte sein, aber sie geben leider den Ton vor, in dem debattiert wird.
Sie und ich wissen nicht, welcher Kopf hinter der Burka steckt und warum die Frauen es tragen. Ich sprach jedoch vom Kopftuch. Gehen Sie doch bitte darauf ein. Im Übrigen empfehle ich die Lektüre des letzten links meines Kommentars. Ich würde mich über eine Antwort freuen.

Es ist

schwierig hier bei all den Kommentaren manchmal zu filtern, was noch als lockerer Scherz, oder mit einem Augenzwinkern geschrieben ist.
Mich haben die Ausführungen dieses jüdischen Autors beeindruckt, weil er sich dem komplexen Thema entspechend komplex nähert, ohne "auf die Tränendrüse" zu drücken. Er stellt den Druck der jüdischen Familien dar, die möglichen Probleme für das Kind (was ein Teil des Kindeswohls ist). Aber auch der jüdische Pro-Autor bringt viele sinnvolle Argumente und eine gewisse Doppelmoral ist leider nicht zu leugnen. Dazu reicht es, wenn man Jugendämter befragt.
Ich persönlich habe eine Meinung zur Beschneidung, aber wer bin ich, dass ich in Anspruch nehmen könnte, dass diese die Komplexität des Konflikts erfasst. Was ich jedoch weiß ist, dass die Einseitigkeit, mit der hier leider oft argumentiert wird, nicht zielführend ist.
Danke für die interessante Debatte mit Ihnen. MfG.

Quatsch,...

... von wegen widerlegt. Das Gegenteil ist der Fall: statistisch geht das gen Null und ist vollkommen vernachlässigbar. Und bei allem Respekt, das da:

"...Ich sehe nicht einen Grund, warum die religiöse Initiation nicht symbolhaft durchgeführt werden kann..."

... ist einzig und allein Sache der Religionsgemeinschaften und geht Außenstehende, erst recht den säkularen Staat schlicht nix an. Aber gerne sei nochmals wiederholt: wenn die Beschneidung auch nur im entferntesten mit jenen Risiken und Schäden einherginge, die Sie hier bar jeglicher Empirie dogmatisch behaupten, wäre sie längst als Ritual aus grauer Vorzeit Geschichte.

Genau:

"...Klar, so wie die Beschneidung von Frauen, ..."

... wir leben ja auch seit Jahrtausenden in matriarchalischen Verhältnissen, nicht? Mir fallen spontan eine ganze Reihe von plausiblen Erklärungen dafür ein, dass und wie die WEIBLICHE Genitalverstümmelung in MANCHEN Regionen bis in unsere Tage überleben konnte. Nicht ein einziger hingegen für die ungebrochene, in allen Erdteilen praktizierte Beschneidung von Jungs, wenn ich denn die behaupteten Schäden ernst nähme. Ihnen etwa? Verlassen wir also das Spielfeld der "religiösen Hinterwäldler" und begeben uns in die logischen und analytischen Sphären der Gesetzmäßigkeiten der Evolution normativer gesellschaftlicher Entwicklung. Aber nicht mehr heute. Ich gehe jetzt zu Bett. Gute Nacht.

Sie können noch so sehr....

... in zirkelschlusslastiger Ignoranz Ihre Phrasen über "Unrecht" dreschen, die Beschneidung hat einen sauberen juristischen Rechtfertigungsgrund auf der Grundlage des Grundgesetzes. Deswegen ist jede Antwort, die hier auf dieses hysterische Gekeife ergeht, nichts weiter als geduldiger Ausdruck des good will. Und Nein: es geht Sie nix an, auch wenn Sie sich noch so sehr gegenteiliges vorgaukeln.

Himmel.

Sie unterstellen dem Mitdiskutanten kulturelle Voreibgenommenheit, vergleichen aber das Beschneiden der Jungen mit dem Beschneiden der Mädchen. Hm.

Vielleicht wäre da etwas mehr Information hilfreich?

Bei der "richtigen" Beschneidung der Frau wird nicht ausschließlich eine Haut entfernt, sondern die Klitoris, die äußeren als auch die inneren Schamlippen komplett entfernt. Die Frau anschließend zugenäht-lediglich ein kleines Loch wird gelassen, die Frau muß schließlich Urin ablassen und menstruieren können.

Will der Mann nun seine Freude haben, wird die Frau aufgeschnitten, etc, etc.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen den von Ihnen vermuteten "kleinen" Unterschied näherbringen, weder das eine noch das andere gutheißend.

Polemisch ist

beides miteinander zu vergleichen. Wobei. Das kann man sogar machen, jedoch wenn, dann bitte richtig unter der Berücksichtigung von Kultur, Religion, Medizin und Gesellschaftsmodell. Und nach diesen Gesichtspunkten, sind die Unterschiede so deutlich, so groß, dass das verweisen auf das eine, um das andere zu verbieten, die weibliche Verstümmelung extrem relativiert und verharmlost.
Beides ist absolut getrennt voneinander zu betrachten und um auf Ihren Einwand einzugehen, dass die Schwere keine Rolle spielt.
Wenn Sie tausend Euro in der Geldbörse haben und ich Ihnen 1€ klaue, spielt das für Sie sehr wohl eine Rolle, als wenn ich die 1000€ nehme. Die Schwere spielt immer eine Rolle und ist nicht losgelöst zu betrachten, genauso wie die Intention.
Entschuldigung, wenn ich mich etwas echauffiere, aber beides auf eine Stufe zu stellen treibt mir die Zornesröte ins Gesicht, gerade im Hinblick auf die Intention und vor allem der Folgeschäden. Lebenslange Schmerzen, kein Lustempfinden usw. wie oft kommt das bei der männlichen Beschneidung vor? Im Übrigen gibt es Gründe, warum man unterschiedliche Ausdrucksweisen gebraucht. Damit eben nicht alles in einen Topf geworfen wird, was nichts miteinander zu tun hat.

Bitte begründen Sie Ihre Unterstellung

..denn nichts anders ist es.

Das "richtige" sollte lediglich den Unterschied verdeutlichen. Ich bin auf Ihren Text eingegangen, zuvor hatte ich mich ausschließlich auf das Thema "männliche Beschneidung" eingelassen.

Natürlich ist die männliche ebenso Körperverletzung, das war ja anfangs auch meine Aussage.

Und ebenso ist es ebenso natürlich ein Unterschied, ob ich Ihnen eine Ohrfeige verabreiche oder den Kiefer breche, sehen Sie mir das martialische Beispiel nach.

Sie verharmlosen aber

ob Sie es wollen oder nicht. Ob Sie es explizit machen oder nicht und ja, wenn ich überfallen werde und man mir einen Finger bricht, macht das einen gewaltigen Unterschied, als wenn man mir Nase und Kiefer bricht. Dies könnte ich ewig so weiterführen.

http://www.urologenportal...
"Gibt es nach dem Eingriff starke Schmerzen? In der Regel sind die Schmerzen gut erträglich. Bei Bedarf können leichte Schmerzmittel eingenommen werden. Kindern können schmerzstillende Zäpfchen verabreicht werden." Nochmal. Wir reden hier von einem Eingriff, den viele Millionen freiwillig machen und die, wenn es keine Komplikationen gibt, eben keine negativen Langzeitfolgen haben.

Der eigentliche Kern der Diskussion ist ein anderer. Was steht höher. Selbstbestimmung des Kindes, oder Erziehungsrecht? Recht auf Unversehrtheit oder Religionsfreiheit? Entscheidet der Staat oder die Eltern, was das Wohl des Kindes ist? Wenn es ein Recht auf Unversehrtheit gibt, wie steht es um kosmetische Korrekturen und da gibt es vielfältige weitere Beispiele, die jedoch konsequent ignoriert werden.

Das ist falsch,...

"...Es geht nicht um ein generelles Verbot. Es geht darum, das Kind, wenn es alt genug ist, selbst entscheiden zu lassen...."

... da auch der religionsunmündige kleine Moslem oder Jude das verbriefte Menschenrecht hat, in seiner religiösen Identität und den damit einhergehenden Erfordernissen anerkannt und geschützt zu werden. Unentwegt schimmert hier bei den Beschneidungsgegnern durch, dass sie aus dem Umstand der Religionsunmündigkeit eine Verpflichtung zur negativen Religionsfreiheit ableiten wollen. Das hat keinerlei rechtliche Grundlage. Der Zustand der Religionsunmündigkeit besagt zunächst einmal nichts anderes, als dass die Eltern diese Rechte für ihr Kind bis zur Erreichung des Alters der Religionsmündigkeit wahrnehmen, wie sie das in etlichen anderen Lebensbereichen auch tun, die unmittelbar die Persönlichkeitsrechte des Kindes betreffen.

Wo haben Sie die denn gesehen?

"...Nun gibt es meines Wissens sowohl unbeschnittene Moslems als auch Juden...."

Im Judentum mag es eine kleine Strömung geben, die nicht beschneidet, bei Muslimen dürfte die Beschneidung (fast) die Totalität aller Männer umfassen - und zwar völlig unabhängig vom Grad der Religiosität, ungeachtet aller sonstigen Heterogenität im Islam. Auch der Atheist lässt sein Kind ohne weiteres beschneiden. In folgender Konstellation kann ich mir vorstellen, dass jemand aus einem islamisch geprägten Kulturkreis auf die Beschneidung seines Sohnes verzichtet: überzeugter Atheist, der in einem tiefen inneren Konflikt mit seiner Herkunftskultur steckt und - ganz wichtig - für sich und sein Kind die definitive Entscheidung getroffen hat, im Zustand eines seelischen Renegatentums zu leben, in dessen Folge jeder Berührungspunkt zur Herkunftskultur vermieden wird. Ergänzend muss er auch noch unabhängig von der kognitiven und rationalen Feindschaft zu seiner Herkunftskultur von deren elementaren hygienischen Gepflogenheiten unberührt geblieben sein, den grundlegenden und durch die Sozialisation vermittelten Ekel überwunden haben. Ein hypothetischer Jemand mit diesen biographischen und persönlichen Merkmalen mag von der Beschneidung absehen können. Also so eine Art männlicher Necla Kelek. Ich kenne persönlich keinen und würde eine solche Person in ihrer Identität auch nicht mehr einem islamisch geprägten Kulturkreis zuordnen.

Spekulation

Die Behauptung lautete aber "GANZ SICHER". Und das ist nun mal Unsinn.

Zumal Sie sich nicht einseitig auf die WHO berufen können, da diese die Beschneidung ausdrücklich empfiehlt,
und dies keineswegs, wie der Beschneidungsgegner Putzke fälschlicherweise behauptete nur die, von Erwachsenen"

Dazu das WHO-Handbuch

"Male circumcision can be performed at any age."

Beschneidung ist also in jedem Alter möglich, jedoch empfiehlt die WHO:

"One important advantage of infant male circumcision is that the procedure is simpler than that performed on older boys and men because the penis is less developed and the foreskin is thinner and less vascular. Healing is quicker and complication rates are lower. The period of superficial wound healing after infant male circumcision is generally 5−7 days and most wounds heal completely within 14 days."

http://whqlibdoc.who.int/...

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