ImmunsystemMediziner warnt vor schädlicher Hygiene

Weil unser Körper auf eine schmutzige Welt eingestellt ist, kann zu viel Hygiene schaden, sagt der Pharmakologe Detlev Ganten. Selbst Wurmbefall könne die Abwehr stärken.

Hygiene kann nach Aussage des Mediziners Detlev Ganten auch negative Auswirkungen haben. Darum sollten Kinder nicht zu sehr vor Schmutz geschützt werden. "Zum Beispiel ist unsere Immunabwehr auf eine schmutzige Welt eingerichtet", sagte der langjährige Präsident der Berliner Universitätsklinik Charité dem ZEITmagazin. Wir bräuchten "den ständigen Umgang mit Bakterien, Pilzen, Viren und Dreck, um sie zu trainieren".

"Wozu ich uneingeschränkt raten kann, ist, Kinder unbeschwert auf dem Land auch mal im Dreck spielen zu lassen, das stärkt das Immunsystem. Wir kennen keine bessere Vorsorge gegen Allergien. Sollen sie barfuß durch den Misthaufen stapfen! Mir ist das auch bekommen", sagte Ganten.

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Selbst Würmer, die man früher mit verschmutzter Nahrung aufnahm, könnten der Körperabwehr Gutes tun: "Erwachsene, die als Kinder einmal welche im Darm hatten, erfreuen sich eines besonders guten Immunsystems." Allzu große Reinlichkeit könne auch Krankheiten wie Arthritis befördern. Die modernen, in Städten lebenden Menschen sollten sich als "Kinder der Evolution" begreifen und auf frühere Lebensweisen besinnen.

Ganten ist Professor der Pharmakologie und Präsident des jährlich in Berlin stattfindenden Weltgesundheitsgipfels World Heath Summit. Er gehört zu den einflussreichsten deutschen Medizinern und Vorreitern der Gentherapie.

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Leserkommentare
    • x41
    • 06. März 2013 11:52 Uhr

    Kleiner Tippfehler: Herr Ganten ist vermutlich nicht der Präsident des Welt-Heide-Gipfels ;)

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    Und sie ist von der häufig mit einer bestimmten Paarhuferart bezeichneten Zielgruppe nicht erkannt worden. Quod erat expectandum ;-)

    Da musste ich doch sehr schmunzeln !!! Und die Redaktion hat's offenbar noch immer nicht gemerkt, hahahaha :)

  1. gerade für Kinder gibt es nichts schlimmeres, als die permanent mit Spezialmitteln keimfrei gemachten Böden. Einen besseren Nährboden für alle Arten von Allergien gibt es nicht.

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    • gw1200
    • 06. März 2013 12:47 Uhr

    Wie soll man denn Böden "keimfrei" machen? Erstens ist das technisch gar nicht möglich und zweitens würde auf "keimfreien" Böden absolut nichts mehr wachsen.
    Das tatsächliche Problem sind die permanent im Haushalt angewendeten Desinfektionsmittel, die angepriesen werden mit dem Abtöten von 99,9 % aller "bösen Keime".

  2. Ich frage mich ersteinmal was ein Kardiologe zum Thema Immunolgie und Allergologie beizutragen hat. Vielleicht sollte der Schuster doch besser bei seinen Leisten bleiben. Und für die Zeit wäre es sicherlich besser echte Experten auf dem Gebiet zu zitieren.

    Zu der Aussage bleibt noch zu sagen, dass sie pauschal und damit falsch ist. Kontakt mit bestimmten keimen könnte nach heutigem Stand der Wissenschaft eventuell vor der Entstehung von Allergien schützen.

    Es gibt aber genausoviele Keime die mit einem Allergiegeschehen einhergehen können z.B. das respiratorisches synzytial virus (RSV) wird in verschiedenen hochrangigen Publikationen als möglicher Faktor für allergische Erkrankungen und Asthma beschrieben.

    Auch das "Allheilmittel" Bandwürmer ist mit sicherheit nicht so pauschal betrachtbar. Sicherlich gibt es Studien die einen Positiven Effekt für spätere Allergien zeigt, allerdings gibt es andere Erkrankungen die durch die kindliche Infektion mit Bandwürmern begünstigt werden.

    Alles im allen für eine Wissenschaftsredaktion ein schmächlicher Artikel. Ich würde mir wünschen das er schnell wieder von Zeit-Online verschwindet bevor Eltern ihre Kinder auf Masern-Parties schicken damit das Immunsystem was zutun hat. Solche Körperverletzung resultieren nämlich aus so pauschal gehaltenen Artikeln.

    8 Leserempfehlungen
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    "Zu der Aussage bleibt noch zu sagen, dass sie pauschal und damit falsch ist."

    Auch zu dieser Aussagen bleibt noch zu sagen, sie ist pauschaul und damit falsch... :D

    • zfat99
    • 06. März 2013 12:50 Uhr

    Fragen Sie nicht, er ist kein Kardiologe!

    Es gibt aber ein anderes, größeres Problem mit dem Herrn Professor, seine Aussage - "...Mir ist das auch bekommen", sagte Ganten." hat statistisch einen äußerst geringen Wert.

    Ganten ist nicht Kadriologe, sondern Facharzt für Pharmakologie und Molekulare Medizin.

    ... andererseits sind schon Leute an einer Karotte erstickt. Das kann man nicht einfach unter den Tisch kehren, das muss differenziert dargelegt werden auf 300 bis 1000 seitigen Zeit-Artikel.

    spricht der Herr Ganten von Würmern, die man früher mit verschmutzter Nahrung aufgenommen hat.

    Das hat mit Bandwürmern nichts zu tun.

    So pauschal, wie Sie ihn machen, ist der Artikel dann auch nicht. Von Masernpartys ist nicht die Rede, dass das Körperverletzung ist, darüber sind sich hoffentlich die meisten hier einig.
    Es geht um ganz normalen "Alltagsdreck", wie man damit umgeht und welchen Umgang man seinen Kindern nahelegt.
    Da gibt es dann zwei Einstellungen: "möglichst sauber" und "entspannt".
    Natürlich kann Alltagsdreck auch Krankheitserreger enthalten, die gerade für ein geschwächtes Immunsystem gefährlich sind.
    Aber scharfe Reinigungsmittel, der übermäßige Einsatz antibakterieller Substanzen (der Resistenzen fördert) und der Entzug normaler Umweltreize für das Immunsystem richten durchaus auch Schaden an, abgesehen davon, dass es enormer Stress ist, sich permanent vor Keimen zu fürchten, und dass absolute "Reinheit" völlig unmöglich ist.
    Für den gesunden Durchschnittsbürger halte ich die Empfehlung, sich nicht vor jedem Krümel Dreck zu fürchten, daher für durchaus vernünftig.
    Wenn man die Empfehlung differenziert verbessern wollte, müsste man deutlich mehr über die "Privatökologie" des Menschen, der unzähligen Bakterien auf unserer Haut, in unserem Darm und auf den Schleimhäuten wissen; meines Wissens nach gibt es da durchaus noch einigen Forschungsbedarf.

    • Gibbon
    • 06. März 2013 12:42 Uhr

    Dass übertriebene Hygiene einem gesunden Menschen schadet, ist inzwischen allgemein bekannt. Ebenso ist Hygiene aber ein wichtiger Bestandteil der allgemeinen Gesundheitsprävention. Gerade im Bereich der Lebensmittelzubereitung kann und soll auf Hygiene nicht verzichtet werden. Auch besondere Personengruppen müssen weiterhin besonders geschützt werden, weil ihr Immunsystem eben nicht mit den "normalen" Keimen zurechtkommt. Kinder sollen ruhig im Dreck (ich gehe davon aus, dass damit Erde und keine kontaminierten Böden gemeint sind) spielen, aber vor der nächsten Mahlzeit sollen sie sich waschen. Fäkalien sollten allgemein nicht als Spielplatz benutzt werden und wenn sich Würmer im Kind ansiedeln, sollte eine Entwurmung mit Tabletten durchgeführt werden. Es gibt einen großen Unterschied zwischen normaler Alltagshygiene, die die Krankheitsbelastung senkt und übertriebener Hygiene, die den natürlichen Schutz durch das Immunsystem zerstört. Also bitte nicht gegen Hygiene allgemein wettern, sondern differenziert auf das Thema eingehen.

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  3. 5. Ironie

    "Zu der Aussage bleibt noch zu sagen, dass sie pauschal und damit falsch ist."

    Auch zu dieser Aussagen bleibt noch zu sagen, sie ist pauschaul und damit falsch... :D

    12 Leserempfehlungen
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    "'Zu der Aussage bleibt noch zu sagen, dass sie pauschal und damit falsch ist.'

    Auch zu dieser Aussagen bleibt noch zu sagen, sie ist pauschaul und damit falsch... :D"

    Ja wer hat denn den Artikel geschrieben. Der Kommentator oder eher doch der Autor? Wer wird dafür bezahlt? Einmal ganz abgesehen davon, dass man als Kommentator nur 1.500 Zeichen zur Verfügung hat.

    Aber ich finde schon noch auch für Sie einen Schreibauftrag, keine Sorge. In dem ich mich schon an dieser Stelle für Ihre unentgeltliche Tätigkeit freue, belasse ich es bei diesen Zeilen.

    • gw1200
    • 06. März 2013 12:47 Uhr

    Wie soll man denn Böden "keimfrei" machen? Erstens ist das technisch gar nicht möglich und zweitens würde auf "keimfreien" Böden absolut nichts mehr wachsen.
    Das tatsächliche Problem sind die permanent im Haushalt angewendeten Desinfektionsmittel, die angepriesen werden mit dem Abtöten von 99,9 % aller "bösen Keime".

    3 Leserempfehlungen
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    >>Wie soll man denn Böden "keimfrei" machen?<<

    Nicht verzagen, Otto fragen: https://www.youtube.com/watch?v=c0DEqfjEpZc

    • zfat99
    • 06. März 2013 12:50 Uhr

    Fragen Sie nicht, er ist kein Kardiologe!

    Es gibt aber ein anderes, größeres Problem mit dem Herrn Professor, seine Aussage - "...Mir ist das auch bekommen", sagte Ganten." hat statistisch einen äußerst geringen Wert.

    2 Leserempfehlungen
  4. Ganten ist nicht Kadriologe, sondern Facharzt für Pharmakologie und Molekulare Medizin.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, nf
  • Schlagworte Erwachsene | Evolution | Hygiene | Immunsystem | Krankheit | Mediziner
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