Fakten zur Unfruchtbarkeit : Wenn das Wunschkind ausbleibt

Warum können manche Menschen keinen Nachwuchs bekommen? Wie viel kostet die künstliche Befruchtung? Eine Grafik mit Zahlen und Fakten zur ungewollten Kinderlosigkeit
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Respekt.

Ich fande wie Sie die Statistik ebenfalls sehr interessant und schweifte mit meinen Gedanken so darum, wie es wohl den Paaren geht, die keine Kinder bekommen können und dann lese ich Ihren Kommentar.

Sie bilden den konkreten Fall, dass Sie zwar Kinder bekommen können, aber, bedingt durch eine vererbbare Krankheit (die, wenn ich Sie richtig verstanden habe, "nur" bei ihren männlichen Nachkommen ausbricht, ihre weiblichen Nachkommen den Defekt weitertragen) diese Kinder, egal in welcher Kombination diese Erkrankung mitnehmen werden.

Ich hätte Ihnen jetzt vorgeschlagen, den medizinischen Fortschritt zu nutzen und eine künstliche Befruchtung in Erwägung zu ziehen. Das haben Sie mit Ihrer Partnerin schon ausgeschlossen. Welche Gründe haben denn dazu geführt? Es wäre die "Ausflucht" aus dem Dilemma (medizinischem ~). Mich würde Ihre Beweggründe interessieren.

Egal, wie Sie sich entsheiden, ich denke, Sie finden einen Weg der Ihnen, Ihrer Partnerin und Ihrem Kind begehbar erscheint.

Danke für die offenen Worte!

Künstliche Befruchtung

Danke für das Interesse.

Nun ja, zum einen hilft uns die künstliche Befruchtung ja nur in der Hinsicht weiter, dass wir weibliche Samenzellen ausschließen und nur Jungs bekommen können (die als meine direkten Nachkommen nicht krank werden. Sie bekommen mein Y-Chromosom, das ist ja gesund). Das wollen wir aber eigentlich nicht. Wenn schon Kinder, dann soll zumindest die Chance bestehen, dass es sowohl Mädchen wie Jungen werden.

Außerdem gefällt zumindest mir die Vorstellung nicht, dass ein ganzes Rudel anderer Menschen da seine Finger im Spiel hat. Bei der Geburt ist das ja dann wieder was anderes.

Mir wäre eine Adoption lieber, aber das will meine Freundin nicht. Sie sagt, sie könnte adoptierte Kinder nie so sehr lieben wie eigene. Kann ich persönlich nicht nachvollziehen, respektiere ich aber.

Von daher überlegen wir und überlegen... in unserem familiären Umfeld rät uns im Übrigen niemand davon ab. Nicht mal die Mediziner. Alle behaupten, die Krankheit wäre zur Zeit meiner etwaigen Enkel - also in rund 40 Jahren - noch besser im Griff als heute. Aber das ist ja nur Wunschdenken.

Ursache der Kinderlosigkeit

Wenn etwa 30% aller Frauen und aller Männer unfruchtbar sind, dann würde ich jetzt rein mathematisch annehmen, dass bei etwa (0,3)^2 * 100 % = 9% aller ungewollt kinderlosen Paare sowohl Mann als auch Frau unfruchtbar sind. Gibt es einen Erklärungsansatz, warum der in der Statistik angegebene Wert mehr als dreimal so groß ist?

Bedingte Wahrscheinlichkeit ;-)

Genau. Betrachtet werden nur die konkreten Fälle mit unerfülltem Kinderwunsch.

Besser so verstehen:
- Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Mann am unerfüllten Kinderwunsch beteiligt ist := 60 % (30%+30%)
- Frauenbeteiligung auch entsprechend := 60%
- Wahrscheinlichkeit, dass Ursachen bei beiden liegen := 30%

Wenn man jetzt weiß, dass der Mann auf jeden Fall für den unerfüllten Kinderwunsch ursächlich ist, bedeutet diese Information, dass mit einer Wahrscheinlicheit vom 50% auch Ursachen bei der Frau vorliegen.
(Bedingte Wahrscheinlichkeit := 30% / 60%).
Folglich macht die Berechnung (30%)^2 gar keinen Sinn, da die Ereignisse nicht unabhängig sind.

Die wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer am nichtererfüllten Kinderwunsch beteligt beträgt laut Statistik übrigens ja 90% ( = 0,6 + 0,6 - 0,3 )

Trotzdem stimmt die Statistik nicht

Wären beide Ereignisse unabhängig voneinander, so wären bei 60 % Frauen beteiligt, bzw Männer, die gemeinsame Ursache bei 36 %.

Nun sind aber beide Ereignisse aber nicht unabhängig. So können zwei Partner die nur bedingt fertil sind, zwar in ihrer Kombination Schwierigkeiten haben schwanger zu werden, würden eventuell jedoch mit einem anderen Partner doch noch schwanger.

Ebenso gibt es natürlich falsche Praktiken, oder aber seltene immunologische Ursachen, die auf die Kombination spezifisch sein kann.

Natürlich beträgt die Wahrscheinlichkeit, daß mindestens einer am nichterfüllten Kinderwunsch beteligt beträgt laut Statistik übrigens 100%.

Ungeklärt heißt ja nicht, daß niemand beteiligt ist, sondern nur, daß man nicht sagen kann wer.

Schon alleine die glatten runden und gleich großen Zahlen von jeweils 30% machen jedem Einfaltspinsel klar, daß es sich um eine vereinfachte Statistik handelt, die nicht strengen mathematischen Kriterien stand hält, sondern an Laienleser gerichtet ist.

Ein weites Ereignisfeld

Ist ja gut. Die 0,3^2 machen doppelt wenig Sinn: Keine stochastische Unabhängigkeit und falsche funktionale Zuordnung der Wahrscheinlichkeit zu den entprechenden Ereignissen. Und ja, in 10% der Fälle kann keine eindeutige Zuordnung der Ursache auf einen oder beide Partner erfolgen. Entschuldige die schlechte Wortwahl. Alle ihre Überlegungen sinde richtig!

Klar ist das "hübsche" Laienstatistik, wollte doch nur meinen Vorrednern behilflich sein. Außerdem hat dieses kleine Bildchen im Hinblick auf Aussagenlogik und Statistik eindeutig hohen didaktischen Wert ;-)