SuchtberichtAlkohol kostet Zehntausende das Leben

Der Konsum von Bier, Wein und Schnaps ist unverändert hoch, Zehntausende Menschen sterben deshalb. Experten fordern höhere Preise und weniger Werbung für Alkohol.

Der Konsum von alkoholischen Getränken wie Wein ist unverändert hoch in Deutschland.

Der Konsum von alkoholischen Getränken wie Wein ist unverändert hoch in Deutschland.

Jeder Deutsche hat 2011 im Schnitt 136,9 Liter alkoholische Getränke wie Bier, Wein oder Spirituosen getrunken. Das entspricht einer randvoll gefüllten Badewanne. Dies geht aus Zahlen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen hervor.

Umgerechnet entfielen damit auf jeden Deutschen rund 9,6 Liter reinen Alkohols. Damit bleibt der Konsum in Deutschland auf unverändert hohem Niveau, schon in den beiden Vorjahren hatte er etwa diesen Wert.

Die Folgen sind dramatisch: Etwa 74.000 Menschen sterben nach Berechnung der Suchtexperten jährlich an den Folgen von Alkohol allein oder in Kombination mit dem Rauchen. Durch alkoholbedingte Erkrankungen, Fehlzeiten oder Frühverrentung entstehe in Deutschland ein volkswirtschaftlicher Schaden von 26,7 Milliarden Euro pro Jahr.

Zahlreiche alkoholbedingte Krankheiten

Die Diagnose "Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol" sei inzwischen die dritthäufigste in der Krankenhausstatistik, bei Männern sogar die häufigste Diagnose unter den stationär behandelten Patienten. Hinzu kämen weitere typische Krankheiten wie alkoholbedingte Leberzirrhose, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Krebserkrankungen sowie Unfälle und Verletzungen unter Alkoholeinfluss.

Nicht nur Vieltrinker setzten ihre Gesundheit aufs Spiel, mahnte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Man müsse nicht erst süchtig werden, um alkoholbedingt zu erkranken. Schon durch den regelmäßigen Konsum von Alkoholmengen, die von den meisten als gering betrachtet werden, könnten Organe geschädigt, das Krebsrisiko gesteigert und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht werden.

Experten fordern höhere Alkoholpreise

Die Grenzwerte für einen relativ risikoarmen Alkoholkonsum gesunder Erwachsener lägen für Frauen bei nur zwölf Gramm und für Männer bei 24 Gramm reinen Alkohols pro Tag. Ein 0,3-Liter-Glas Bier enthält rund 13 Gramm reinen Alkohols, ein 0,2-Liter-Glas Wein rund 16 Gramm.

Die Suchtexperten fordern, dass die Preise für Alkoholika angehoben werden. So könne der Konsum in Deutschland verringert werden. Auch sollte die Werbung für alkoholische Getränke stärker eingeschränkt werden. Zudem fordern die Experten mehr Promillekontrollen im Straßenverkehr.

 
Leser-Kommentare
  1. Bei Zigarettenschachteln wird sich reichlich Mühe gegeben den Segen des Lasters darzustellen. Beim Alkohol geht man dann über den in kleinen Portiönchen und poppig daherkommend als "In"-Getränk auch am besten noch an Heranwachsende so früh wie möglich zu gewöhnen. Später darfs selbstverständlich auch etwas mehr sein (also Alkohol). Aber das das irgendetwas mit einer gut vertretenen Lobby zu tun hat, da hat bestimmt keiner dran gedacht. Wenn man mal die ganze Litanei der Schäden, nicht nur gesundheitlich, sondern auch volkswirtschaftlich zu beleuchten, müßte man eigentlich ruck zuck was unternehmen. Aber ich denke, das wird eine Illusion bleiben.

    7 Leser-Empfehlungen
  2. "Die Suchtexperten fordern, dass die Preise für Alkoholika angehoben werden. So könne der Konsum in Deutschland verringert werden."

    Gute Idee. Aber wenn der Konsum verringert wird, dann wird auch auch weniger Alkohol verkauft. Also wird vermutlich nichts aus dem Plan

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    Vor allem noch: nur noch Reiche oder Leute mit Geld können sich dann ein Glas Wein leisten. Ist das vernünftig? Gerecht? Zusätzlich fehlt beim Alkohol die Dimension, die beim Rauchen die Durchsetzung der Verbote ermöglichte: Das Passivrauchen, es werden auch andere geschädigt. Dies ist beim vernünftigen Umgang mit Alkoholl nicht der Fall. Was wollen die "Gutmenschen" noch alles verbieten?

    Vor allem noch: nur noch Reiche oder Leute mit Geld können sich dann ein Glas Wein leisten. Ist das vernünftig? Gerecht? Zusätzlich fehlt beim Alkohol die Dimension, die beim Rauchen die Durchsetzung der Verbote ermöglichte: Das Passivrauchen, es werden auch andere geschädigt. Dies ist beim vernünftigen Umgang mit Alkoholl nicht der Fall. Was wollen die "Gutmenschen" noch alles verbieten?

  3. ...wenn man zu viel drinkt kann man nicht machen.
    Es ist das gleiche mit dem Tabak und dem übermäßigen Zucker, Salz und Fettkonsum.
    Wer es nicht hören will wird auch durch weniger Werbung und höhere Preise nicht hören wollen.
    Okay, beim Alkohol sind die evt. Schäden nicht nur auf die Person die getrunken hat beschränkt, aber dann sollte man die Strafen furs alk. Auto fahren und für Verkehrsunfälle deutlich nach oben setzen.
    Meiner Meinung nach ist es jedem Menschen frei überlassen ob und wie er sich ungesundes antut.
    Mehr als ihnen sagen das es eine schlechte Idee ist, steht niemanden zu.
    Was hilft es der gesündeste auf dem Friedhof zu sein?

    10 Leser-Empfehlungen
    • Chali
    • 03.04.2013 um 16:14 Uhr

    Die "Suchtexperten" sind beim Bundesfinanzminister angesiedelt?

    Der nun mit tränenerstickter Stimme die Volksgesundheit fördern und fordern datf, dass die Steuern erhöht werden? Was ja die Aufgabe des Ministers ist.

    Vielleicht könnte man ja mal etwas zu der Ursache der deutschen Trunksucht erfahren? Menschen in guter Lebenssituation, die einer besseren Zukunft entgegen sehen, neigen im Allgemeinen doch nicht dazu, sich die Birne vollzuknallen?

    5 Leser-Empfehlungen
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    • Kagiro
    • 03.04.2013 um 17:05 Uhr

    "Menschen in guter Lebenssituation, die einer besseren Zukunft entgegen sehen, neigen im Allgemeinen doch nicht dazu, sich die Birne vollzuknallen?"

    Die Realität sieht anders aus: Der Anteil an Akademikern bei Alkoholikern ist recht hoch, vor allem zunehmend von Frauen.
    Und: Bei Studenten liegt er höher als bei nicht trinkenden Gleichaltrigen.
    ( „ ... haben 44 Prozent der studierenden Männer ein Alkoholproblem, unter den Frauen sind 19 Prozent betroffen. Insgesamt lag bei 30,2 Prozent der 1130 befragten Studenten ein Alkoholsyndrom vor.“) (http://www.spiegel.de/spi...)

    • siar
    • 03.04.2013 um 18:29 Uhr

    Der volkswirtschaftliche Schaden durch Alkohol ist sehr hoch.

    Es werden nur ca. 3 Milliarden € durch Alkoholsteuer eingenommen, es entstehen aber Kosten von ca. 24,4 Milliarden €.

    Ich bin stark dafür, dass die Alkoholsteuer kräftig erhöht wird und Alkohol endlich genauso verdammt wird wie das Rauchen.

    Warum soll ich dafür aufkommen, wenn jemand unbedingt Alkohol trinken will.

    • Kagiro
    • 03.04.2013 um 17:05 Uhr

    "Menschen in guter Lebenssituation, die einer besseren Zukunft entgegen sehen, neigen im Allgemeinen doch nicht dazu, sich die Birne vollzuknallen?"

    Die Realität sieht anders aus: Der Anteil an Akademikern bei Alkoholikern ist recht hoch, vor allem zunehmend von Frauen.
    Und: Bei Studenten liegt er höher als bei nicht trinkenden Gleichaltrigen.
    ( „ ... haben 44 Prozent der studierenden Männer ein Alkoholproblem, unter den Frauen sind 19 Prozent betroffen. Insgesamt lag bei 30,2 Prozent der 1130 befragten Studenten ein Alkoholsyndrom vor.“) (http://www.spiegel.de/spi...)

    • siar
    • 03.04.2013 um 18:29 Uhr

    Der volkswirtschaftliche Schaden durch Alkohol ist sehr hoch.

    Es werden nur ca. 3 Milliarden € durch Alkoholsteuer eingenommen, es entstehen aber Kosten von ca. 24,4 Milliarden €.

    Ich bin stark dafür, dass die Alkoholsteuer kräftig erhöht wird und Alkohol endlich genauso verdammt wird wie das Rauchen.

    Warum soll ich dafür aufkommen, wenn jemand unbedingt Alkohol trinken will.

  4. jede(!) droge hat Nebenwirkungen, die gößte zahl davon zeitigt soghar gravierende, furchtbare Folge. das muss man nicht ausführlich beschreiben. Auch halbwegs intellektuell überschaubaren Zeitgenossen sollte derlei nicht entgangen sein. Nun, wenn sich die Folgen nur auf den "Genießenden" beschränkten, dann würde ich sagen, weiter so! Aber mehr noch betroffen sind Nahestehende, Familien und ArbeitskollegInnen. Und darum ist es eine Farce jedwedes Suchtproblem zu bagatellisieren oder etwa, wie hier geschehen schon, lächerlich zumachen.
    Drum für alle Zeitgenossen, die dieser Betrachtungweise anhängen: Prosit und Zum Wohl!

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    • porph
    • 03.04.2013 um 16:58 Uhr

    ... wäre ja schön, wenn das Alkoholproblem "nur" Nahestehende, Familien und Arbeitskollegen beträfe. Oft trifft es aber völlig Fremde. Ein ziemlich großer Teil aller Verkehrsunfälle wird durch Alkohol am Steuer verursacht. Damit werden Menschen gefährdet, die noch nie einen Tropfen Alkohol getrunken haben und die den alkoholisierten Täter noch nie vorher gesehen haben. DAS ist der wahre Skandal, finde ich.

    Etwas überspitzt formuliert: Das Risiko beim Passivrauchen für Unbedarfte in räumlicher Nähe zum Raucher sieht (fast) jeder ein, und macht sich daher dafür stark, dass das Rauchen stärker reglementiert wird. Wer allerdings stockbesoffen Fußgänger, Radfahrer und andere Autofahrer umnietet, begeht halt einen Verkehrsunfall. Nein, es ist in dem Falle eben kein "Unfall", sondern da hat jemand vorsätzlich (es sei denn, der Alkohol floss ihm so durch Zufall in den Mund, bevor er ins Auto stieg) unschuldige Menschen gefährdet.

    Dass Alkoholeinfluss bei manchen Verbrechen sogar strafmildernd (!) wirkt, davon fange ich gar nicht erst an...

    • porph
    • 03.04.2013 um 16:58 Uhr

    ... wäre ja schön, wenn das Alkoholproblem "nur" Nahestehende, Familien und Arbeitskollegen beträfe. Oft trifft es aber völlig Fremde. Ein ziemlich großer Teil aller Verkehrsunfälle wird durch Alkohol am Steuer verursacht. Damit werden Menschen gefährdet, die noch nie einen Tropfen Alkohol getrunken haben und die den alkoholisierten Täter noch nie vorher gesehen haben. DAS ist der wahre Skandal, finde ich.

    Etwas überspitzt formuliert: Das Risiko beim Passivrauchen für Unbedarfte in räumlicher Nähe zum Raucher sieht (fast) jeder ein, und macht sich daher dafür stark, dass das Rauchen stärker reglementiert wird. Wer allerdings stockbesoffen Fußgänger, Radfahrer und andere Autofahrer umnietet, begeht halt einen Verkehrsunfall. Nein, es ist in dem Falle eben kein "Unfall", sondern da hat jemand vorsätzlich (es sei denn, der Alkohol floss ihm so durch Zufall in den Mund, bevor er ins Auto stieg) unschuldige Menschen gefährdet.

    Dass Alkoholeinfluss bei manchen Verbrechen sogar strafmildernd (!) wirkt, davon fange ich gar nicht erst an...

  5. ... steht der Alkohol- und Tabaklobby in nicht viel nach, wie man an den leicht irreführenden Zahlen sieht. "136,9 Liter alkoholische Getränke wie Bier, Wein oder Spirituosen" - ja was denn jetzt? Ist ja wohl ein Unterschied, ob es sich um Bier oder Rum handelt. Gut, nehmen wir den Durchschnittswert von 9,6 l reinen Alkohol pro Jahr. Umgerechnet erhält man dann ein Glas Wein bzw. 1-2 Bier pro Tag. Laut Grafik ist das entspricht das risikoarmen Konsum. Aber das hört sich natürlich nicht so toll an, wie eine Badewanne voll Schnaps!

    11 Leser-Empfehlungen
  6. verkauf reiner alkohol pro person pro jahr 1976 7,7L
    ''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''' 2008 6,9L

    Und das bei preisen von ^~7,50-8 Euro pro weissbier heutzutage.
    das sind nur die zahlen des staates ueber den systembolag, verkaufsalter ab 20jahre.

    also die leute kommen so oder so an den schnaps und wenn er selbstgerannt ist.
    dh höhere preise, unter dem vorwand der gesundheit, sind doch eher ein vorschlag der finanzbehörde. zucker und fett stört auch keinen dort. auch kommt es eher zu sturzbesäufnissen wenn der zapfhahn mal nichts kostet

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  7. für Radeberger Bier auf, da habe ich den Artikel noch gar nicht richtig gelesen ...

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