KinderwunschFür die Männer Vitamine, für die Frauen Yoga

Vitalstoffe, Ayurveda, Homöopathie – viele Paare versuchen alles, um ein Kind zu bekommen. Im schlimmsten Fall verlieren sie wertvolle Zeit, sagen Reproduktionsmediziner. von 

"Schüssler-Salze für Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt" oder "Luna Yoga für die Fruchtbarkeit" und die üblichen Verdächtigen: Akupunktur und Ayurveda. "Natürlich gibt es immer jemanden, der kurze Zeit nach einer solchen Behandlung schwanger wird", sagt Matthias Bloechle. Der Berliner Reproduktionsmediziner ist bekannt durch seine Selbstanzeige, die den Anstoß zur begrenzten Zulassung der Präimplantationsdiagnostik in Deutschland brachte. Er ist ein nüchterner Schulmediziner.

Ungewollt kinderlos

Wer Kinder will, hat kein Problem? Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland haben keinen Nachwuchs, obwohl sie ihn sich wünschen. Doch darüber reden will fast niemand. Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein so intimes Thema, das nur schwer öffentlich zu diskutieren ist.  

ZEIT ONLINE schildert in einer Themenwoche, wie Menschen mit Unfruchtbarkeit und ihren Folgen umgehen. Wie ist es zu erklären, dass das Problem größer wird? Welche medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und was müsste die Gesellschaft tun, um den Betroffenen zu helfen?

Die Themenwoche

Editorial: Schicksal ungewollt kinderlos

Infografik: Wenn das Wunschkind ausbleibt

FAQ: Was tun bei ungewollter Kinderlosigkeit?

Männer ohne Kinder: Schweißer, Autonarr, unfruchtbar

Kinderwunsch: Als wäre jemand gestorben

Künstliche Befruchtung: Zu arm zum Kinderkriegen

Ungewollt kinderlos: Für die Männer Vitamine, für die Frauen Yoga

Samenbank: Spender Nummer 4.077

Samenspende: "Ich bin froh, nicht mit diesem Mann verwandt zu sein"

Medizinethiker: "Kinder kann man nicht erzwingen"

Regenbogenfamilien: Vater, Vater, Mutter, Mutter, Kind, Kind

Ungewollt kinderlos: Ist halt so

Leserartikel

Haben Sie persönliche Erfahrungen mit dem Thema Kinderlosigkeit gemacht? Helfen Sie zum Beispiel als Arzt Paaren, ihren Kinderwunsch zu erfüllen? Dann würden wir uns freuen, wenn Sie davon in einem Leserartikel berichten, gerne auch anonym.

Bisher erschienene Leserartikel zur Themenwoche:

Ungewollt kinderlos: Aus Angst nicht mehr schwanger

Unfruchtbare Liebe: Traumfrau ohne Eierstöcke

Ungewollt kinderlos: Marathon bis zur Schwangerschaft

Ihren fertigen Text können Sie hier einreichen. Beispiele für aktuelle Leserartikel, an denen Sie sich orientieren können, finden Sie hier. In unseren FAQ können Sie nachlesen, was Sie beim Verfassen Ihres Beitrags beachten sollten. Falls Sie Fragen haben, erreichen Sie uns per Mail an leserartikel@zeit.de.

ALS E-BOOK

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Und in einem hat er recht: Es gibt keine seriöse Studie, die belegt, dass eine der Methoden aus dem Arsenal der Alternativmedizin – geschweige denn der Esoterik – gegen eine medizinisch begründete Unfruchtbarkeit hilft.

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Denkbar ist allerdings, dass weiche Methoden auch gegen weiche Probleme helfen. Ein gesunder Lebensstil, gute Ernährung, Bewegung und Entspannung sind Voraussetzungen, die die Chancen auf ein Kind erhöhen, meint auch Bloechle. Doch was die alternativmedizinischen Methoden angeht, sagt er: "Ich bin da ungläubig, aber es hat keinen Sinn, jemandem etwas auszureden."

Ungewollt kinderlos
Sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos. Wie gehen sie mit dieser Lebenskrise um? Alle Beiträge zum Thema finden Sie hier.

Sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos. Wie gehen sie mit dieser Lebenskrise um? Alle Beiträge zum Thema finden Sie hier.  |  © Miriola Dzik/Photocase

Das hat er auch im Fall der jungen Frau nicht getan, die kürzlich zum ersten Mal in seiner Sprechstunde war. Bloechle hat den Verdacht, dass bei ihr eine Endometriose, eine unkontrollierte Wucherung von versprengter Gebärmutterschleimhaut im Bauchraum, die Ursache der Unfruchtbarkeit ist. Man kann das abklären, gegebenenfalls eine In-vitro-Befruchtung vornehmen. Seine Patientin möchte es aber lieber erst einmal mit manueller Therapie versuchen. Dabei wird vor allem der Bauchraum sanft massiert, was den Frauen angeblich helfen soll, ihr hormonelles Gleichgewicht zu finden.

Schätzungsweise ein Drittel versucht Alternativen

Mit diesem Wunsch ist sie nicht alleine. Zahlen aus Deutschland gibt es zwar nicht, doch im Nachbarland Dänemark nutzt nach einer Studie aus dem Jahr 2009, die Forscher der Universitäten Kopenhagen und Cardiff in Wales durchführten, etwa jede dritte Patientin eines reproduktionsmedizinischen Zentrums auch alternative Angebote; meist ohne dass die Ärzte etwas davon wissen. Die Forscher raten Frauen jedoch dazu, ihren Ärzten von allen Methoden zu erzählen, die sie parallel zur Schulmedizin anwenden.

Die dänischen Forscher stießen bei ihrer Erhebung auf ein interessantes Phänomen: Die Frauen, die irgendeine Zusatzbehandlung machten, waren ein Jahr später seltener schwanger als die anderen. Könnte es also sein, dass manche Methode das Gegenteil bewirkt? Wahrscheinlicher ist eine andere Erklärung, nämlich dass diese Frauen die schulmedizinische Behandlung weniger konsequent mitmachten. Andere Störfaktoren wie das Alter oder die Dauer des Kinderwunsches rechneten die Wissenschaftler bereits heraus.

Leserkommentare
  1. Die Baby-Take , d.h. Geburten liegt pro reproduktionsmedizinischen Behandlungszyklus bei etwa 18%. ( bedeutet etwa 82% der Behandlungszyklen sind erfolglos). Mehr als 20% der etablieren Schwangerschaften sind Zwillingsschwangerschaften, die mit mütterlichen und kindlichen Risiken einhergehen.
    Bei diesen geringen Erfolgsraten der reproduktionsmedizinischen Behandlung sowie den hohen Risiken sind die Erfolgsraten alternativer Verfahren vergleichend wissenschaftlich zu evaluieren.

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    Die Zahlen, die Sie hier anführen, sind zu pauschal und damit irreführend.

    Die Erfolgsquote hängt entscheidend vom Alter der Frau, von der Anzahl der eingesetzten Eizellen und dem Stadium des Einsetzens der Eizelle (z.B. erst im Blastozystenstadium) ab. Bei einem Alter unter 35 Jahren, dem Einsetzen mehrerer befruchteter Eizellen und dem Einsetzen im Blastozytenstadium kann die Erfolgsquote bei 50% pro Versuch liegen. Zudem erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft bei mehreren Versuchen.

    Von einer geringen Erfolgsquote kann somit keine Rede sein.

    Ich gebe Ihnen zwar Recht, dass eine Mehrlingsschwangerschaft größere Risiken mit sich birgt, aber die Gefahren sind heute gut in den Griff zu bekommen.

    Ich bin im ersten Behandlungszyklus schwanger geworden und nun im dritten Monat schwanger (keine Zwillinge). Ohne die künstliche Befruchtung hätten wir kaum die Chance auf eigenen biologischen Nachwuchs gehabt. Die Anwendung alternativer Methoden halte ich in der Situation der ungewollten Kinderlosigkeit für nicht ratsam, der wertvolle Zeit verloren geht.

    Die von Ihnen aufgeführte Erfolgsrate von 50 % nach Blasatzozystentransfer "Baby-Take-home" in der Altersgruppe unter 35 Jahre in auch im Deutschen IVF Register nicht nachvollziehbar. Einzelfälle dürfen nicht generalisiert werden. Sie wecken bei den Betroffenen nur Erwartungen die nicht erfüllt werden. Die sehr enttäuschen Paare, insbesondere die Frauen leiden sehr, an dem vermeintlich individuellen Versagen. Psychotherapeutische Angebote werden an diese Paare gemacht und sie haben eine zweite Krankheit

  2. ...denn alle Methoden aus dem Arsenal der Alternativmedizin konnten ihre Wirkung im Gegensatz zu vielen schulmedizinischen Maßnahmen und allen verschreibungspflichtigen Medikamenten nicht oder nur mittels umstrittener Einzelstudien nachweisen.
    Das hindert allerdings viele übersättigte und sinnsuchende Menschen aus den Industrieländern dennoch nicht daran, den alternativmedizinischen Methoden deutlich mehr Glauben zu schenken als Maßnahmen mit nachgewiesener Wirkung wahrzunehmen. Gerne auch mit einer gesunden Portion Skepsis der "Wissenschaft" gegenüber. So kann man wunderbar den eigenen Lifestyle noch durch seinen eso-alternativ-Glauben aufpeppen, individualisieren und sich dadurch so herrlich wichtig fühlen - ist man doch in der Lage, so "aufgeklärt" hinter die Kulissen zu schauen... Allerdings ist den meisten dabei nicht klar, wie sehr die Naturwissenschaften dafür gesorgt haben, Wissen von (Aber)glauben zu trennen. Diese Errungenschaft ist allerdings leider gerade wieder durch fehlgeleitete und pseudointellektuelle Hardcore-Esoteriker, die sich ihre Haltung nur durch ihre Herkunft aus medizinisch abgesichterten Industrieländern leisten können, deutlich auf dem Rückmarsch...

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    Ich unterstreiche Ihr Posting in vollem Umfang.

    Vor allem den Punkt, den Sie im letzten Teil ansprechen, und der mir auch immer wieder aufstößt: Eso-Schnickschnack, aber auch viele andere "alternative Heilmethoden" können sich tatsächlich nur wir in unseren medizinisch hochgerüsteten westlichen Ländern leisten, die wir einigermaßen auf der sicheren Seite sind.

    Ich verstehe Leute, die auch Angst haben vor der Technik und Medikamentierung, gerade bei Kinderwunschbehandlungen ist ja der Hormoneinsatz nicht ohne. Aber die Erfolgsquoten sprechen für sich, auch wenn es wie überall im Leben eben keine hundertprozentige ist!

  3. Zucker und Salz gibts im Supermarkt für ein paar Cent - oder in der Apotheke (Homöopathie-Zuckerugeln und Schüßlersalze) für viele Euro. Die medizinische Wirkung ist die gleiche.

    Clever wer so simple Produkte so teuer zu vermarkten weiß. Selber schuld wer sie kauft.

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  4. Einmal Invitro und einmal ICSI heißen heute Jonathan (12) und Henriette (8) und ohne diesen Pionier würde es sie nicht geben. Bei fünf Zyklen, drei Schwangerschaften mit einer Sternentochter haben meine Frau und ich glücklicherweise eine überdurchschnittliche Erfolgsquote gehabt, die meine Frau allerdings auch zweimal auf die Intensivstation geführt hat. Wir würden es wieder machen. Es ist für den Erfolg aus meiner Sicht wichtig, dass die Paare die Zyklen "mitleben" und genau mitkoppeln was der Arzt vorgibt. Wir haben nach einiger Erfahrung die Hormonstimulation quasi "übernommen" und sind dann auch hart an der medizinischen Grenze gefahren. Ich bin sicher, dies hat zu unseren zwei (drei) Kindern geführt. Ursache der Unfruchtbarkeit sind verklebte Eileiter aus einer frühen Clamydieninfektion gewesen, die meist unbemerkt verläuft. Kein Frauenarzt, der da standardmäßig drauf untersucht.

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  5. Die Zahlen, die Sie hier anführen, sind zu pauschal und damit irreführend.

    Die Erfolgsquote hängt entscheidend vom Alter der Frau, von der Anzahl der eingesetzten Eizellen und dem Stadium des Einsetzens der Eizelle (z.B. erst im Blastozystenstadium) ab. Bei einem Alter unter 35 Jahren, dem Einsetzen mehrerer befruchteter Eizellen und dem Einsetzen im Blastozytenstadium kann die Erfolgsquote bei 50% pro Versuch liegen. Zudem erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft bei mehreren Versuchen.

    Von einer geringen Erfolgsquote kann somit keine Rede sein.

    Ich gebe Ihnen zwar Recht, dass eine Mehrlingsschwangerschaft größere Risiken mit sich birgt, aber die Gefahren sind heute gut in den Griff zu bekommen.

    Ich bin im ersten Behandlungszyklus schwanger geworden und nun im dritten Monat schwanger (keine Zwillinge). Ohne die künstliche Befruchtung hätten wir kaum die Chance auf eigenen biologischen Nachwuchs gehabt. Die Anwendung alternativer Methoden halte ich in der Situation der ungewollten Kinderlosigkeit für nicht ratsam, der wertvolle Zeit verloren geht.

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  6. Daß man Schüßlersalze und Co. der Esoterikmedizin zuordnet, ist ja durchaus berechtigt, aber Pflanzenheilkunde oder Akupunktur?

    Immerhin forschen derzeit einige Wissenschaftler u.a. an der langfristigen Wirkung von Phytoöstrogenen, wie man sie in Soja, Hülsenfrüchten und Hopfen findet, auf die Kapazitation von Spermien. Einige Forschungsergebnisse lassen vermuten, daß Umweltöstrogene kurzfristig die Fruchtbarkeit grünstig beeinflussen, langfristig jedoch Spermien unreguliert kapazitieren lassen, was die Akrosomreaktion und damit die Befruchtung der Eizelle verhindern würde.

    Kritik ist wichtig, aber manche Schulmediziner schießen mitunter so weit über das Ziel hinaus, daß sie nicht glaubwürdiger werden, als die von ihnen Kritisierten.

  7. Also uns hatte die Schulmedizin austherapiert, wir haben gut 1,5 Jahre alles was das Programm zu bieten hat mitgemacht (Inseminationen, Hormongaben in Tablettenform, Spritzen etc.) und standen dann in der Schlange zur Invitro, Wartezeit hier in Schweden 1,5 Jahre.
    Da versuchten wir es eben mit Homöopathie, das Ergebnis im zweiten Zyklus homöopathischer Behandlung wird am Sonntag drei.
    Interessanterweise, wäre der jetzt dreijährige Erfolg dessen mit Schulmedizin zustande gekommen, dann würde sich die Schulmedizin dies als Erfolg auf die Fahnen schreiben, die Homöopathie wird dann aber angezweifelt, ein Schulmedizinr würde das nur aunter "Zufall" subsumieren...

    Herzlichst,

    Bandhagen

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