Therapieansatz für Süchtige
Die Wissenschaftler um Cheng und Bonci hoffen, dass ihre Rattenversuche eines Tages zu Therapien führen, mit denen Drogenabhängige ihre Krankheit in den Griff bekommen. Der Ansatz aus dem Experiment lässt sich auf Menschen jedoch nicht übertragen, da man auch ihnen dazu ein Gen einschleusen müsste, das auf Laserlicht reagiert. Nach derzeitigem Forschungsstand wäre so etwas viel zu riskant und nicht machbar. Hinzu kommt, dass das Suchtverhalten bei den Ratten nach der Stimulation ihres Präfrontalen Cortex nur in Kombination mit den Stromstößen signifikant nachließ. Sprich: Menschen müssten zusätzlich mindestens eine Art Verhaltenstherapie machen, um von der Sucht wirklich loszukommen.
Auch direkte Eingriffe ins Gehirn sind keine Option, weil die falschen Areale getroffen werden könnten. Womöglich fielen mit dem Ausschalten der Suchtzentrale im Kopf weitere wichtige Hirnfunktionen aus. Denkbar wäre, die für das Suchtverhalten entscheidenden Hirnareale auf andere Weise anzuregen, etwa durch Transkranielle Magnetstimulation (TMS). Mit dieser Methode lässt sich zum Beispiel Migräne lindern, wie erste Studien gezeigt haben. Denkbar wären auch Medikamente, wobei diese zunächst die Chemie im ganzen Gehirn beeinflussen würden, nicht nur in der Region, die man stimulieren will.
Insgesamt ist der Rattenversuch also als Grundlagenforschung zu verbuchen. Das wichtigste Ergebnis bleibt der Nachweis, welch wichtige Rolle der Präfrontale Cortex für das Suchtverhalten spielt.
Eine Pille gegen die Sucht?
Dass Medikamente eine Sucht grundsätzlich lindern können, weiß man spätestens seit dem Selbstversuch eines alkoholkranken Arztes aus Frankreich, der in den USA lebt und durch Zufall von einem Kokainabhängigen erfuhr, bei dem das entkrampfende Mittel Baclofen den Rauscheffekt gelindert hatte. Da der "Kick" durch die Droge ausblieb, ließ auch das Verlangen nach dem Rauschgift ab. Der alkoholkranke Arzt experimentierte daraufhin mit dem für Epileptiker zugelassenen Medikament, wurde trocken und schrieb ein Buch über seinen Therapieerfolg. Klinische Studien zu dem Wirkstoff stehen noch aus, an der Charité in Berlin gibt es erste Ansätze, eine Hand voll Alkoholkranke unter Aufsicht mit Baclofen zu behandeln.








...auf dem Bild ist keine Ratte, sondern eine Maus. Nehme ich zumindest an. Vielleicht gibt es ja noch ein passenderes Bild irgendwo im Internet.
Lieber Leser!
Ich habe natürlich darauf geachtet, dass eine Ratte gezeigt wird. Nach den Informationen, die zu diesem Bild verfügbar sind, ist es eine und gerade keine Maus.
Aber es ist ja kaum zu erkennen.
Dass das Bild bei seiner Entstehung von der Bildagentur womöglich falsch zugeordnet wurde, kann ich nicht ausschließen.
Herzliche Grüße!
via ZEIT ONLINE plus App
Leider vermengt der Artikel eher undifferenziert einige Aspekte des Themas.
Die beschriebene Grundlagenforschung ist "interessant", derzeit aber in keiner Weise hinsichtlich einer Therapieoption als bahnbrechend anzusehen. Es handelt sich um einen "mechanischen" Ansatz bei dem bestimmte Hirnregionen direkt lokal manipuliert werden, eine Therapie am Menschen würde einen eher biochemischen Ansatz erfordern (Grundlage einer Medikation). Gerade Suchttherapie ist am Tiermodell schwer zu verifizieren.
Baclofen ist kein Epilepsiemedikament! Es handelt sich um ein Medikament zur Behandlung abnorm hoher Muskelspannung (Spastik). Die Behandlung bei Alkoholerkrankung ist nicht systematisiert erforscht sondern basiert auf der Ableitung einer Einzelerfahrung (Prof. O. Ameisen) und nachfolgendem "Ausprobieren" von Betroffenen.
Der Einsatz in der Medizin erfolgt durchaus bereits vor dem Vorliegen kontrollierter Studien; schließlich handelt es sich um oft verzweifelte Versuche eine Sucht in den Griff zu bekommen. Die Dosierungen die verwendet werden sind aber nicht wirklich geklärt. Gerade beim Baclofen findet sich sehr oft der -im Internet gerne kolportierte Mythus- dann "wieder kontrolliert trinken zu können", sich die Abstinenz zu ersparen; aus eigener Erfahrung ist dass aber nicht möglich.
Eine Vermengung der Themen Grundlagenforschung und "off label"-Therapieversuche ist m.E. irreführend.
Grüße
T
Im Gegensatz zu Baclofen -hier fehlen noch konkrete Daten zur Wirksamkeit- gibt es eine weitere Substanz die mit gleicher Berechtigung genannt werden kann (Namelfene, http://clinicaltrials.gov...)
Im Test haben Menschen mit Alkoholabhängigkeit die Substanz oder ein Placebo bekommen, nach einen halben Jahr hatte sich in der Verumgruppe die tatsächliche Trinkmenge halbiert.
Die Relevanz der Studie für den Einsatz als Medikament ist umstritten, Abstinenz i.S. einer Behandlung des Leidens war eben nicht das Ziel. Ich persönlich halte es für diskussionswürdig ob ein Einsatz eines (dann sicher sehr teuren!) Medikamentes zur Reduktion der Trinkmenge sinnvoll ist, man kann befürchten, dass die Abstinenzmotivation durch das (eventuell spätere) Vorliegen dieser Behandlungsoption verringert wird.
Viele Grüße
T.
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