Leserartikel

TherapieberatungWer verdient an meinem Kinderwunsch?

Nach erfolgloser Hormontherapie versucht Leserin Katharina B., mit In-vitro-Fertilisation schwanger zu werden. Sie möchte nicht für zweifelhafte Medikamente zahlen. von Katharina B.

Seit drei Jahren versuchen mein Mann und ich, ein Kind zu bekommen. Nach einem Jahr suchte ich einen Hormonspezialisten auf. Damit begann eine lange Zeit zwischen Hoffen und Bangen, die mein Vertrauen in Ärzte beschädigt hat.

Bei meinem zweiten Arztbesuch verschrieb mir der Arzt hormonregulierende Medikamente. Danach wurde mir im Durchschnitt zweimal pro Woche Blut abgenommen. Ich hörte, meine Arztpraxis sei gleichzeitig Betreiber eines Labors, die diese Untersuchungen durchführt. Der Arzt sprach mit mir nie über Risiken, geschweige denn über Alternativen. Immer wieder wurde mir Hoffnung gemacht, es würde schon bald klappen mit dem Nachwuchs. Ich fühlte mich immer mehr wie ein Versuchskaninchen.

Anzeige

Der Arzt stimulierte meinen Körper mit dem Medikament Clomifen. Danach erhielt ich beim Schwangerschaftstest ein positives Ergebnis, doch die Eizelle nistete sich nicht ein. Man erklärte mir, dass dies wahrscheinlich auf eine Nebenwirkung des Medikaments zurückzuführen sei. Deshalb wurde ich auf Gonal, ein anderes Medikament, umgestellt.

Die künstliche Befruchtung

Die künstliche Befruchtung ist ein Überbegriff für verschiedene medizinische Methoden, eine Schwangerschaft herbeiführen. Sie kann Paaren der Kinderwunsch erfüllen, die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können.

Die gängigste Methode ist die Insemination, bei das Sperma des Mannes mit medizinischen Instrumenten in die Gebärmutter der Frau eingeführt wird.

Eine weitere Möglichkeit ist die von Robert Edwards und Patrick Steptoe entwickelte In-vitro-Fertilisation – also die Befruchtung im Reagenzglas. 

Die In-vitro-Fertilisation

Die In-vitro-Fertilisation findet außerhalb des Körpers der Frau in einer Glasschale statt – deswegen in-vitro (Lateinisch: "im Glas"). Die Eizelle wird noch vor dem Eisprung aus dem Eierstock entnommen. Anschließend wird sie mit einer Nährlösung und den Spermien des Mannes vermischt. Die Umgebungsbedingungen aktivieren den Samen – ein notwendiger Schritt für die künstliche Befruchtung, den der Reproduktionsmediziner Robert Edwards entwickeln konnte. Er erhielt 2010 für seine Methode den Nobelpreis.

Nach der Befruchtung beginnt die Eizelle sich zu teilen. Zweieinhalb Tage und einige Zellteilungen später wird dieser noch winzige Embryo mit einer dünnen Nadel in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt. Hier verdoppelt er seine Zellen weiter bis er ein bestimmtes Stadium (Blastula) erreicht hat. Dann vereinigt sich der Embryo mit dem Gewebe der Mutter und wächst weiter – genau wie ein natürlich gezeugtes Kind.

Eine Sonderform der In-vitro-Fertilisation ist die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), bei der ein einzelnes Spermium mit einer sehr feinen Pipette unter dem Mikroskop in die Eizelle injiziert wird.

Auf meine Frage, warum man nicht gleich Gonal angewandt hätte, bekam ich zu hören: Clomifen sei günstiger und daher das erste Mittel der Wahl. Schließlich müsse ich an unser Gesundheitssystem denken. Muss ich? Muss ich nicht vor allem an meine Gesundheit denken?

Als ich weiter fragte, warum man mich nicht über dieses Risiko aufgeklärt hätte, fragte der Arzt scheinheilig: "Ach, Sie möchten informiert werden?" Ich begann, mich in das Thema einzulesen, und fand sehr kritische Informationen und Hinweise auf Risiken, insbesondere auf das Medikament Clomifen bezogen.

Warum Leserartikel?

Text- und Bildbeiträge unserer Leser bereichern unsere Inhalte um zusätzliche Sichtweisen, Erfahrungsberichte und Meinungen. Sie sind von Menschen, die wissen, wovon sie sprechen, weil sie es selbst erlebt haben oder unmittelbar betroffen sind. Oder weil sie sich in einem bestimmten Thema sehr gut auskennen. Erzählen Sie unseren Lesern die Geschichten, die wir nicht erzählen können. Und zeigen Sie ihnen die Fotos und Videos, die sie sehen sollten. Zur Artikeleingabe

Leserartikel schreiben

Grundsätzlich ist jedes Thema für einen Leserartikel geeignet, solange Sie aus Ihrer eigenen Erfahrung und einem persönlichen Blickwinkel darüber berichten und keine Rechte Dritter verletzen. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie Hinweise für das Verfassen Ihres Artikels für ZEIT ONLINE. Bitte senden Sie uns Ihren Artikel bzw. Links zu Fotos und Videos über unser Leserartikel-Formular.

Der ZEIT-ONLINE-Wald

© BeneA / photocase.com

Als Dankeschön schenken wir Ihnen für jeden veröffentlichten Leserartikel einen Baum. Seit 2011 haben wir in Zusammenarbeit mit iplantatree.org knapp 1500 Bäume gepflanzt und geben diese nach und nach an unsere Leserartikelautoren ab. So wächst in Berlin Friedrichshagen ein ZEIT ONLINE-Wald heran, genährt von unseren schreibenden Lesern. Aktuell rangiert das "Team ZEIT ONLINE" auf Platz 19 der aktivsten Baumpflanzer des Projektes. Dafür danken wir Ihnen.

Mittlerweile mache ich eine In-vitro-Fertilisation (IVF) ohne Hormonstimulation. Die Therapie nennt sich natural cycle. Ich habe davon in einem Buch über Reproduktionsmedizin gelesen und ein Kinderwunschzentrum gefunden, das sie mit mir durchführt. Die Chance auf Erfolg sinkt bei dieser Therapie zwar. Im Gegensatz zu der hormongestützten Therapie reift pro Zyklus in der Regel nur eine Eizelle heran. Aber die Kosten sind wesentlich geringer, da ungefähr ein Drittel der Kosten bei einer IVF auf die teuren Medikamente fällt.

An drei Versuchen einer IVF beteiligt sich meine Krankenkasse. Erst wenn ich danach für weitere Versuche alleine aufkomme, würden es für mich insgesamt teurer werden als mit der hormonunterstütztenden Therapie. Ansonsten sind die Kosten deutlich niedriger. Ich bin bereit mehr zu zahlen, wenn ich meine Gesundheit nicht in die Hand von Pharmakonzernen legen muss, denen ich nicht über den Weg traue.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. "Ich bin bereit mehr zu zahlen, wenn ich meine Gesundheit nicht in die Hand von Pharmakonzernen legen muss, denen ich nicht über den Weg traue."

    In dem beschriebenen Fall hat der Arzt nicht über die Nebenwirkungen aufgeklärt - ist das die Schuld der Pharmaunternehmen?

    Die Verwendung von billigerer Generika (Clomifen) an Stelle teurerer patentierter Medikamente wie Gonal ist wohl auch nicht gerade im Sinne der Pharmaindustrie.

    Die Erfolgsaussichten von IVF sind nicht toll, die Nebenwirkungen erheblich. Das steht so in jedem Dokument zum Thema, das von der Pharmaindustrie kommt und es wäre schön, wenn die Ärzte dies auch ehrlich sagen würden. Auf dieser Basis kann dann jeder seine eigene Entscheidung treffen.

    2 Leserempfehlungen
  2. Selbst Schuld wenn man gleich unbedacht alles schluckt, was einem der Arzt so verschreibt. Vor allem, wenn es um Hormone geht. Jedes Kleinkind weiß doch mitlerweile, dass alles, v.a. auch Hormone, mit Nebenwirkungen kommt. Beipackzettel mal gelesen? Sicher sollen Ärzte auch beraten, aber man muss auch selbst aktiv werden und a) Fragen stellen und b) sich eigenständig informieren. Ging doch hinterher auch...

    Und was hat ein nicht eingenistetes Ei (wobei noch nicht mal sicher ist, dass das aufgrund von Nebenwirkungen passiert ist) mit "an meine Gesundheit denken" zu tun?

    Eine Leserempfehlung
    • Oyamat
    • 17. April 2013 12:44 Uhr

    ... dem glaubt man nicht, das ist ein Erfahrungswert.
    Wenn der Arzt bei 1 Medikament nicht seiner Pflicht nachkommt, warum sollte er es bei Medikament Nummer 2?

    Nebenbei gibt es mW keine Nachforschungspflicht für Patienten (wie sollten sie auch, wenn sie keinen PC oder nicht die erforderlichen Kenntnisse haben? Viele Texte zu Medikamenten haben erst einmal hohe Anforderungen an die Vorkenntnisse, und die, die es nicht haben, sind zu einem hohen Anteil schlimmer als Unwissenheit), andererseits aber eine Pflicht für den Arzt, aufzuklären. Da liegt also schon ein deutliches "Ungleichgewicht" vor.

    MGv Oyamat

    3 Leserempfehlungen
  3. "Nebenbei gibt es mW keine Nachforschungspflicht für Patienten (wie sollten sie auch, wenn sie keinen PC oder nicht die erforderlichen Kenntnisse haben?"

    Aber einen Mund zum fragen haben doch die allermeisten Patienten!?

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Oyamat
    • 17. April 2013 20:59 Uhr

    Zitat: "Aber einen Mund zum fragen haben doch die allermeisten Patienten!?"

    Ja, und Ahnung von zwischenmenschlichen Abläufen haben auch die meisten, aber sie verwenden sie einfach nicht. Einen Mund zum Reden und Hände zum Greifen haben auch die, die nicht handeln, wenn sie sehen, wie vor ihren Augen ein Mob einen Einzelnen ermordet. Eine Hand zum Schreiben haben auch die, die keine Protestbriefe verfassen, wenn sie von Unrecht erfahren. Und, genaugenommen, alles Erforderliche für eine Vergewaltigung haben auch die meisten derer, die andere sexuell in Ruhe lassen...

    Der Grund ist, daß es Regeln für das Zusammenleben gibt, an die man sich sinnvollerweise hält - aus Angst, aus Bequemlichkeit, aus Einsicht. Wenn einem Patienten nur klar genug signalisiert wird, daß der Arzt die Zeit zum Gespräch für beendet hält, ist es eine Frage von Höflichkeit und gegenseitigem Respekt, daß man seinen Mund nun dazu nutzt, sich zu verabschieden. Den Verzicht auf diesen Respekt zu fordern, heißt, das Verhältnis zwischen Menschen leichtfertig zu gefährden. Daß der Arzt in diesem Fall seinerseits das Verhältnis gefährdet und verletzt hat, ist davon unbenommen.

    Die meisten Menschen lernen als Kinder, daß man nicht alles unternimmt, wozu man prinzipiell die Ausstattung und die Fähigkeiten hat. Und das hat auch gute Gründe.

    MGv Oyamat

  4. Der Beipackzettel hilft, ebenso der Anschluss an eine Selbsthilfegruppe von Paaren mit schwer erfüllbarem Kinderwunsch. Da kann man sich über die Erfahrungen mit den verschiedenen Behandlungsmethoden, Medikamenten und alles andere austauschen.

    Ich würde jeder, die eine Schwangerschaft mit einer hormonellen Stimulation erreichen will, von Clomifen abraten. Es wirkt nicht nur negativ auf die Einnistung, sondern macht auch ganz oft depressiv - das kann Frau in dieser Situation nun gar nicht gebrauchen.

    • cb81
    • 17. April 2013 14:47 Uhr

    Ich finde, dass das beschriebene Schicksal ein Paradebeispiel für mangelhafte Aufklärung und ungeschickte Kommunikation in einer Arztpraxis ist.
    Zu allererst muss ganz klar festgehalten werden, dass Gonal (Follitropin alfa) nicht harmloser oder sicherer als Clomifen ist. Welche Nebenwirkungen sie erleiden, ist individuell unterschiedlich und manche vertragen Gonal schlechter als Clomifen. Wenn Sie einen unnatürlichen Eingriff in Ihren Hormonhaushalt vornehmen, dann ist das nie ohne Nebenwirkungen. Aufgrund der Gleichwertigkeit hinsichtlich der erwünschten Wirkung, finde ich es auch absolut angemessen, dass zunächst das preisgünstigere Clomifen eingesetzt wird. Schließlich ist das Krankenversicherungssystem solidarisch ausgerichtet. Die hormonfreie IVF ist ürbigens auch nicht frei vom Einsatz von Medikamenten: Zumindest sollte der Eisprung mit GnRH-Antagonisten unterdrückt werden und die Eizellentnahme durch eine Auslösespritze vorbereitet werden.
    Absurd ist der Vorwurf an die Pharmafirmen, welche doch nicht Ihre Therapie durchführen! Vielmehr wären ohne die entwickelten Arzneistoffe viele Paare kinderlos geblieben.
    Eine Aufklärung durch den Arzt blieb in Ihrem Fall fatalerweise aus, aber das gilt nicht für alle Ärzte. Ansonsten kann sie auch der Apotheker/die Apothekerin unentgeltlich über Nebenwirkungen von Medikamenten aufklären und ist dazu auch wie der Arzt gesetzlich verpflichtet.

    8 Leserempfehlungen
    • Oyamat
    • 17. April 2013 20:59 Uhr

    Zitat: "Aber einen Mund zum fragen haben doch die allermeisten Patienten!?"

    Ja, und Ahnung von zwischenmenschlichen Abläufen haben auch die meisten, aber sie verwenden sie einfach nicht. Einen Mund zum Reden und Hände zum Greifen haben auch die, die nicht handeln, wenn sie sehen, wie vor ihren Augen ein Mob einen Einzelnen ermordet. Eine Hand zum Schreiben haben auch die, die keine Protestbriefe verfassen, wenn sie von Unrecht erfahren. Und, genaugenommen, alles Erforderliche für eine Vergewaltigung haben auch die meisten derer, die andere sexuell in Ruhe lassen...

    Der Grund ist, daß es Regeln für das Zusammenleben gibt, an die man sich sinnvollerweise hält - aus Angst, aus Bequemlichkeit, aus Einsicht. Wenn einem Patienten nur klar genug signalisiert wird, daß der Arzt die Zeit zum Gespräch für beendet hält, ist es eine Frage von Höflichkeit und gegenseitigem Respekt, daß man seinen Mund nun dazu nutzt, sich zu verabschieden. Den Verzicht auf diesen Respekt zu fordern, heißt, das Verhältnis zwischen Menschen leichtfertig zu gefährden. Daß der Arzt in diesem Fall seinerseits das Verhältnis gefährdet und verletzt hat, ist davon unbenommen.

    Die meisten Menschen lernen als Kinder, daß man nicht alles unternimmt, wozu man prinzipiell die Ausstattung und die Fähigkeiten hat. Und das hat auch gute Gründe.

    MGv Oyamat

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "einfache Voraussetzung"
  5. Ich teile die Einschätzung von cb81, dass es sich im geschilderten Fall um ein Problem bei der Arzt-Patientenkommunikation handelt. Meiner Einschätzung nach handelt es sich hierbei um ein strukturelles / prinzipielles Problem bei der Vergütung von Kinderwunschbehandlungen:

    Die Kinderwunschbehandlung hat bei mir mehrere Tausend Euro gekostet. Davon waren einmalig (!) 4,66€ für alle Gespräche zwischen Arzt und Patient.

    Das heißt: Die KiWu-Ärzte können zwar mit den Patienten sprechen, bekommen diese Zeit aber nicht finanziert. Jede Minute, die ein Arzt mit einem Patienten kommuniziert, muss das Kinderwunschzentrum durch andere Leistungen (z.B. durch Blutanalysen und durch Ultraschall) gegenfinanzieren. Ein Arzt kann sich aus intrinsischem Antrieb heraus Zeit für seine Patienten nehmen, bekommt diese aber nicht vergütet.

    Ich habe bei meiner ICSI selbst eine Situation erlebt, bei der ich nachgefragt habe und der Arzt daraufhin aufgrund von Stress auf eine Weise reagiert hat, die ich als wesentlich entwürdigender / degradierender empfunden habe als "nur" einen Kommentar wie im hier geschilderten Beispiel. Daher stimme ich Oyamat zu, dass der Vorwurf "als Patient kann man doch einfach nachfragen" zu kurz gegriffen ist.

    Zeit für Kommunikation ist bei einer Kinderwunschbehandlung meiner Erfahrung nach daher leider mehr vom persönliches Engagement des behandelnden Arztes abhängig als fester (= auch vergüteter) Bestandteil der Behandlung.

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service