Eine Arbeiterin in einer Fabrik in Tansania untersucht Moskitonetze auf Löcher. © Jim Young/Reuters

Das Gift DDT ist effektiv und billig. Seit Langem wird die Chemikalie mit dem unaussprechlichen Namen Dichlordiphenyltrichlorethan in Afrika versprüht, um Malaria-Mücken zu töten. Denn mit ihrem Stich schaffen es winzige Einzeller in die Blutbahn von Menschen. Malaria-Parasiten befallen weltweit jedes Jahr um die 200 Millionen Menschen. Die meisten davon sind Afrikaner.

Aber die Chemie-Keule gegen Moskitos ist gesundheits- und umweltschädlich. Längst haben reiche Länder den Einsatz von DDT bei sich verboten.


Auch einige Staaten Afrikas setzen nun verstärkt auf eine biologische Alternative: Bakterien sollen die Larven der Moskitos angreifen, so dass sie verenden, ehe überhaupt eine ausgewachsene Stechmücke daraus  wird. Sterben die Überträger wird das auch die Malaria-Parasiten langsam ausrotten, so die Idee. Erforscht wird dieser Ansatz seit Längerem, auch in Afrika selbst.

Aber sind die Mikroben einsatzbereit, die im Labor erfolgreich Moskito-Larven töteten? Ist die Idee massentauglich? Welche Auswirkungen hätte es, ein Bakterium in die Natur zu entlassen, das sich dort unkontrolliert vermehren kann? All das würden Gesnundheitsexperten gerne in größeren Studien erforschen, bevor die Bakterien großflächig gegen Malaria zum Einsatz kommen. Doch längst vertreibt eine staatseigene Firma aus Kuba die Biowaffe auf Bakterienbasis – und findet Abnehmer unter afrikanischen Regierungen.

In Tansanias Küstenregion Kibaha soll noch in diesem Jahr eine Fabrik in Betrieb gehen, die jährlich sechs Millionen Liter eines biologischen Larvizids produzieren kann. Seit 2010 ist das geplant, drei Viertel der 22 Millionen Dollar für den Bau der Fabrik hat die Regierung bereits bewilligt, berichtet die Zeitung East African.

In Nigeria hat die Staatengemeinschaft Ecowas Mitte April den Grundstein für ein ähnliches Werk zur Produktion der Anti-Moskito-Mikroben gelegt. Bis 2015 wollen die Länder Westafrikas damit Malaria in der Region ausgerottet haben.

Tansania und Ecowas arbeiten dafür mit LabioFam zusammen. Nach eigenen Angaben ist der Staatsbetrieb aus Kuba schon in 21 afrikanischen Ländern aktiv. Mit ihren Produkten "Griselesf" und "Bactivec", so versprechen die Kubaner, könne man Malaria und andere durch Insekten übertragbare Krankheiten sicher bekämpfen.

Der Bazillus kann die Falschen treffen

Dafür wird die Bakterien-Lösung in ländlichen Gebieten versprüht. Die meisten der biologischen Insektenvernichter basieren auf dem Bacillus thurigensis israelensis (BTI), erklärt Clive Shiff, Malaria-Forscher an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore in den USA. "Die Bakterien werden seit 30 Jahren eingesetzt und sind durchaus effektiv gegen Insekten im Larven-Stadium."

Grundsätzlich eine sinnvolle Idee, damit Moskitos zu bekämpfen, meint Shiff. "Allerdings nur unter Einschränkungen. Denn auch wenn der Bazillus für Menschen ungefährlich ist, werden andere Insekten im Ökosystem mit angegriffen." Der Einsatz gegen Malaria sei zudem nicht ganz einfach, erklärt Shiff: Moskito-Brutstätten sind in Afrika vor allem Wasserlöcher. Die muss man erst finden, um das Larvizid anzuwenden.

Weibliche Anopheles-Mücken beispielsweise, die Malaria-Erreger übertragen, wenn sie Menschen stechen, fliegen bis zu 1,5 Kilometer weit. Um ein Dorf zu schützen, müssten dazu sämtliche Brutstätten in einem Radius von drei Kilometern gefunden werden. In Gegenden mit ständig wechselnden Wasserlöchern, Tümpeln und Gewässern, die durch Regen entstehen, gilt das als praktisch unmöglich. Hinzu kommt, dass das Mittel regelmäßig – in manchen Gegenden wöchentlich – angewendet werden müsste.

Das ist teuer und umständlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt deshalb weiterhin auf Moskitonetze. Die werden kostenlos an die Bevölkerung verteilt. Für Wohnräume in Häusern und Hütten empfiehlt die WHO konventionelle Anti-Moskito-Sprays.

2010 sind etwa 219 Millionen Menschen an Malaria erkrankt und 660.000 daran gestorben. An einem Impfstoff, der wirklich einsatzfähig und wirksam wäre, forschten Wissenschaftler weltweit noch vergeblich. Und gegen die Wirkstoffe in Medikamenten, die Menschen vor einem tödlichen Verlauf bewahren können, entwickelten die Parasiten in der Vergangenheit immer häufiger Resistenzen. Das Mittel Cholorquine beispielsweise wurde 50 Jahre lang eingesetzt, heute ist es nahezu wirkungslos.