Wie hat er sich angesteckt und wo? In einer Pekinger Klinik liegt ein Junge, der nicht krank ist. In seinem Körper hat sich das Vogelgrippevirus A/H7N9 eingenistet. Seit zwei Wochen ist klar, dass dieser bisher auf Vögel spezialisierte Erreger auch Menschen befällt. Zwar nicht viele, doch wer sich ansteckt, erkrankt meist schwer. 

Chinesische Behörden und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben mehr als 60 Infektionen bestätigt. 13 Menschen starben bislang. Der Vierjährige aus Peking zeigt keinerlei Symptome – weder Fieber, Husten, noch generelles Unwohlsein. Sollte es dabei bleiben, bedeutet das: H7N9 könnte sich bereits unauffällig verbreitet haben. Denkbar, dass sich viele Menschen infiziert, es aber bislang gar nicht bemerkt haben.

Fast zufällig hatten Mediziner das Virus bei dem Kind entdeckt. Nachdem der Erreger bei einer Siebenjährigen – dem ersten H7N9-Fall in der chinesischen Hauptstadt – nachgewiesen worden war, hatten die Behörden gezielt nach Personen gesucht, die möglicherweise Kontakt zu dem Mädchen hatten. Unter den 24 Menschen, die daraufhin auf das Virus getestet wurden, war auch der vierjährige Junge.   

Seine Eltern sind Fisch- und Geflügelhändler. Der Vater des Jungen oder die Nachbarn hatten Hühner der Familie der Siebenjährigen gekauft, die derzeit im Krankenhaus mit der Grippe behandelt wird, berichtet das US-amerikanische Zentrum für Infektionsforschung Cidrap

Die Eltern der Kinder verkauften ihre Waren anscheinend auf den gleichen Dörfern, etwa im Shunyi-Stadtbezirk von Peking. Damit ist das Virus im Norden des Landes angelangt. Bislang ist das Virus in sieben Provinzen vor allem im Osten Chinas aufgetaucht. Noch immer ist unklar, von wo genau H7N9 seinen Ausgang nahm.

Virologen und Mediziner fürchten nun, dass sich H7N9 bereits als normale Erkältung verbreitet haben könnte. "Mit asymptomatischen Fällen ändert sich alles", sagte der Virologe Ian Mackay von der Universität in Brisbane dem Nachrichtendienst Bloomberg News. Dass der Pekinger Junge überhaupt entdeckt wurde, wertet Mackay als Erfolg.

Gefahr einer Pandemie bislang gering

Labortests von möglichen Infizierten seien wichtig, um über etwas ganz Entscheidendes Klarheit zu bekommen: Wie viele Menschen stecken sich mit H7N9 an und wer davon erkrankt eigentlich? Das Beispiel der Siebenjährigen aus Peking, der es zuletzt besser ging, zeige auch, dass eine frühe Behandlung mit antiviralen Medikamenten, wie etwa Zanavir und Oseltamivir, gut anschlägt. 

Unbehandelt kann eine Infektion schwere Lungenentzündungen mit Fieber, Husten und Atemnot auslösen. Bei einigen der Erkrankten verlief die Grippe so schwer, dass es zu Hirnschädigungen und Organversagen kam.

Noch sind nur wenige Menschen betroffen. Auch scheint sich H7N9 derzeit nicht von Mensch zu Mensch zu übertragen. Nur wer sehr engen Kontakt mit infiziertem Geflügel hatte, hat sich bislang offenbar angesteckt. Dies ist ein gutes Zeichen. Eine Epidemie oder gar eine weltumspannende Pandemie sind derzeit nicht zu befürchten.