Influenza-Viren : Großangriff auf die Grippe

Ein Mittel gegen alle Grippeviren – daran tüfteln Mediziner schon lange. Ein neuer Impfstoff kommt dem Ziel näher: Er schützt zumindest gegen mehrere A/H1N1-Stämme.

Wie ein Killer sieht das Grippevirus des Typs A/H1N1 nicht aus: Mit seinen etwa hundert Nanometern ist es so winzig, dass man es nur unter dem Mikroskop erkennen kann. Auch seine kugelige Form wirkt harmlos – aber das täuscht. Bis heute zählt H1N1 zu den größten Feinden der Menschheit. 1918 löste das Virus die Spanische Grippe aus, die weltweit rund 50 Millionen Opfer forderte. Vor vier Jahren tötete es als Schweinegrippe-Erreger mehrere Hunderttausend Menschen.

Gefährlich ist der Grippeerreger vor allem deshalb, weil er ständig seine Gestalt verändert. Jedes Jahr müssen Mediziner neue Impfstoffe herstellen, um die Bevölkerung gegen aktuell kursierende Virusstämme zu wappnen. Gegen plötzlich neu auftretende Virustypen sind die Mittel der letzten Saison vollkommen machtlos.  

Lydia Klöckner

Lydia Klöckner ist freie Autorin für das Ressort Wissen bei ZEIT ONLINE und das ZEIT Wissen-Magazin. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Seit Jahrzehnten suchen Forscher nach einem Universal-Impfstoff, einem Mittel also, das uns gegen alle möglichen Grippeviren immun macht. Gary Nabel, der früher Chef des US-Impfforschungszentrums am National Institute of Allergy and Infectious Diseases war und heute für den Pharmakonzern Sanofi arbeitet, ist diesem Ziel ein Stückchen näher gekommen: Er und sein Team kreierten eine Vakzine, die gegen alle Stämme des Influenza-Erregers vom Typ H1N1 schützen soll. 

Im Tierversuch an Mäusen und Frettchen habe das Mittel deutlich besser gewirkt als gängige Grippevakzinen, berichten die Forscher im Magazin Nature. "Es könnte die Grundlage für eine neue Generation der Impfstoffe bieten", sagt Nabel.

Die meisten Impfstoffe enthalten Bruchstücke bestimmter Virusstämme. Ärzte spritzen sie in die Blutbahn, wo sie dem Abwehrsystem gewissermaßen eine Infektion vorgaukeln. Sie sind zwar ungefährlich, stacheln den Körper aber dazu an, sich zu wehren. An bestimmten Eiweißen auf der Virushülle erkennt der Körper, um welchen Erregertyp es sich handelt.

So kann ein Infizierter die zum Virusstamm passenden Antikörper bilden, die den Erreger am Eindringen in die Zelle hindern. Das ist zwar im Falle der Impfung unnötig, weil die Virenstückchen darin tot sind. Doch die Impfung dient dem Körper gewissermaßen als Warnung. Er speichert die gebildeten Antikörper. Droht eine echte Infektion, stehen sie ihm sofort zur Verfügung. So kann er schneller reagieren und die Eindringlinge besser bekämpfen.

Künstliche Viren aus Eiweiß

Bei dieser Art der Impfung entstehen aber nur Antikörper, die gegen den im Impfstoff enthaltenen Virusstamm wirken. Nabel und seine Kollegen wollten einen Stoff entwickeln, der das Abwehrsystem zur Bildung vieler verschiedener Antikörper anregt und es somit gegen mehrere Stämme feit. Dazu bauten sie aus Eiweißketten ein Teilchen, das genauso geformt war wie ein Virus – eine Art künstliches A/H1N1 also. Dessen Oberfläche versahen sie mit Hämaglutinin 1, einem Eiweiß, das alle H1N1-Viren in ihrer Hülle tragen.  

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