Brustkrebs : Früherkennung ist nicht ohne Risiko

Mittels Mammografie lassen sich Tausende Frauen auf Brustkrebs untersuchen. Das rettet nur vereinzelt Leben, weit häufiger machen sich gesunde Frauen unnötig Sorgen.
Entdeckung eines kleinen Tumors in der Brust mittels Mammografie ©Jan-Peter Kasper/dpa

Aus Angst vor Krebs hat sich die Schauspielerin Angelina Jolie beide Brüste entfernen lassen. Ihr Arzt hatte in ihrem Erbgut ein Gen entdeckt, das das Risiko für Brustkrebs erhöht. Zum Glück ist das Gen selten – so drastische Maßnahmen wie Jolie müssen also die wenigsten ergreifen. Zudem gibt es eine Möglichkeit, Brustkrebs früh zu erkennen: die Mammografie.

 

Das ist eine spezielle Form der Röntgenuntersuchung, die selbst wenige Millimeter kleine Tumore sichtbar macht, die der Frauenarzt bei der Vorsorgeuntersuchung nicht ertasten kann. Seit 2009 gibt es überall in Deutschland Kliniken, die die Mammographie für Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren anbieten. Für Frauen in dieser Altersgruppe ist das Brustkrebsrisiko besonders hoch. Deshalb erhalten sie alle zwei Jahre eine Einladung zum Screening.

Meist nehmen mehr als die Hälfte von ihnen diese Einladung an. Ihre Hoffnung: Wenn sie regelmäßig zum Screening gehen, kann eine potenzielle Krebserkankung erkannt werden, bevor sie lebensgefährliche Ausmaße annehmen. Je früher ein Tumor erkannt wird, umso besser stehen die Heilungschancen. Und bei der Mammografie – so werben Kliniken und Krankenkassen – werden Tumore weitaus seltener übersehen als bei anderen Untersuchungsmethoden.

Brustkrebs-Diagnose für gesunde Frauen

Dennoch ist die Untersuchung umstritten. Ein Kritikpunkt ist, dass das Screening Tumore zu einem Zeitpunkt erkennt, in dem Ärzte ihre Gefährlichkeit noch gar nicht einschätzen können. Verdachtsdiagnosen stellen Ärzte bereits dann, wenn die Röntgenbilder winzige Verkalkungen im Brustgewebe anzeigen, deren Form auf Vorstufen eines Tumors hindeuten. Ob es sich tatsächlich um Tumore handelt, wissen die Patienten erst nach weiteren Untersuchungen. Die möglicherweise unnötige Angst kann für sie eine enorme psychische Belastung bedeuten.

Und selbst wenn die auffälligen Stellen sich als Tumor entpuppen, müssen sie nicht bösartig sein. Wie schnell ein Tumor wächst und, ob er eines Tages Metastasen streuen wird, zeigt sich oft erst später. Im schlimmsten Fall werden also gesunde Patienten als krebskrank eingestuft, obwohl die entdeckten Tumoren nie zu einer Erkrankung geführt hätten. Es kann auch bedeuten, dass Ärzte ihren Patientinnen zu Therapien wie etwa Bestrahlung und Chemotherapie raten, die ihrer Gesundheit schaden und nicht notwendig gewesen wären. 

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Nicht für unmündig erklären...

Was bedeutet die Fehlerquote für diejenigen, für die sich ein Verdacht (!) auf Krebs ergibt? Sicher nicht angenehm und keine völlig zu vernachlässigende Situation. Aber weiß nicht jede/r, der zur (Vor!-)sorgeuntersuchung geht, um die Möglichkeit der Fehldiagnose?

Muss nicht die Ärztin dem Patienten zu allererst erklären, dass es zwar einen Verdacht gibt, der aber duch weitere Untersuchungen erst noch zu erhärten wäre?

Wäre mangelnde Aufklärung das Problem, dann wäre Kritik berechtigt.

In der Regel ist klar, dass es Fehlmessungen gibt. Unter diesen Vorzeichen kann es in der Tat so sein, dass ich ein paar Tage im Ungewissen bin - und vermutlich auch Befürchtungen hege, vielleicht ein Tief erlebe. Aber das kann ich mir doch vorher selbst an zwei Fingern ausrechnen - wenn ich weiß, was auf mich zukommt, dann ist das meine Entscheidung.

Und wenn dafür auf der anderen Seite einige Leben gerettet werden können, womöglich mein Eigenes - warum sollte ich das in aller Welt nicht auf mich nehmen - zumal ich doch vorher schon weiß, dass es so ist und mich selbst entscheiden kann, ob ich das Risiko eines Fehlverdachts auf mich nehmen will.

Gut und korrekt bzw. verständlich aufklären - und dann die Entscheidung der Patienten zur Vorsorge auch einfach ernst nehmen!

Die Entscheidung OP oder nicht, bei erhärteter Diagnose, ist eine, die nicht von der Vorsorge selbst abhängt - denn jeder entdeckte Krebs ist ein Stück weit unkalkulierbar in seiner zukünftigen Entwicklung.

eigene Erffahrung aus dem Bekanntenkreis:

Das ist einfach gesagt. Als meine Mutter nach der Mammographie einen Brief bekam mit den Worten "bitte bringen Sie jemandem zum Gespräch mit" und der Termin war zwei Wochen später, hat sie sich 2 Wochen verrückt gemacht, nicht geschlafen, war extrem gestresst. Dann kam sie hin und bekam gesagt, dass es nur harmlose alte Verkalkungen wären. Sie war so wütend, so hab ich sie noch nie erlebt.
Ich selbst bin bei den Mammographie-Screenings allgemein skeptisch, bei den Prostata-Krebs-Markern ist man ja mittlerweile auch wieder vorsichtig. Und ab einem gewissen Alter wäre es häufig so, dass die Leute vorher sterben, so wird aber noch mit 80-jährigen eine Chemo angefangen. Da kann an sich über Sinn und Unsinn auch streiten, und was das bringt. Wobei ich auch nicht sagen möchte, das ist alles unnötig. Ich bin wie gesagt nur skeptisch.
Auf jeden Fall finde ich es nicht banal, dass Frauen solche Ängste ausstehen müssen. Das ist nämlich durchaus krasser Stress für den Körper. Da müsste sich doch ne andere Möglichkeit finden lassen, nicht gleich zu implizieren: ACHTUNG, SIE HABEN KREBS!