Aus Angst vor Krebs hat sich die Schauspielerin Angelina Jolie beide Brüste entfernen lassen. Ihr Arzt hatte in ihrem Erbgut ein Gen entdeckt, das das Risiko für Brustkrebs erhöht. Zum Glück ist das Gen selten – so drastische Maßnahmen wie Jolie müssen also die wenigsten ergreifen. Zudem gibt es eine Möglichkeit, Brustkrebs früh zu erkennen: die Mammografie.

 

Das ist eine spezielle Form der Röntgenuntersuchung, die selbst wenige Millimeter kleine Tumore sichtbar macht, die der Frauenarzt bei der Vorsorgeuntersuchung nicht ertasten kann. Seit 2009 gibt es überall in Deutschland Kliniken, die die Mammographie für Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren anbieten. Für Frauen in dieser Altersgruppe ist das Brustkrebsrisiko besonders hoch. Deshalb erhalten sie alle zwei Jahre eine Einladung zum Screening.

Meist nehmen mehr als die Hälfte von ihnen diese Einladung an. Ihre Hoffnung: Wenn sie regelmäßig zum Screening gehen, kann eine potenzielle Krebserkankung erkannt werden, bevor sie lebensgefährliche Ausmaße annehmen. Je früher ein Tumor erkannt wird, umso besser stehen die Heilungschancen. Und bei der Mammografie – so werben Kliniken und Krankenkassen – werden Tumore weitaus seltener übersehen als bei anderen Untersuchungsmethoden.

Brustkrebs-Diagnose für gesunde Frauen

Dennoch ist die Untersuchung umstritten. Ein Kritikpunkt ist, dass das Screening Tumore zu einem Zeitpunkt erkennt, in dem Ärzte ihre Gefährlichkeit noch gar nicht einschätzen können. Verdachtsdiagnosen stellen Ärzte bereits dann, wenn die Röntgenbilder winzige Verkalkungen im Brustgewebe anzeigen, deren Form auf Vorstufen eines Tumors hindeuten. Ob es sich tatsächlich um Tumore handelt, wissen die Patienten erst nach weiteren Untersuchungen. Die möglicherweise unnötige Angst kann für sie eine enorme psychische Belastung bedeuten.

Und selbst wenn die auffälligen Stellen sich als Tumor entpuppen, müssen sie nicht bösartig sein. Wie schnell ein Tumor wächst und, ob er eines Tages Metastasen streuen wird, zeigt sich oft erst später. Im schlimmsten Fall werden also gesunde Patienten als krebskrank eingestuft, obwohl die entdeckten Tumoren nie zu einer Erkrankung geführt hätten. Es kann auch bedeuten, dass Ärzte ihren Patientinnen zu Therapien wie etwa Bestrahlung und Chemotherapie raten, die ihrer Gesundheit schaden und nicht notwendig gewesen wären.