Vorsorge : Angelina Jolie taugt nicht als Vorbild

Kaum eine Frau sollte sich vorsorglich aus Angst vor Krebs die Brüste entfernen lassen. Angelina Jolies Weg ist nur für die wenigsten eine Option.
Die Schauspielerin Angelina Jolie © Dan Kitwood/Getty Images

Angelina Jolie ist vielleicht dem Trugschluss erlegen, sie könne sich dafür entscheiden, nicht krank zu werden. Die Schauspielerin hat sich beide Brustdrüsen entfernen lassen, damit kein Tumor darin zu wuchern beginnen kann. Geblieben sind ihr Haut und Brustwarzen, die sich nun über zwei Silikonimplantate spannen. In der New York Times schreibt Jolie: "Das Leben birgt viele Herausforderungen. Diejenigen, die uns keine Angst machen sollten, sind auch diejenigen, die wir annehmen und kontrollieren können."

Jolie hat sich einer Krankheit gestellt, die sie nicht hatte. Für viele mutet dieser Schritt wie eine Wahnsinnstat an: Sollen sich nun Frauen überall auf der Welt die Brüste nehmen lassen, um dem Krebs, den sie vielleicht bekommen könnten, ein Schnippchen zu schlagen?

Nein, der mutige Schritt Jolies, über ihre Operation und ihre Angst zu schreiben, ist zu leicht misszuverstehen. Ihre Entscheidung ist kein Vorbild für Frauen, die sich vor einem Tumor fürchten. Was Mediziner prophylaktische bilaterale Mastektomie nennen, sollte für die wenigsten überhaupt einen Gedanken wert sein.

Angelina Jolie zählt zu einem Bruchteil von Frauen, in deren Erbgut eine mutierte Variante eines Gens auf Chromosom 17 schlummert. Geschätzte fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebserkrankungen könnte das veränderte Breast Cancer Gene 1 – oder kurz BRCA1 – auslösen. Das wären bis zu 7.000 Krebsfälle in Deutschland pro Jahr. Sicher ist das aber nicht.

Wahrscheinlichkeiten, Risiken, Chancen

Für Menschen, die ein mutiertes BCRA1 in sich tragen, ist die Wahrscheinlichkeit höher als bei anderen, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Im Schnitt liegt sie bei 65 Prozent. Zusätzlich steigert BRCA1 auch das Risiko, Eierstockkrebs zu bekommen.

Angelina Jolie befand sich in einem außergewöhnlichen Dilemma. Ihre Mutter ist mit 56 Jahren früh an Brustkrebs gestorben, ihren Kindern will sie die gleiche Erfahrung ersparen. So ließ die Verlobte des Schauspielers Brad Pitt ihr Erbgut testen und wurde konfrontiert mit Wahrscheinlichkeiten, Risiken und statistischen Chancen.

Am Ende hieß es für Jolie: Ihr Risiko, Brustkrebs zu entwickeln, liege bei 87 Prozent. Sie entschied sich für den radikalsten Schritt, den gesunde Frauen gehen können. Eine Möglichkeit, die Mediziner nur selten in Erwägung ziehen, aber auch in Deutschland anbieten sollen, wenn ein Patient ein mutiertes BCRA1 in sich trägt: Brustentfernung.

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Kommentare

247 Kommentare Seite 1 von 32 Kommentieren

Logik??

Apropo seltsame Logik. Damit würde man das Risiko nicht auf 100 Prozent senken sondern auf 0 Prozent. Das allgemeine Verkehrsaufkommen, mit völlig unterschiedlichen Risiken, mit dem Leben einer einzelnen Person und speziell mit dem Brustkrebsrisiko zu vergleichen ist einfach unzulässig und frei von Logik.
Sie kann für sich entscheiden und das Risiko ist speziell auf diese eine Krankheit ausgerichtet.
Im öffentlichen Verkehr ist die Sachlage viel komplizierter.

@Lucy

"Ohne ihr Brustdrüsengewebe hat Jolie ihr Erkrankungsrisiko dramatisch senken können, auf unter fünf Prozent, schreibt sie. Das klingt viel, doch was bedeuten Prozentpunkte, wenn sie keine Gewissheit liefern können? Jeder Krebs ist einzigartig, jeder Brusttumor anders, jeder Mensch unterschiedlich. Niemand kann kontrollieren, ob er oder sie Krebs bekommt oder nicht. So funktioniert Leben nicht"