Menschliche KloneZellbiologe gibt Fehler in Klonstudie zu

Shoukhrat Mitalipov, der erstmals menschliches Lebens klonte, bestätigt "unbeabsichtigte" Mängel in seiner Arbeit. Fehler in Abbildungen will der US-Forscher korrigieren. von , und

Der US-Zellbiologe Shoukhrat Mitalipov hat zugegeben, dass die Studie seiner Arbeitsgruppe zu den ersten geklonten menschlichen Embryonen mangelhafte Abbildungen beinhaltet. "Wir arbeiten daran, diese Fehler in den Abbildungen zu korrigieren", schreibt der Wissenschaftler aus Oregon in einer E-Mail an ZEIT ONLINE.

Die Fehler seien "unbeabsichtigt beim Zusammenstellen der Abbildungen" passiert, seien aber "nicht entscheidend für die Ergebnisse und die Schlussfolgerungen der Studie", schreibt Mitalipov, der an der Health & Science University in Oregon forscht.

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Herausgekommen war die Panne, weil einem anonymen Nutzer der Begutachtungsplattform PubPeer die Dopplung in einigen Abbildungen aufgefallen war – er hatte die Beobachtung gepostet. Das Fachblatt Cell, das die Arbeit nach vier Tagen der Prüfung zur Veröffentlichung akzeptiert hatte, hat ebenfalls mit einer Untersuchung der Studie begonnen. "Wir setzen unsere Diskussionen mit den Autoren fort", heißt es aus der Redaktion des Magazins. "Wir glauben nicht, dass die Fehler die wissenschaftlichen Ergebnisse der Studie in irgendeiner Weise beeinflussen." Auch die rasche Begutachtung der Arbeit vor der Veröffentlichung sei kein Indiz für Schlampigkeit.

Wie konnte es dann überhaupt zu den Mängeln kommen? Dem Magazin Nature sagte der Zellbiologe Mitalipov nun, dass er seine Ergebnisse rasch publizieren wollte, damit er sie bereits auf einer Fachtagung für Stammzellforschung im Juni präsentieren kann. "Vielleicht war das überstürzt. Das war mein Fehler." Beim Zusammenstellen der Daten seien drei unschuldige Fehler passiert. Er habe etwa entschieden, das gleiche Bild in zwei Kontexten zu verwenden, weil es nur eine begrenzte Anzahl verfügbarer Fotos gab, die einen Maßstab zeigten. "Die Ergebnisse sind echt, die Zelllinien sind echt, alles ist echt", sagt Mitalipov.

Von einer bewussten Manipulation gehen auch unabhängige Fachleute derzeit nicht aus. Dennoch sind die falschen und doppelt verwendeten Abbildungen eine peinliche Panne. Solche Mängel seien "einer der häufigsten Fehler in Fachartikeln", sagt Tracey Brown, Direktorin der britischen Stiftung Sense About Science, die sich dafür einsetzt, die Öffentlichkeit besser über Forschung aufzuklären. "Allerdings finde ich es enttäuschend, dass die Gutachter die Fehler in diesem Fall übersehen haben. Bei so offensichtlichen Mängeln wäre es ihre Pflicht gewesen, die Redakteure des Magazins Cell zu informieren. Gerade bei einer derart spektakulären Studie", sagt sie im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

Entsetzen über Fehler

Vergangene Woche hatte Cell die Studie der Forschergruppe um Shoukhrat Mitalipov veröffentlicht. Erstmals war es ihm und seinen Kollegen gelungen, aus Hautzellen menschlicher Föten und kranken Kindern wieder lebensfähige Embryonen entstehen zu lassen. In Kulturschalen wuchsen die Zellhäufchen heran, dann verwandelte man sie in Zellkulturen. Den Wissenschaftlern ging es in erster Linie darum, embryonale Stammzellen zu züchten. Diese gelten in der regenerativen Medizin als Hoffnungsträger.

Fachkollegen von Mitalipov, wie der deutsche Stammzellforscher Hans Schöler aus Münster, äußerten sich entsetzt über die Fehler in den Abbildungen der Studie: "Grundsätzlich darf so etwas nicht passieren, schon gar nicht bei einer Veröffentlichung, die quasi der Fälschung von Hwang nachfolgt", sagte der Stammzellexperte.

Schöler bezieht sich dabei auf einen der größten Fälschungsskandale der neueren Wissenschaftsgeschichte: Im Jahr 2004 hatte der Südkoreaner Hwang Woo Suk erstmals zum Teil frei erfundene Ergebnisse zum Klonen embryonaler Stammzellen veröffentlicht. Er musste den Betrug später zugeben und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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Leserkommentare
    • bruina
    • 23. Mai 2013 15:56 Uhr

    alles in Ordnung zu sein und es handelte sich bloß um einen kleinen Fehler, der an den Forschungsergebnissen nichts ändert. Und nicht erneut um eine Fälschung. Nach der großen Empörung bleibt wohl nur das Warten auf die verbesserte Version.

    Eine Leserempfehlung
    • tsnud
    • 23. Mai 2013 15:57 Uhr

    Entgegen den ersten Meldungen die dramatische Überschriften enthielten sehen schwere Fehler für mich anders aus.

    Wenn man sich die Arbeit macht (und zugegeben über etwas Fachwissen verfügt) und im Paper vor allem die Bildunterschriften liest dann relativieren sich diese Fehler schnell.

    Zum ersten "Fehler", das Bild 2F zeigt ein typisches Aussehen einer Stammzellkolonie im Phasenkontrastmikroskop nach der im Paper beschriebenen Behandlung. Das Bild 6D zeigt eine Stammzellkolonie im Phasenkontrast, und zusätzlich unter dem Fluoreszenzsmikroskop mittels Immunhistochemie gefärbte Stammzellmarker (rote Bilder) von anderen aber gleichwertigen Kolonien.

    Hier kann man durchaus dasselbe Bild für beide Darstellungen nehmen.

    Die restlichen Bilder scheinen tatsächlich falsch benannt, wobei hier nur die einzelnen Zelllinien vertauscht sein dürften, bzw. einmal ein FACS Scatter Bild verwechselt wurde. Das ist natürlich sehr unsauber und unglücklich, und vermutlich dem Zeitdruck zuschulde kommen zu lassen.

    Man muss sich im klaren sein das diese Thema von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird und daher zusätzliche Interessen bei Verlegern, Reviewern und Autoren zu finden sein dürften, die diese unfassbar beschleunigte Review Periode zurfolge haben.

    Also, meiner Meinung nach sind Unsauberheiten in der Darstellung vorhanden und die Kritik daran durchaus gerechtfertigt. Methodisch scheint das ganze aber Wasserdicht.

    3 Leserempfehlungen
  1. Das bleibt zunächst angenommen, dass es die Ergebnisse nicht berührt. Nach erneuter Überprüfung kann sich da schnell noch der ein oder andere Fehler finden.

  2. Also haben mindestens zwei schlampige Arbeit abgeliefert.

    PubPeer hingegen hat wohl alles richtig gemacht. Auch wenn es wie es momentan scheint keinen Betrug gibt, so möchte ich doch an dieser Stelle diese Plattform und andere die in die gleiche Richtung gehen loben.

    Gute Arbeit macht weiter so.

    4 Leserempfehlungen
  3. Auffällig finde ich aber dass die Fehler gerade da auftauchen, wo tatsächlich Bilder der auf neuartige Weise hergestellten Zellen gezeigt werden (sollen). Ansonsten gibt es in der Publikation vor allem tolle Balkendiagramme zu sehen.

    Es wird sich bald zeigen ob andere die Ergebnisse von Mitalipov & Co reproduzieren können.

  4. die täglich derartige Artikel (ich meine natürlich nicht den Artikel hier in der Zeit...) lesen: Wie oft passieren denn derartige Fehler im Vergleich so, z.B. unter den letzten x (sagen wir 100) Artikeln, die Sie für Ihre Arbeit gelesen haben?

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    ... das mit den zweifach verwendeten Diagrammen ist mir auch schon untergekommen. In einem sonst sehr guten Paper.

  5. Im Kontext einer Wissenschaftlichen Publikation, würde ich die Fehler schon als gravierend ansehen.

    Ich kann mir gut vorstellen, wie die Bilder zunächst als Platzhalter ins Manuskript eingefügt wurden und dann während der etwas zu gehetzten Fertigstellung nicht durch die richtigen Abbildungen ersetzt wurden.

    Als Chef mal allen Autoren (einschließlich mir selber) ordentlich ins Gewissen reden. Den Nachrichtenwert halte ich aber eher für gering, weil (a) sich unser Bild von den Ergebnissen erstmal nicht ändert und (b) sich unser Bild vom inneren Ablauf der Wissenschaften nicht ändert, bzw. nicht thematisiert wird.

    Kann es sein, daß die Autoren sich mit viel Mühe in einen wissenschaflichen Artikel und den Kontext eingearbeitet haben und nun auch selber einen Artikel schreiben wollen, auch wenn die Story nicht so saftig ist, wie es vielleicht am Anfang schien?

    Nun, der Artikel hier lässt sich ja gut lesen, auch wenn der Inhalt dünn ist, insofern ist das ja kein schwerer Fehler.

    Wissensdurstige Grüße,

    Sphinxfutter

    Eine Leserempfehlung
    • Holtor
    • 23. Mai 2013 17:32 Uhr

    Dieser Artikel hatte 23 (!) Autoren: Masahito Tachibana, Paula Amato, Michelle Sparman, Nuria Marti Gutierrez, Rebecca Tippner-Hedges, Hong Ma, Eunju Kang, Alimujiang Fulati, Hyo-Sang Lee,, Hathaitip Sritanaudomchai, Keith Masterson, Janine Larson, Deborah Eaton, Karen Sadler-Fredd, David Battaglia, David Lee, Diana Wu, Jeffrey Jensen,, Phillip Patton, Sumita Gokhale, Richard L. Stouffer,, Don Wolf, and Shoukhrat Mitalipov.

    Keinem einzigen von den 23 Leuten sind die Bildfehler vor der Publikation aufgefallen? Auch nach der Publikation hat keiner diese anscheinend herausragende Arbeit genauer angeguckt und die Fehler bemerkt, sondern andere, nicht an den Laboren beteiligte Leute mussten sie finden? Die Bildfehler sind ja vielleicht nicht so dramatisch. Aber man fragt sich doch, was für eine Sorte Wissenschaft das eigentlich ist, in der derartige Sitten herrschen. Wer weiß, was da noch für Schlampereien passieren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Embryo | Fälschung | Hwang Woo Suk | Studie | Münster
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