Genetik : Schwere Fehler im Paper zu menschlichen Klonen

Manipulation oder peinliche Panne des Fachblattes "Cell"? In der Arbeit des US-Klonforschers Shoukhrat Mitalipov kommen Abbildungen doppelt vor, andere fehlen.
US-Forscher Shoukhrat Mitalipov, der Schöpfer der ersten menschlichen Klone, muss sich schweren Vorwürfen stellen. © Oregon Health & Science University/Handout via Reuters

Nur wenige Tage nachdem ein US-Forscherteam um den Zellbiologen Shoukhrat Mitalipov einen Durchbruch beim Klonen menschlichen Lebens verkündet hatte, werden schwerwiegende Vorwürfe gegen die Forscher laut.

Unabhängige Gutachter (PubPeer, eine Plattform, auf der bereits veröffentlichte Forschungsarbeiten geprüft werden) bezichtigen die Wissenschaftler um Shoukhrat Mitalipov von der Health  & Science University in Oregon, mikroskopische Aufnahmen und eine Abbildung in der Veröffentlichung im Fachblatt Cell mehrfach verwendet zu haben, um verschiedene Experimente zu belegen.  

Cell-Pressesprecherin Mary Beth O´Leary bestätigte dem Nachrichtenportal ScienceInsider, man habe eine Untersuchung der Ungereimtheiten eingeleitet. Cell will sich aber erst nach Abschluss der Prüfungen zu den Vorgängen äußern. 

Cell nahm sich nur vier Tage zur Begutachtung

Offenbar wurde das Manuskript der US-Wissenschaftler hastig von den bestellten Fachgutachtern geprüft. Bereits vier Tage nach Einreichen hatte das Fachblatt die Publikation zur Veröffentlichung akzeptiert. Die Wissenschaftler wurden daraufhin nach eigenen Angaben vom Medienecho zu ihrer Forschung überrascht.

Derzeit ist offen, ob die mehrfache Verwendung der Abbildungen durch ein Versehen zu erklären ist oder eine absichtliche Manipulation darstellt. Ob der Wert der wissenschaftlichen Erkenntnisse infrage zu stellen ist, kann derzeit ebenfalls nicht beantwortet werden.

Für die Stammzellforschung wäre es bereits der zweite Fall wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Vor acht Jahren hatte der als Klonpionier gefeierte Südkoreaner Hwang Woo Suk einräumen müssen, seine spektakulären Ergebnisse bei der Herstellung geklonter embryonaler Stammzellen weitgehend gefälscht zu haben. 

"Grundsätzlich darf so etwas nicht passieren, schon gar nicht bei  einer Veröffentlichung, die quasi der Fälschung von Hwang nachfolgt", sagte der Stammzellexperte Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster ZEIT ONLINE.

Update: Der Leiter der Klonstudie, Shoukhrat Mitalipov, hat ZEIT ONLINE nun Fehler in seiner Arbeit bestätigt.

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Kommentare

74 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Wie wahr

Aber wahrscheinlich haben die Forscher parallel bei anderen renommierten Zeitschriften einreichen wollen oder sie haben es getan. Cell wollte wohl unbedingt das Journal sein, das auch diese spektakulären Ergebnisse veröffentlicht. Trotzdem ist das sehr peinlich!
Vielleicht spielte auch der große Name des Senior Autors eine Rolle, so dass das Peer Review einfach durchgewunden wurde.

Na keinen!

Dennoch rechtfertigt man die aberwitzigen Gebühren, die insbesondere für die Abonnements von Elsevier-Zeitschriften anfallen, mit der angeblich höheren Qualität der Publikationen, die der PR des Verlags zufolge auf die Arbeit seiner gewissenhaften Editoren zurückgehen soll.

Tja, wieder einmal steht nun wohl der Kaiser ohne Kleider da. Wäre ja nicht das erste mal.

Na mal erstmal auf die Bilder warten

bevor man hier jemanden voreilig Betrüger nennt. Ich meine, es ist auch möglich, mehrere Sachverhalte anhand des gleichen Bildes zu zeigen. Ein Bild zeigt meist mehr als nur eine einzige Sache. Natürlich ist das unschön in einer Publikation, der Leser möchte neues erfahren / sehen, jedoch ist das noch lang kein Täuschungsversuch...