Leserartikel

WerbungWir brauchen den Goldenen Windbeutel nicht

Leser Frederic Quink hält es für unnötig, dass der Verein Foodwatch irreführende Lebensmittel-Werbung kritisiert. Die Hauptverantwortung liege nicht bei den Unternehmen. von Frederic Quink

Der goldene Windbeutel ging dieses Jahr an Capri-Sonne, denn die Werbung dafür wendet sich direkt an Kinder. Sie werden durch Sponsoring bei Sportveranstaltungen und durch Werbung an Schulen erreicht.

Der "Der goldene Windbeutel" ist ein Negativpreis, der von der NGO Foodwatch verliehen wird – für Nahrungsmittelhersteller, die ihre Produkte für Kinder besonders dreist bewerben.

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Ich halte diese Form der Kritik für fragwürdig. Zwar verstehe ich das Anliegen von Foodwatch, Kinder vor Getränken zu schützen, die auf 200 Milliliter sechseinhalb Stück Würfelzucker enthalten.
Positiv an solchen Kampagnen ist,  dass sie Verbrauchertäuschung aufdecken. Doch wer sind die wahren Verantwortlichen?

Ich habe als Kind literweise Capri-Sonne getrunken und Tütenweise Pombären gegessen, die bei Foodwatch den fünften Platz belegen. Dick geworden bin ich davon nicht, denn meine Eltern haben dafür gesorgt, dass ich Süßigkeiten nicht als Grundnahrungsmittel zu mir nahm.

Es ist doch klar, dass Gummibärchen ebenso wie Nutella dick machen können. In den USA wurde Ferrero von einer Mutter wegen irreführender Werbung verklagt. Sie argumentierte, sie habe nicht gewusst, dass Nutella nicht gesund ist.

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Für diese Argumentation habe ich kein Verständnis. Jeder, der lesen kann, kann auf die Rückseite von Lebensmittelverpackungen schauen. Dort steht, welche Zusammensetzung das Produkt hat.
Es liegt also in der Verantwortung der Eltern, ihren Kindern die Grundlagen gesunder Ernährung beizubringen.

Würden wir dieser Verantwortung gerecht, wären Preise wie der Goldene Windbeutel überflüssig.

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Leserkommentare
  1. Man kann es sich nicht so leicht machen. Ich glaube auch dass jeder durchschnittlich gebildete Mensch der sich ein wenig mit der Marterie auseinandergesetzt hat auch ohne Foodwatch erkennen kann wann essen Müll ist und wann nicht.

    Ich glaube aber auch dass es viele Menschen gibt die eben nicht so gebildet sind, diese Werbelügen glauben und dann versuchen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Beste für ihr Kind zu tun. Wenn solche Leute dann aus kapitalistischen Gründen hinters Licht geführt werden finde ich das schlicht gesagt ziemlich schäbig!

    Und da diese Irreführung enorme Konsequenzen auf die Kinder hat, wie z.B. Fettleibigkeit,Diabetes, Konzentrationsprobleme und diese weitere Probleme nach sich ziehen wie Schulversagen, Ausgrenzung, Mobbing... ist es m.E. nach nur löblich wenn sich für ein Ampelsystem beim Essen eingesetzt wird, So dass auch die überforderte, alleinerziehende Hartz IV Empfängerin mit 5 Kindern die Möglichkeit hat ohne viel Aufwand zu erkennen was gut und was schlecht für Ihre Kinder ist. Und dazu trägt nunmal ein Ampelsystem mehr bei als durchtrainierte Fußballspieler bei Nuttela, Heidi Klum bei Mc Donalds...

    Ich finde den Leserbrief ziemlich überflüssig.

    31 Leserempfehlungen
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    "Ich glaube auch dass jeder durchschnittlich gebildete Mensch der sich ein wenig mit der Materie auseinandergesetzt hat auch ohne Foodwatch erkennen kann wann Essen Müll ist und wann nicht."

    Man kann es sich sogar noch einfacher machen: Wenn dafür im TV geworben wird ist es Müll (bzw. sollte nur in geringen Mengen genossen werden weil Nutella halt doch superlecker ist). Falls es dieses Produkt aber zu Großmutters Zeiten bereits gab (Karotten oder so was) dann kann man es bedenkenlos auch in großen Mengen essen. So einfach ist das, da muss man sich überhaupt nicht mit der Materie auseinandersetzten.

    • GDH
    • 03. Juni 2013 13:49 Uhr

    Ihre Forderung nach einem Ampelsystem geht völlig am Problem vorbei.

    Wenn Konsumenten nicht mit Zahlen und Mengenverhältnissen umgehen können, hilft eine farbliche Kennzeichnung von Lebensmitteln garnichts.
    Wenn die Bereitschaft fehlt, z.B. den Energiegehalt eines Nahrungsmittels von der Packung abzulesen und auszurechnen, wieviel in einer konkret zu konsumierenden Menge eigentlich enthalten ist, kann man den Leuten nicht helfen.

    Soll der Käse jetzt rot sein, weil man damit sehr energiehaltige Speisen zubereiten kann (z.B. wenn man ihn auf einen Nudel-Hackfleichauflauf noch oben draufkippt) oder grün, weil er genau das an Fett und Eiweis liefert, was im Rest vom Salat nicht so viel drin ist (wenn man ihn denn im Salat konsumiert).
    Eine Farbkennzeichnung auf Lebensmitteln kann weder die konsumierte Menge abbilden, noch berücksichtigen, was die Leute sonst noch so essen. Entsprechend taugt sie nicht als Entscheidungsgrundlage.

  2. Der Artikel ist in der Tat ziemlich unnötig. Die Verbraucher haben das Recht auf allgemein verständliche Informationen zu den Produkten und dies sollte besonders in Bezug auf Produkte gelten, die Kinder als Zielgruppe haben.

    Was gibt genügend Studien dazu, wie schwer es dem Ottonormalbürger fällt, die Inhaltsangaben auf Lebensmitteln richtig zu interpretieren. Gleichzeitig gibt die Industrie alles, um die Kunden weiter im Unklaren zu lassen. Bezugsmengen wie 25g Chips als empfohlene Dosis oder eine halbe Pizza sind die besten Beispiele dafür.

    Natürlich kann nicht alle Verantwortung bei der Industrie abgeladen werden, aber der Kunde benötigt klare Informationen zur den angeboteten Produkten. Dies umzusetzen ist die Aufgabe der Verbraucherministerin, aber sie kümmert sich leider bevorzugt um die Unterstützung bayrischer Landwirte.

    Daher ist die Initiative von Gruppen wie Foodwatch zu begrüßen, oder wollen wir den Lobbygruppen von Lebensmittelmagnaten wie Nestle und Kraft das Feld alleine überlassen?

    14 Leserempfehlungen
  3. Und man kann Unternehmen in einer Marktwirtschaft nicht an den Pranger stellen, nur weil sie das einzig natürliche machen und versuchen, ihre Produkte an den Mann zu bringen, um das eigene Fortbestehen zu sichern. Die Verbraucher haben immernoch die Verantwortung für sich selbst, und deren kann man sie nicht erleichtern, ohne die gesamte Gesellschaft in einen Kindergarten für Erwachsene zu verwandeln.

    4 Leserempfehlungen
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    "Die Verbraucher haben immernoch die Verantwortung für sich selbst, und deren kann man sie nicht erleichtern, ohne die gesamte Gesellschaft in einen Kindergarten für Erwachsene zu verwandeln."
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    Jetzt desillusionieren Sie aber alle. Freiheit und Verantortung gehören zusammen? Und das, wo doch die Opferrolle viel bequemer ist?

    Wenn die Wirtschaft alles tun dürfte, um ihre Produkte an den Mann, die Frau, das Kind zu bringen, weil es ja schlussendlich in der Verantwortung der Verbraucher liegt, die Qualität und Tauglichkeit eines jeden Produktes des täglichen Bedarfs selbst zu bewerten, dann wäre es um die Sicherheit von Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen nicht mehr gut bestellt.
    Es muss also nicht nur für das Inverkehr bringen angemessene Regeln geben, sondern auch für die Art, wie Produkte und deren Eigenschaften beworben werden. Irreführende Werbung gleicht eibnem Betrugsversuch und da kann der Ruf nach dem mündigen Verbraucher nicht als Ersatz herhalten, damit die Produzenten weiter tun und lassen dürfen, was ihnen in den Sinn kommt. Foodwatch und andere Ansätze zur unabhängigen Qualitätsbewertung können nur helfen, dass die schwärzesten Schafe in der Branche hinreichend bekannt gemacht werden. Der eine der andere Verbraucher wird dadurch vielleicht auch seine Kritikfähigkeit verbessern und wenigstens ab und an die Zutatenliste lesen, so diese ohne spezielle Hilfsmittel entzifferbar ist.
    Bei gefährlichen Inhaltsstoffen oder fragwürdigen Zusatzstoffen allerdings greift die Verbraucher-Kompetenz überhaupt nicht, denn diese Dinge kann selbst der gebildete Konsument kaum beurteilen. So bleibt es also bei einer Verantwortung des Produzenten für die Qualität seiner Produkte und auch für die glaubwürdigkeit der Werbeaussagen.

    Da kam doch gerade eben in der ZEIT der große Mathetest. Die Frage 15 mit der Inhaltsangabe haben gerade 2/3 der Deutschen richtig beantwortet.
    Das restliche Drittel hat dann einfach Pech gehabt? Das kann und darf nicht der Weisheit letzter Schluss sein!

    • Acrux
    • 02. Juni 2013 3:59 Uhr

    ist Information aller Marktteilnehmer. Durch Irrefuehrung und Fehlinformation verzerrt ein Anbieter den Markt zu seinen Gunsten.

    Aufgabe staatlicher Aufsicht ist es, den funktionierenden Markt herzustellen und zu garantieren.

    Da die Aufsicht hier versagt, ist eine Initiative wie FoodWatch offensichtlich notwendig.

    • hairy
    • 02. Juni 2013 7:52 Uhr

    Es gibt kein Naturrecht auf Verkauf von allem und jedem, denn dieses Interesse kollidiert leicht mit anderen - z.B. dem der Gesundheit der Käufer. Und Gesundheit ist ja wohl eindeutig das höhere Gut.

    Und bezgl. der "Verantwortung für sich selbst": diese hat ihre Grenzen. Denn wie aufgeklärt wir auch sind - wir können vieles nunmal einfach nicht wissen. Kein Mensch weiß, was zB. alldie Zusätze in Lebensmitteln in welchen Dosen bewirken können. Wie soll man dann verantwortlich handeln?

    denn leider hat der durchschnittsbürger von der aufklärung seit kant an mündigkeit nur mitgenommen, dass er nun nachplappern muss "gott ist doof" ... ;-)

  4. Wenn die Zuckerwürfel bei Kinderlimos als Maßstab dienen, dann gilt das auch für andere Getränke. Während die gebeutelte Orangenlimo 6,5 Stück Würfelzucker auf 0,2 Liter bietet, ergibt der Gesamtzucker in Multivitaminsäften schon 10 Würfel. Noch mehr bietet der "gesunde" Traubensaft. Da ist in manchen Produkten sogar doppelt so viel drin wie in den geschmähten Erfrischungsgetränken. Aber da regt sich keiner auf - denn die WählerInnen trinken das klebrige Zeug ja selbst. Da geben vor allem die Hageren ihrem Affen Zucker - und das gleich volle Lotte. Das Ganze war wohl eher eine Abstimmung für Nörgler, Heuchler und Wichtigtuer.
    Kann es Zufall sein, wenn sich Foodwatch nicht etwa "schlechte" Produkte herausgreift, sondern fünf beliebte, umsatzstarke Markenartikel zur Wahl stellte? Hier geht's richtig ums Geld. Billige Handelsmarken und No-Name-Produkte sind weniger geeignet, denn mit den Handelskonzernen legt man sich lieber nicht an. Die sind viel mächtiger als Nestle oder der windgebeutelte Limoabfüller. Die Markenartikler können sich nun überlegen, ob hier nicht großzügige Spenden an den Verein Abhilfe schaffen. Schließlich müssen auch unsere Schutz-Organisationen Umsatz erwirtschaften wie Spielhallen oder Abmahnvereine auch. Schutz kostet Geld.
    http://www.dradio.de/dkul...

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    • AndreD
    • 03. Juni 2013 13:13 Uhr

    und Industriezucker sind schon zwei verschiedene Paar Schuhe

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Eltern | Getränk | NGO | Schule | Sponsoring | Werbung
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