HPV-ImpfungDrei Spritzen gegen Krebs für Afrikas Mädchen

Um Gebärmutterhalskrebs zu verhindern, sollen Millionen Mädchen in Afrika gegen Humane Papillomaviren geimpft werden. Eine Chance, die viele im Westen skeptisch sehen. von 

Es ist ein Traum, den Menschen in aller Welt haben: Krebs nicht nur zu behandeln und zu heilen, sondern ihn zu verhindern. Sich mit einer Impfung gegen diese Plage zu schützen, so wie es gegen Kinderlähmung, Diphterie oder Tetanus üblich ist. Der Traum lässt sich heute zumindest teilweise realisieren. Zwar nicht gegen die häufigsten Übeltäter Brust-, Darm-, Prostata- oder Lungenkrebs, aber zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs wurde eine solche Impfung entwickelt. Sie beruht auf einer Entdeckung des deutschen Krebsforschers Harald zur Hausen, der dafür mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt wurde: Er konnte zeigen, dass bei dieser Krebsform eine Virusinfektion im Spiel ist.

Die Impfung verhindert die Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) vom Typ 16 und 18. Mit ihnen wird das Immunsystem zwar meist gut fertig, sie verursachen aber auch rund 70 Prozent aller Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs. Die Papillomviren werden beim Geschlechtsverkehr übertragen. Eine andere Variante des Impfstoffs schützt zusätzlich gegen HPV 6 und 11, die Genitalwarzen auslösen können.

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Sechs Jahre nach der Einführung der beiden Vakzinen in Deutschland startete im Mai eine Impfaktion junger Mädchen in Afrika. In Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Kinderhilfswerk Unicef unterstützt die öffentlich-private Impfallianz Gavi Regierungen auf Antrag beim Kauf der Impfstoffe. Die Allianz, die unter anderem von der "Bill und Melinda Gates"-Stiftung getragen wird und in diesem Jahr auch von der Bundesregierung 30 Millionen Euro bekam, hat bei den Herstellern der beiden Impfstoffe nach eigenen Angaben einen "Rekordtiefpreis" von 4,50 US-Dollar pro Impfdosis erwirkt. In Kitui County im Osten Kenias sollen nun 20.000 Mädchen zwischen neun und 13 Jahren geimpft werden. Zuvor hatte es in Ghana, Kenia, Laos, Madagaskar, Malawi, Niger, Sierra Leone und Tansania Probeläufe gegeben. Sieben weitere Länder südlich der Sahara werden bald folgen. Es ist eine Großaktion, wenn auch keine Premiere. Denn in Ruanda wurden bereits im Jahr 2011 93 Prozent der Mädchen dieser Altersgruppe geimpft – mit Impfstoff, der direkt vom Hersteller kam.

Die große Herausforderung für die Länder ist die Logistik. Anders als bei den bisher eingeführten Impfungen bekommen diesmal nicht Babys die Spritzen, die ohnehin mit ihren Müttern in Gesundheitszentren kommen, sondern Schulkinder. In den Programmen, die in Afrika anlaufen, sollen die Impftermine auch als Gelegenheit genutzt werden, um die Pubertierenden über HIV, Kondome und die Pille zu informieren.

Zehn Millionen US-Dollar für drei Impfungen

Der Gesundheitsforscher und Arzt Wilm Quentin von der TU Berlin hat für eine Studie zusammen mit Kollegen von der London School für Hygiene und Tropenmedizin, der WHO und dem Nationalen Institut für Gesundheitsforschung Tansanias durchgerechnet, welche Kosten dabei entstehen und welche Logistik empfehlenswert ist. Allein die dreimalige Impfung aller jungen Mädchen in einer Region Tansanias würde demnach fast zehn Millionen US-Dollar kosten, schrieben sie im Online-Journal BMC Medicine. Da es in armen Ländern bisher kaum Screening-Programme gibt, sei es eine wichtige Public-Health-Aufgabe.

Langzeitergebnisse zur HPV-Impfung liegen noch nicht vor. Daten zehntausender geimpfter Mädchen zeigen allerdings, dass sich bei ihnen deutlich weniger Infektionen und behandlungsbedürftige Vorstufen von Krebs entwickeln. In Australien, wo das HPV-Impfprogramm in Schulen läuft und wo rund 70 Prozent der Mädchen mitmachen, kann man drei Jahre nach Einführung der Impfung erste Erfolge beobachten. Es bilden sich 40 Prozent weniger Krebs-Vorstufen.

Auch Genitalwarzen sind dort seit Einführung der Impfung seltener geworden. Das zeigt eine Studie mit mehr als 85.000 Frauen, die zwischen 2004 und 2011 eines der Zentren für sexuelle Gesundheit des Landes aufsuchten. Die Ergebnisse wurden im April im British Medical Journal veröffentlicht. Im Jahr 2011 wurden demnach bei keiner Geimpften unter 21 Jahren Genitalwarzen diagnostiziert, aber bei sieben Prozent der Ungeimpften. Auch junge heterosexuelle Männer hatten weniger Warzen. Es könnte also den Schutz für beide Geschlechter erhöhen, auch halbwüchsige Jungen zu impfen, hieß es in einem Kommentar. Ähnliche Ergebnisse kamen einen Monat zuvor aus Schweden, wo seit 2007 Mädchen zwischen zehn und zwölf in der Schule geimpft werden.

Leserkommentare
    • mugu1
    • 04. Juni 2013 12:17 Uhr

    Es wird immer und bei allem Menschen geben, die Neues skeptisch sehen. Viele einfach aus dem Gedanken heraus, dass etwas halt noch nicht ausreicehnd erprobt sein könnte, um wirklich Rückschlüsse ziehen zu können, was Nutzen und Risiken angeht (hier: evtl. Risiken durch Langzeitnebenwirkungen). Dafür habe ich sogar ein gewisses Maß an Verständnis.

    Absolut dumm dagegen ist das Argument derer, die sagen, dass ihre Kinder noch nicht sexuell aktiv sind. Okay, bei den meisten trifft es in dem Alter bis - sagen wir mal - 14/15 Jahren auch zu; aber diese Präventionsmaßnahme deswegen abzulehnen...na ja, wie ich weiter oben schon sagte: dumm. Weshalb heißt es wohl Prävention?!

    Noch schlimmer finde ich, wenn gar religiöse Gründe für die Ablehnung genannt werden, wie es sie auch gibt, sowohl bei dieser Impfung als auch bei anderen (z.B. s. gegen Kinderlähmung im Norden Nigerias und anderen Ländern). Da wird immer argumentiert, es steht halt nicht im Buch der Bücher (Bibel, Koran, NT oder was auch immer), was m.E. eine Umkehrung der Logik- und Beweisführung darstelt. Es sollte vielmehr argumentiert werden, es steht nicht darin, dass man es nicht machen darf.

    Ich halte diese Impfung absolut für sinnvoll, und meine Frau und ich werden unsere Töchter auch zu gegebener Zeit = wenn sie das Alter dafür erreichen impfen lassen. Und wahrscheinlich auch, wo ich nun über die positiven Auswirkungen auch bei Jungen sehe, unsere Söhne. Auch wenn ich mich dazu noch näher informieren lassen werde.

    5 Leserempfehlungen
  1. Warum schreiben sie nichts über die Nebenwirkungen?

    Wie kommt es, dass in einem Land wie den USA, in dem extrem viel geimpft wird, Krebs epidemische Ausmaße angenommen hat?

    There is an epidemic of cancer today. One in three Americans will be diagnosed with cancer, often before the age of 65. …

    Since 1940, we have seen in Western societies a marked and rapid increase in common types of cancer. In fact, cancer in children and adolescents has been rising by 1 to 1.5 percent a year since the 1960's. …

    For most common cancers - prostate, breast, colon, lung - rates are much higher in the West than in Asian countries. Yet Asians who emigrate to the United States catch up with the rates of Americans within one or two generations.

    http://www.nytimes.com/20...

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    Es ist nicht ganz verständlich, was jetzt Ihr Argument sein soll.
    Abgesehen von der erst seit einigen Jahren durchgeführten Impfung gegen Papillomaviren, deren positive Auswirkungen gegen Gebärmutterhalskrebs (und vermutlich auch Rachen-Krebserkrankungen) aufgrund des langen Zeitraums zwischen Infektion und Krebserkrankung erst in mehr als 10 Jahren erkennbar werden können, sowie einzelnen, noch im Versuchsstadium befindlichen therapeutischen Impfungen bei schon erkrankten gibt es bisher keine "Impfung gegen Krebs".

    Impfungen richten sich doch gegen bakterielle oder virale Infektionskrankheiten. Insofern muß man Ihrem hinsichtlich der Logik typischem Impfgegner-Argument, "Warum gibt es trotz Impfung mehr krebskrankheiten" antworten, daß es genau andersherum ist: auch weil infolge von Impfungen gegen z. B. Grippe oder Pneumokokken die Menschen immer seltener an Infektionen sterben, erreichen sie erst ein Alter, in dem Krebserkrankungen vermehrt auftreten.

    • Petka
    • 04. Juni 2013 14:18 Uhr

    Vorweg: Die Meinung in der NYT sagt ganz klar "Lebensstil ist schuld" und erwähnt mit keinem Wort Impfungen.

    Der Zusammenhang "Wie kommt es, dass in einem Land wie den USA, in dem extrem viel geimpft wird, Krebs epidemische Ausmaße angenommen hat?" ist also erstmal nur von dir angenommen.

    Feuerwehrautos tauchen überall da auf, wo Feuer ist. Verursachen Feuerwehrautos also Feuer und weiden sich daran? Das ist ein Gegenbeispiel dafür, dass Zusammentreffen nicht automatisch Zusammenhang/Verursacher bedeutet.

    Zwei Punkte sind hier wichtig: Diagnose und Umwelt. Erstens werden wir alle seit Jahrzehnten besser überwacht, d.h. Krebs wird eher festgestellt. Eher als dass er von allein abheilt und auch eher als dass man daran unerkannt stirbt. Ob der Autor asiatische Drittweltländer mit unseren Medizinsystemen vergleicht geht nicht aus dem Artikel hervor.

    Der zweite Punkt ist eben die auch im Artikel erwähnt Umwelt: Weichmacher, Plastik, Schwermetalle, *izide tummeln sich in unserem Umfeld in Massen. Warum es plötzlich die Impfungen sein sollen, die den Krebs auslösen (oder den Autismus *hust* *hust*), wenn doch der Lebensstil von knackigen Pommes über wenig Obst bis hin zu wenig Bewegung schon als Ursache bewiesen ist, das kann ich nur als Frage auf den Weg mitgeben.

  2. 3. Sorry

    ich muss mal hijacken:

    „(…) aber zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs wurde eine solche Impfung entwickelt. Sie beruht auf einer Entdeckung des deutschen Krebsforschers Harald zur Hausen (…)“

    Da. Da! Das Patriarchat am Werk. Wie kann es nur? :)

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  3. Zeit:
    "Die Papillomviren werden beim Geschlechtsverkehr übertragen."

    Soweit ich informiert bin, ist diese Aussage nicht ganz richtig. Sie werden zwar durch Geschlechtsverkehr, vaginal, anal und oral, übertragen und können neben dem Cervixkarzinom auch zu Karzinomen am Penis, im Analbereich oder im Mund führen, aber es gibt auch andere Übertragungswege.

    Während bei der HIV-Infektion Blut und Sexualsekrektion die Ursache sind, reicht bei Pampillomviren der Kontakt aus.

    Ein gemeinsam benutzter Waschlappen oder eine Zahnbürste könnten von daher ebenfalls, wenn auch weitaus geringerer als der Geschlechtsverkehr, ein Risiko für eine Ansteckung darstellen.

    Eine Gynäkologin sagte mir einmal, die Viren seien relativ weit verbreitet. Man kann sie in sich tragen, sie werden aber erst richtig aktiv, wenn das Immunsystem nicht voll funktionsfähig ist.

    Ich bin nun keine Medizinerin, aber es wäre schön zu wissen, inwieweit diese Infektionswege wirklich relevant sind.

    Denn wenn ein Kleinkind an einem von einem Virenträger benutzten Waschlappen saugt, könnte es sich theoretisch infizieren. Dann wäre die ablehnende Haltung gegenüber einer Impfung mit dem Argument, das Kind sei ja noch nicht sexuell aktiv, hinfällig.

    Vielleicht kann die ZEIT da mal forschen? :-)

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    Der Haken ist, dass (momentan) es nicht möglich gegen einen Virenstamm zu impfen. Impfungen richten sich immer gegen bestimmte Typen. (Deswegen muss unter anderem auch die Grippeschutzimpfung jährlich "ernuert" werden, da hier gegen neue Typen geimpft wird.)

    Zu HPV: Die meisten HPV-Typen lösen "nur" Warzen aus. Es gibt einige Hochrisikotypen, die einige Krebsarten auslösen können.
    Laut Wikipedia gibt es hier momentan 124 vollständig beschrieben Typen. Davon werden ca. 30 Typen nur über direkten Genitalkontakt übertragen. Geimpft wird nur gegen Typ 16 und 18 (Hochrisikotypen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können) und in der erweiterten Impfung gegen zusätzlich Typ 6 und 8 (steht auch im Text). Typ 6 und 8 können Genitalwarzen auslösen.

    Mehr Informationen liefern auch gängige Suchmaschinen.

  4. Es ist nicht ganz verständlich, was jetzt Ihr Argument sein soll.
    Abgesehen von der erst seit einigen Jahren durchgeführten Impfung gegen Papillomaviren, deren positive Auswirkungen gegen Gebärmutterhalskrebs (und vermutlich auch Rachen-Krebserkrankungen) aufgrund des langen Zeitraums zwischen Infektion und Krebserkrankung erst in mehr als 10 Jahren erkennbar werden können, sowie einzelnen, noch im Versuchsstadium befindlichen therapeutischen Impfungen bei schon erkrankten gibt es bisher keine "Impfung gegen Krebs".

    Impfungen richten sich doch gegen bakterielle oder virale Infektionskrankheiten. Insofern muß man Ihrem hinsichtlich der Logik typischem Impfgegner-Argument, "Warum gibt es trotz Impfung mehr krebskrankheiten" antworten, daß es genau andersherum ist: auch weil infolge von Impfungen gegen z. B. Grippe oder Pneumokokken die Menschen immer seltener an Infektionen sterben, erreichen sie erst ein Alter, in dem Krebserkrankungen vermehrt auftreten.

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    Krebs ist nicht altersabhängig!!!!

    • Petka
    • 04. Juni 2013 14:18 Uhr

    Vorweg: Die Meinung in der NYT sagt ganz klar "Lebensstil ist schuld" und erwähnt mit keinem Wort Impfungen.

    Der Zusammenhang "Wie kommt es, dass in einem Land wie den USA, in dem extrem viel geimpft wird, Krebs epidemische Ausmaße angenommen hat?" ist also erstmal nur von dir angenommen.

    Feuerwehrautos tauchen überall da auf, wo Feuer ist. Verursachen Feuerwehrautos also Feuer und weiden sich daran? Das ist ein Gegenbeispiel dafür, dass Zusammentreffen nicht automatisch Zusammenhang/Verursacher bedeutet.

    Zwei Punkte sind hier wichtig: Diagnose und Umwelt. Erstens werden wir alle seit Jahrzehnten besser überwacht, d.h. Krebs wird eher festgestellt. Eher als dass er von allein abheilt und auch eher als dass man daran unerkannt stirbt. Ob der Autor asiatische Drittweltländer mit unseren Medizinsystemen vergleicht geht nicht aus dem Artikel hervor.

    Der zweite Punkt ist eben die auch im Artikel erwähnt Umwelt: Weichmacher, Plastik, Schwermetalle, *izide tummeln sich in unserem Umfeld in Massen. Warum es plötzlich die Impfungen sein sollen, die den Krebs auslösen (oder den Autismus *hust* *hust*), wenn doch der Lebensstil von knackigen Pommes über wenig Obst bis hin zu wenig Bewegung schon als Ursache bewiesen ist, das kann ich nur als Frage auf den Weg mitgeben.

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  5. jetzt möchte ich bittte eine Geschichte über Cowboys lesen, geht das?

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