Ungewollt kinderlos : Eine dritte Perspektive nach dem Schock

Ein Myom verhinderte, dass Leserin Gudrun Monika Höhne schwanger wurde. Als bei ihr Krebs diagnostiziert wurde, hat sie sich von ihrem Kinderwunsch verabschiedet.

Ich war 37, als mein Mann und ich eine Familie gründen wollten. Jahrelang versuchten wir es, dann mussten wir aufgeben. Es war eine Bewährungsprobe für mich und unsere Partnerschaft. 

Ein kleines, ungünstig sitzendes Myom in meiner Gebärmutter schien den Familienzuwachs zu verhindern. Auch eine künstliche Befruchtung kam aus diesem Grund laut meiner Frauenärztin nicht infrage. Einmal kam es zu einer schmerzhaften Eileiterschwangerschaft. Der spätere Versuch, das Myom zu entfernen, brachte nicht den gewünschten Effekt. 

Als ich 40 war, bestand mein Mann darauf, den Kinderwunsch aufzugeben, denn er hatte Angst vor einem behinderten Kind. Ich fiel damals in ein tiefes Loch. Dass meine beste Freundin zu dieser Zeit ein lang ersehntes Wunschkind zur Welt brachte, machte es nicht einfacher. 

Einige Jahre lang hatte der Kinderwunsch all unsere größeren Entscheidungen im Leben beeinflusst. Danach fiel es mir schwer, mich neu zu orientieren. Die familienfreundliche Wohngegend, in die wir gezogen waren, der sichere Arbeitsplatz: Auf einmal stand alles infrage. 

Bald lernte ich, eine beliebte Smalltalkfrage zu fürchten: "Hast du auch Kinder?" Mein Mann wollte über das Thema nicht mehr sprechen, und so fühlte ich mich oft alleingelassen und haltlos. 

Dann änderte ein Schock meine Lebenseinstellung: Gebärmutterhalskrebs. Ich wurde erfolgreich operiert und hatte Glück. Der Krebs hatte nicht gestreut. Ich bekam meine zweite Chance, und die wollte ich nutzen. 

Nach Alternativen Ausschau halten

Mir wurde klar, dass es nichts brachte, dem nie geborenen Kind weiter hinterherzuweinen. Nun ging es darum, nach Alternativen für mein Leben Ausschau zu halten. 

So fand ich heraus, dass ich eigentlich in einem falschen Beruf feststeckte. Als Diplomkauffrau arbeitete ich seit vielen Jahren im Vertrieb in der IT-Industrie. Ich verdiente gutes Geld, aber große Freude bereitete mir die Arbeit nicht mehr. Daraufhin sattelte ich komplett um. Heute arbeite ich als Trainerin und Coach mit Erwachsenen. Diese Arbeit erfüllt mich sehr.

Ich betreue auch Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch und gebe Workshops, um Frauen die Möglichkeit zu geben, sich in einem geschützten Rahmen über dieses Thema offen auszutauschen. Denn wenn das Wunschkind ausbleibt, können Frauen nicht einfach weitermachen wie bisher. Außerdem sind Adoption und Pflegekinder nicht die einzigen Alternativen zu leiblichen Kindern. 

Mir hat geholfen, mich bewusst mit meinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, die mit dem Kinderwunsch verknüpft waren. Dann suchte ich nach Alternativen. Manchmal braucht es den unvoreingenommenen Blick von außen, um sie zu entdecken.

Für mich hat das funktioniert. Ein paar Dinge in meinem Leben sind noch offen. Aber eines kann ich heute schon sagen: Ich bin keine Mutter, aber trotzdem sehr glücklich.

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Kommentare

38 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

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"Ein Kind sollte man dann bekommen, wenn beide Partner bereit dazu sind."

Dann könnte es wie im vorliegenden Fall allerdings zu spät sein.

"Ich kann allen Frauen, die sich Kinder wünschen nur raten, sich von Leuten wie Ihnen nicht verrückt machen zu lassen."

Und ich kann allen Frauen nur raten sich über die Risiken zu informieren. Die sind nämlich sehr wohl vorhanden. Natürlich bedeutet ein Risiko von 20% (fiktive Zahl) das 80% nicht betroffen sind. Aber es ist schon etwas anders als ein Risiko von 5% wenn man 10 Jahre früher anfängt.

Zu ernst genommen!

Ich habe ja nicht geschrieben, dass sie es zu spät versucht hat. Ich hatte in meinem Kommentar nur die Frage gestellt, ob sie es vielleicht zu spät versucht hat und ob ihr Alter womöglich Mitursache für das Myom und somit für die Kinderlosigkeit ist. Ich wollte damit nur zur Diskussion anregen und keinen Vorwurf erheben, das sollte eigentlich durch meine vorsichtigen Formulierungen auch so zum Ausdruck gekommen sein.

Meine Motivation war es auch, darauf aufmerksam zu machen, dass es immer weniger Kinder gibt und dass das hohe Alter der Frauen womöglich mitverantwortlich dafür ist, dass es immer weniger Kinder gibt.

Unpassend finde ich es, dass Sie die wenigen (bzw. aus Ihrer persönlichen Sicht vielen) Erfahrungen aus Ihrer Bekanntschaft über die offiziellen Statistiken stellen. Diese sind nämlich viel aussagekräftiger und repräsentativer.

Aus den offiziellen Statistiken geht übrigens auch hervor, dass etwa ein Drittel aller Frauen in Deutschland im gebärfähigen Alter keine Kinder hat bzw. kriegt. Findet das niemand außer mir beunruhigend und ungerecht den Männern gegenüber? Man denke nur an all die Männer, die sich dann Prostituierter (und/oder ausländischer/osteuropäischer) Frauen bedienen oder womöglich gar Frauen vergewaltigen. Ich glaube, es sollte mal darüber diskutiert werden, inwieweit ein Zusammenhang besteht zwischen diesem schlimmen Verhalten und der hohen Kinderlosigkeit bzw. dem weiblichen Unwillen für Kinder.