Ich war 37, als mein Mann und ich eine Familie gründen wollten. Jahrelang versuchten wir es, dann mussten wir aufgeben. Es war eine Bewährungsprobe für mich und unsere Partnerschaft. 

Ein kleines, ungünstig sitzendes Myom in meiner Gebärmutter schien den Familienzuwachs zu verhindern. Auch eine künstliche Befruchtung kam aus diesem Grund laut meiner Frauenärztin nicht infrage. Einmal kam es zu einer schmerzhaften Eileiterschwangerschaft. Der spätere Versuch, das Myom zu entfernen, brachte nicht den gewünschten Effekt. 

Als ich 40 war, bestand mein Mann darauf, den Kinderwunsch aufzugeben, denn er hatte Angst vor einem behinderten Kind. Ich fiel damals in ein tiefes Loch. Dass meine beste Freundin zu dieser Zeit ein lang ersehntes Wunschkind zur Welt brachte, machte es nicht einfacher. 

Einige Jahre lang hatte der Kinderwunsch all unsere größeren Entscheidungen im Leben beeinflusst. Danach fiel es mir schwer, mich neu zu orientieren. Die familienfreundliche Wohngegend, in die wir gezogen waren, der sichere Arbeitsplatz: Auf einmal stand alles infrage. 

Bald lernte ich, eine beliebte Smalltalkfrage zu fürchten: "Hast du auch Kinder?" Mein Mann wollte über das Thema nicht mehr sprechen, und so fühlte ich mich oft alleingelassen und haltlos. 

Dann änderte ein Schock meine Lebenseinstellung: Gebärmutterhalskrebs. Ich wurde erfolgreich operiert und hatte Glück. Der Krebs hatte nicht gestreut. Ich bekam meine zweite Chance, und die wollte ich nutzen. 

Nach Alternativen Ausschau halten

Mir wurde klar, dass es nichts brachte, dem nie geborenen Kind weiter hinterherzuweinen. Nun ging es darum, nach Alternativen für mein Leben Ausschau zu halten. 

So fand ich heraus, dass ich eigentlich in einem falschen Beruf feststeckte. Als Diplomkauffrau arbeitete ich seit vielen Jahren im Vertrieb in der IT-Industrie. Ich verdiente gutes Geld, aber große Freude bereitete mir die Arbeit nicht mehr. Daraufhin sattelte ich komplett um. Heute arbeite ich als Trainerin und Coach mit Erwachsenen. Diese Arbeit erfüllt mich sehr.

Ich betreue auch Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch und gebe Workshops, um Frauen die Möglichkeit zu geben, sich in einem geschützten Rahmen über dieses Thema offen auszutauschen. Denn wenn das Wunschkind ausbleibt, können Frauen nicht einfach weitermachen wie bisher. Außerdem sind Adoption und Pflegekinder nicht die einzigen Alternativen zu leiblichen Kindern. 

Mir hat geholfen, mich bewusst mit meinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, die mit dem Kinderwunsch verknüpft waren. Dann suchte ich nach Alternativen. Manchmal braucht es den unvoreingenommenen Blick von außen, um sie zu entdecken.

Für mich hat das funktioniert. Ein paar Dinge in meinem Leben sind noch offen. Aber eines kann ich heute schon sagen: Ich bin keine Mutter, aber trotzdem sehr glücklich.