Verhütung"Pille danach" wird in den USA rezeptfrei

Die Obama-Regierung gibt ihren Widerstand auf: Künftig wird die "Pille danach" in den USA ohne Rezept und Altersbegrenzung verkauft. Das hatte ein Gericht angeordnet.

In den USA soll es die "Pille danach" künftig ohne Rezept und ohne Altersbegrenzung geben. Das Weiße Haus gab am Montag seinen Widerstand gegen eine entsprechende Gerichtsentscheidung auf und ebnete dem freien Verkauf damit den Weg. Damit endet ein mehr als zehn Jahre dauernder Gerichtsstreit.

Die Pille danach enthält dieselben Wirkstoffe wie Anti-Baby-Pillen, allerdings deutlich höher dosiert. Wird sie innerhalb von 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen, kann sie eine Schwangerschaft verhindern.

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Ein US-Bundesgericht hatte Anfang April die Regel gekippt, dass Frauen unter 17 Jahren das Mittel nur gegen Vorlage einer ärztlichen Verschreibung erhielten. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass die Vorschrift politisch motiviert und wissenschaftlich nicht gerechtfertigt sei. 

Gegen das Urteil legte die US-Regierung Einspruch ein: Sie warnte vor sozialen und gesundheitlichen Gefahren der Entscheidung. Diesen Einspruch zog das Weiße Haus nun zurück.

Der Hersteller der Pille muss nun noch den formellen Antrag auf einen rezeptfreien Verkauf ohne Altersbeschränkung bei der Arzneimittelbehörde FDA stellen. Sobald dieser Antrag eingegangen sei, werde die FDA "ihn umgehend genehmigen", hieß es.   

In Deutschland nur auf Rezept

In Deutschland braucht eine Frau grundsätzlich ein Rezept von einem Arzt, wenn sie eine Notfallverhütung kaufen will.

Das ist umstritten, denn je mehr Zeit nach einer möglichen Zeugung verstreicht, desto unsicherer wirkt das Medikament. Mit dem gebräuchlichen Wirkstoff Levonorgestrel, auch in den Tabletten der Marke Plan B enthalten, kann innerhalb von 24 Stunden eine ungewollte Schwangerschaft mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit verhindert werden. Die Quote sinkt nach 24 Stunden und bis 48 Stunden auf 85 Prozent, zwischen 48 und 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr liegt sie nur noch bei 58 Prozent. Deshalb fordert Organisationen wie Pro Familia, dass die Präparate ohne Beschränkungen in Apotheken verkauft werden sollten.

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Leserkommentare
  1. bis man sie hierzulande einfach so bekommt, schliesslich haben die Politnasen alle Angst vor der katholischen [...] Kirche

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/jk

    • hladik
    • 11. Juni 2013 13:42 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine sachliche Wortwahl. Danke, die Redaktion/jk

    • cb81
    • 11. Juni 2013 13:49 Uhr

    kann nicht nur einfach so abgegeben werden (Warum das Gericht keine wissenschaftliche Begründung sieht, kann ich nicht verstehen!). Vielmehr muss die Anwenderin über verschiedene NW (Übelkeit und Erbrechen häufig) aufgeklärt werden, geklärt werden ob sie noch andere AM wie Johanniskraut nimmt (-> Levonorgestrel u. U. wirkungslos) und vor allem muss eine bereits bestehende Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Ich kann verstehen, dass diese teilweise erniedrigende Odyssee zum Notarzt und damit verbundene Hemmschwelle bei vielen jungen Frauen problematisch ist. Aufgrund neuer Moden wie der Bestellung der "Pille danach" bei dem Fernbehandlungssystem Dr Ed und der jüngsten Abweisungen einer vergewaltigten Frau durch eine katholische Klinik, halte ich eine Entlassung aus der Rezeptpflicht für angebacht. Dann sollte aber, und das erwarte ich auch als Auflage von der FDA, nur speziell qualifizierten Apotheken die Abgabe erlaubt sein. Das wir allerdings viele andere Wirkstoffe mit tlw. schlimmeren NW wie bspw. Schlafmittel, Ibuprofen etc. freiverkäuflich in der Apotheke erhalten und dort im Umkehrschluss nicht über Verschreibungspflicht diskutiert wird, zeigt mir, dass das Beharren der Politik auf einer Verschreibungspflicht bei Levonorgestrel aufgrund des Verwendungszwecks tatsächlich stark durch politische und religiöse Motive beeinflusst wird. Es sollte nur nicht vergessen werden, dass das oben besprochene AM kein Abtreibungsmittel, sondern nur ein Nidationshemmer ist.

    2 Leserempfehlungen
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    • h1
    • 11. Juni 2013 14:16 Uhr

    Ohne das jetzt Ethisch zu bewerten, aber wenn ein Nidationshemmer das Einnisten der bereits befruchteten Eizelle verhindert und diese folglich stirbt, kommt das doch einer Abtreibung (natürlich in einer sehr frühen Form) gleich…?

    Die Wirkung von Levonorgestrel basiert nicht auf der Nidations- sondern auf der Ovulationshemmung!

  2. Müsste man dann konsequenterweise nicht auch die normale Pillerezeptfrei verkaufen können? Vielleicht gebe es dann gar keine Notwendigkeit zur Pille danach.

    • h1
    • 11. Juni 2013 14:16 Uhr

    Ohne das jetzt Ethisch zu bewerten, aber wenn ein Nidationshemmer das Einnisten der bereits befruchteten Eizelle verhindert und diese folglich stirbt, kommt das doch einer Abtreibung (natürlich in einer sehr frühen Form) gleich…?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Levonorgestrel"
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    • cb81
    • 11. Juni 2013 14:51 Uhr

    Mal abgesehen davon, dass die Nidationshemmung einer von vielen diskutierten Wirkmechanismen ist, daneben wird auch die Hemmung des Eisprungs (abhängig vom Einnahmezeitpunkt bezogen auf den Zyklus) oder Transporthemmung des Eis diskutiert, ist doch dann ganz konsequent gedacht auch eine Spirale ein Abtreibungsmittel, oder?! Da die Frage danach, wann das Leben beginnt und wann eine Abtreibung beginnt, eine - wie sie richtig festgestellt haben - schwierige ethische Angelegenheit ist, gebe ich Ihnen recht, aber nach §218 des Strafgesetzbuches sind Eingriffe vor der Nidation kein Schwangerschaftsabbruch! Ein Abreibungsvorgang, so wie er mit der Abtreibungspille mit Mifepriston und nachfolgend Prostaglandinen durchgeführt wird, führt zum Öffnen des Muttermundes, Ablösung der Gebärmutterschleimhaut und Abstossen des Embryos. Das ist schon eine andere Dimension, wie ich finde.

  3. Die Wirkung von Levonorgestrel basiert nicht auf der Nidations- sondern auf der Ovulationshemmung!

    Antwort auf "Levonorgestrel"
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    • cb81
    • 11. Juni 2013 14:53 Uhr

    siehe Wikipedia-Eintrag zu Levornorgestrel: "Die genaue Wirkung des Levonorgestrels im Rahmen der Notfallkontrazeption (Pille danach) ist unklar. Diskutiert werden eine Hemmung des Eisprungs, ein hemmender Effekt auf den Transport der Eizelle oder Spermien in den Eileitern sowie eine Störung der Einnistung der befruchteten Eizelle."
    Als Kontrazeptivum in niedrigerer Dosis haben Sie Recht, in höherer Dosierung als Notfall-Kontrazeptivum ist die Lage unklar.

    • cb81
    • 11. Juni 2013 14:51 Uhr

    Mal abgesehen davon, dass die Nidationshemmung einer von vielen diskutierten Wirkmechanismen ist, daneben wird auch die Hemmung des Eisprungs (abhängig vom Einnahmezeitpunkt bezogen auf den Zyklus) oder Transporthemmung des Eis diskutiert, ist doch dann ganz konsequent gedacht auch eine Spirale ein Abtreibungsmittel, oder?! Da die Frage danach, wann das Leben beginnt und wann eine Abtreibung beginnt, eine - wie sie richtig festgestellt haben - schwierige ethische Angelegenheit ist, gebe ich Ihnen recht, aber nach §218 des Strafgesetzbuches sind Eingriffe vor der Nidation kein Schwangerschaftsabbruch! Ein Abreibungsvorgang, so wie er mit der Abtreibungspille mit Mifepriston und nachfolgend Prostaglandinen durchgeführt wird, führt zum Öffnen des Muttermundes, Ablösung der Gebärmutterschleimhaut und Abstossen des Embryos. Das ist schon eine andere Dimension, wie ich finde.

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    da eine befruchtete Eizelle des Menschen schon das uneingeschränkte Potenzial zu einem Baby hat ist es Wissenschaftlich schwierig etwas anderes als "Beginn des Lebens" festzulegen.
    Die meisten anderen Definitionen wurden in der Juristerei nur geschaffen, da die Konsequenzen für Wirtschaft und Geburtenkontrolle so unangenehm wären.
    Ob es richtig ist, bei Themen wie "was ist ein Mensch" hier den bequemen Weg zu gehen werden spätere Generationen über uns befinden.

    • cb81
    • 11. Juni 2013 14:53 Uhr

    siehe Wikipedia-Eintrag zu Levornorgestrel: "Die genaue Wirkung des Levonorgestrels im Rahmen der Notfallkontrazeption (Pille danach) ist unklar. Diskutiert werden eine Hemmung des Eisprungs, ein hemmender Effekt auf den Transport der Eizelle oder Spermien in den Eileitern sowie eine Störung der Einnistung der befruchteten Eizelle."
    Als Kontrazeptivum in niedrigerer Dosis haben Sie Recht, in höherer Dosierung als Notfall-Kontrazeptivum ist die Lage unklar.

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    Die ovulationshemmende Wirkung ist gut dokumentiert, das ist schließlich ein künstliches Gestagen, da gibt es nicht hunderttausend Wirkungsweisen und mit Magie geht's auch nicht zu. Hochdosiertes Levonorgestrel hemmt die präovulatorische LH-Ausschüttung.

    Diskutiert wird der Einfluß auf Spermien, mitunter auch die Veränderung der Konsistenz des Zervixschleims.

    Die vermeintlich nidationshemmende Wirkung ist hochumstritten. Bislang konnten keine direkten Hinweise gefunden werden. Beobachtet wurden lediglich Veränderungen des Endometriums. Ziemlich dürftige Sachlage...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, ff
  • Schlagworte USA | Verhütung | Apotheke | Arzt | Geschlechtsverkehr | Medikament
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