Grippevirus H7N9USA wollen sich vor Chinas Vogelgrippe schützen

Mehr als 130 Menschen in China haben sich mit der neuen Grippevariante A/H7N9 infiziert. Die USA diskutieren, für ihre eigene Bevölkerung ein Impfserum bereitzuhalten.

China Vogelgrippe Geflügel H7N9

Kampf gegen A/H7N9: Der Mitarbeiter eines Geflügelmarkts sortiert in Taipeh Enten.  |  © Sam Yeh/AFP/Getty Images

Gesundheitsbehörden lassen prüfen, ob die USA für den Notfall einen Impfstoff gegen den neuen Vogelgrippe-Erreger A/H7N9 einlagern sollten. Erste Hersteller haben nach Angaben einer Expertenkommission damit begonnen, ausreichend Impfstoff für klinische Tests zu produzieren. Diese sollen im August beginnen, schreibt das US-Zentrum für Infektionsforschung.

Flexible Grippeviren

Grippeviren kommen in der Natur in unterschiedlichsten Varianten vor und sind auf verschiedene Wirte spezialisiert. Unter Menschen umgehende Influenza-Viren lösen jedes Jahr eine Grippewelle aus, die um den Erdball geht. Allein in Deutschland erkranken jährlich Hunderttausende bis über eine Million Menschen an einer echten Grippe.

Welcher Virus-Subtyp die Grippewelle dominiert, ist von Jahr zu Jahr verschieden. In der Saison 2009/2010 war es zum Beispiel A/H1N1, der unter dem irreführenden Namen Schweinegrippe bekannt wurde, weil er einst in Schweinen mutierte und sich zu einer von Mensch zu Mensch ansteckenden Form entwickelte. In der aktuellen Saison gehen nach Informationen des Robert Koch-Instituts weiterhin A/H1N1 und H3N2 zu etwa gleichen Teilen um, ein weiteres Drittel der Infizierten bekommen eine Grippe vom Typ B.

Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt, von denen es jeweils verschiedene Strukturen gibt.

Vogelgrippe-Varianten

In Einzelfällen können auf Vögel spezialisierte Influenza-Viren auch Menschen befallen. Die bekannteste für Menschen relevante Form ist A/H5N1.Sie ist seit 2003 immer wieder vereinzelt unter Menschen aufgetreten, vor allem in Ägypten, Indonesien und Vietnam – und zwar fast immer in Regionen, in denen Menschen in engem Kontakt mit infiziertem Geflügel leben, Tiere schlachten und das Fleisch selbst verarbeiten. Bis heute haben sich damit 648 Menschen infiziert, 384 starben daran (Stand Dezember 2013).

Der Erreger ist aber nach wie vor hauptsächlich ein Problem für Geflügelbauern und er löst keine großen Epidemien unter Menschen aus. Er bleibt eine Tierseuche, die nur in Ausnahmefällen Menschen betrifft. 

Erkenntnisse über das noch recht unerforschte Virus A/H7N9 schließen die Wissenschaftler weitgehend aus dem, was sie über A/H5N1 wissen. Bislang starben an dem neuen A/H7N9-Virus nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO über 40 Menschen, mehr als 140 haben sich infiziert.

Die Vogelgrippe A/H10N8 hat im Dezember 2013 erstmals nachweislich einen Menschen infiziert – und getötet.

Robin Robinson, Direktor der biomedizinischen Forschungsgruppe im US-Gesundheitsministerium sagte, die Risikobewertung für das Grippevirus vom Typ A/H7N9- ähnele der des 2009 aufgetauchten H1N1-Erregers. Diese Erreger-Variante war als Schweinegrippe bekannt geworden und um die Welt gegangen. Die Schweinegrippe erwies sich als äußerst ansteckend, wenn auch nicht sehr gefährlich für den Einzelnen.

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Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass auch die eigentlich auf Vögel spezialisierte H7N9-Grippe in maßgeblicher Weise von Mensch zu Mensch übertragbar ist, werde die US-Regierung eine großangelegte Impfstoffkampagne einleiten.

Robinson sagte, das Gesundheitsministerium prüfe derzeit außerdem, wer im Falle einer Influenza-Pandemie geimpft werde. Gleichzeitig halten es Wissenschaftler aber bislang für sehr unwahrscheinlich, dass die neue Vogelgrippe-Variante eine weltweite Epidemie auslösen wird – zumindest, solange es nicht zu Mutationen kommt, die den Erreger für Menschen ansteckender und gefährlicher machen.

Geprüft würden beim US-Ministerium auch Produktionskapazitäten, Zeitabläufe und Kosten, teilte die Behörde mit. Eine Entscheidung über die Vorratshaltung erwarte Robinson in den Sommermonaten.

Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht nachgewiesen

Seit dem vergangenen Winter sind in China mehrere Menschen am H7N9-Virus gestorben, der nie zuvor Menschen infiziert hatte. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt bislang mehr als 130 Infektionsfälle. 37 Menschen sind nachweislich infolge einer Infektion mit der neuen Vogelgrippe gestorben. Die Zahl der Neuinfektionen habe allerdings zuletzt abgenommen. Grund dafür seien erhöhte Sicherheitsvorkehrungen, wie die Schließung von Geflügelmärkten. Nach bisherigen Erkenntnissen steckten sich die Betroffenen im Kontakt zu infizierten Tieren an.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch konnte bisher nicht abschließend bestätigt werden – es gab aber Verdachtsfälle. Im April dieses Jahres hatte die WHO gemeldet, dass sich der Erreger in Einzelfällen unter Familienmitgliedern in China ausgebreitet habe. 

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Leserkommentare
    • gooder
    • 12. Juni 2013 22:53 Uhr

    Bleibt zu hoffen, dass diese Impfstoffkampagne nicht auch auf Europa überschwappt.

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  1. Mitarbeiter der chinesischen Gesundheitsbehörden in Taipeh...? Da sind die Beziehungen zwischen der Volksrepublik und der ROC ja doch besser als ich dachte. Ist doch schön wenn alle in Krisensituationen zusammenrücken :)

    Ohne Spaß, über welches China reden wir jetzt?

    2 Leserempfehlungen
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    Liebe/r Bluevanmeer,
    vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben den Fehler behoben.
    Mit freundlichen Grüßen

  2. Zeigt es doch sehr deutlich, wie man - und das möchte ich keineswegs nur auf China/Taiwan (danke an Bluevanmeer für diese Beobachtung) beschränkt wissen - mit Lebewesen umgeht, die ganz offensichtlich noch am Leben sind.

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  3. Liebe/r Bluevanmeer,
    vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben den Fehler behoben.
    Mit freundlichen Grüßen

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Bildunterschrift?!"
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    ist der Text immer noch der gleiche geblieben...:
    "Ein Mitarbeiter der chinesischen Gesundheitsbehörden sortiert in Taipeh Geflügel aus."

  4. Der Titel suggeriert, dass die Vogelgrippe gezielt von den Chinesen bzw. der chinesischen Regierung verbreitet worden wäre...

  5. ist der Text immer noch der gleiche geblieben...:
    "Ein Mitarbeiter der chinesischen Gesundheitsbehörden sortiert in Taipeh Geflügel aus."

  6. Liebe/r Laura Baldura,

    äh, nö, noch nicht. Ein neuer Versuch? Es muss doch ein Bild von einem Festlandchinesischen Huhn aufzutreiben sein.

    Mit freundlichen Grüßen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, nsc, dal
  • Schlagworte China | Vogelgrippe | Weltgesundheitsorganisation | Grippevirus | H7N9
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