Dieser Trend erreichte in den neunziger Jahren seinen vorläufigen Höhepunkt. In einer Studie im renommierten Magazin Lancet veröffentlichte der Mediziner Andrew Wakefield Ergebnisse, die Impfgegner bis heute zitieren und Laien verunsichern. 1998 beschrieb Wakefield darin einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen dem Kombinationsimpfstoff gegen Masern Mumps und Röteln (MMR) und Autismus. 

Gefälschte Studie mit Nebenwirkungen

Erst 2004 wurde die Studie zurückgezogen, Wakefield hatte Teile seiner Ergebnisse gefälscht und manipuliert. Mit seiner Firma wollte er einen Test auf die frei erfundene impfspezifische Autismuserkrankung vermarkten. Gleich mehrere Studien konnten nach Wakefields Betrug nie eine Verbindung zwischen der MMR-Vakzine und Autismus herstellen.

Zu den nun in Deutschland Erkrankten zählen viele Menschen, die sich im letzten Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende nicht haben impfen lassen. "Das Problem bei uns entstand vor 15 bis 25 Jahren, als die Impfbereitschaft niedriger war – unter anderem weil durch die Impfungen seit den 1970er Jahren wesentlich weniger Maserninfektionen auftraten", sagte Ole Wichmann vom RKI in einem Interview mit spektrum.de. Seltenere Ausbrüche führten zu weniger Infektionen unter ungeimpften Kindern. Und die sind nun im Teenager-Alter oder junge Erwachsene. Derzeit sind lediglich 79,8 Prozent der 18- bis 29-Jährigen gegen das Masernvirus immunisiert.

Nur Mecklenburg-Vorpommern erreicht die Impfquote

Zwar lassen die meisten Eltern in Deutschland ihre Kinder gegen Masern impfen. Doch eine ausreichende Impfquote erreicht nur Mecklenburg-Vorpommern für neu eingeschulte Kinder. 2011 lag sie dort bei 96,1 Prozent nach der zweiten MMR-Spritze. Bayern kommt auf 89,8 Prozent und Berlin auf 90,7. Schlusslicht ist Sachsen mit nur 86,4 Prozent. Die Quote ist auch deshalb nicht hoch genug, weil zu viele Kinder in Deutschland nur die erste Impfspritze erhalten, wie die Meldedaten zeigen.

Der Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr denkt nun öffentlich über eine Impfpflicht nach. Die wird es aber wohl nicht geben, denn dafür müsste das Grundgesetz angefasst werden. Niemand darf in Deutschland zu einer Immunisierung gezwungen werden. Allerdings prüft das Ministerium, künftig nicht geimpfte Kinder vom Schulunterricht auszuschließen, wenn Masern umgehen. 

Dabei wäre eine andere Möglichkeit weit effektiver: In den USA dürfen Kinder gar nicht erst zur Schule gehen, wenn sie nicht die MMR-Impfung bekommen haben.