Das Gesundheitsministerium erwägt eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes. Damit solle die Ausbreitung der Masern bekämpft werden, sagte ein Ministeriumssprecher und bestätigte damit einen Bericht des Spiegel.  

Künftig könnten nicht geimpfte Schüler bei einem Ausbruch der Erkrankung in ihrer Schule befristet vom Unterricht ausgeschlossen werden. Bisher gibt es diese Möglichkeit nur für kranke Kinder. Außerdem werde erwogen, die Gesundheitsämter zu verpflichten, schon bei der Aufnahme eines Kindes in den Kindergarten den Impfstatus abzufragen. Derzeit geschieht das erst zu Schulbeginn.   

Allerdings könnten beide Maßnahmen erst nach der Wahl vom Bundestag verabschiedet werden. Eine Impfpflicht sei zunächst nicht geplant, hatte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) bereits Anfang der Woche gesagt. Das könne nur das letzte Mittel sein.

Die Bundesärztekammer widersprach: "Aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht ist eine Impfpflicht das einzig Sinnvolle", sagt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery dem Spiegel. "Bei Masern handelt es sich um eine hoch ansteckende Erkrankung mit hohem Gefahrenpotenzial für die nicht geimpfte Bevölkerung. Daher wäre es gut, wenn alle Kinder geimpft wären."

Damit sich die Masern nicht ausbreiten können, müssten mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Doch in vielen Bundesländern liegt die Quote unter 90 Prozent. Masern sind besonders für Erwachsene gefährlich. Auch bei Kindern kann die Krankheit schwer verlaufen: Es kann noch Jahre später zu einer Hirnhautentzündung kommen, die zum Tod führen kann.

Mehr als 1.000 Kranke

Die Diskussion über eine Impfpflicht war aufgekommen, nachdem vor allem in Berlin und Bayern deutlich mehr Masern-Fälle aufgetreten waren. Mehr als 1.000 Menschen sind im ersten Halbjahr 2013 erkrankt. Im gesamten Vorjahr gab es nur 166 Fälle.

Gesundheitspolitiker zeigten sich alarmiert. "Wenn sich herausstellt, dass sich innerhalb eines Jahres die Impfquote nicht entscheidend verbessert, müssen wir über eine Impfpflicht nachdenken", sagte Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) der Rheinischen Post

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schloss sich der Forderung an. Der Nutzen der Impfung gegen Masern überwiege mögliche Risiken von Nebenwirkungen bei Weitem, sagte Lauterbach der Zeitung.  

In Deutschland befürwortet eine große Mehrheit eine Impfpflicht: 80 Prozent der Befragten sprachen sich in einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit dafür aus.