RauchenWHO fordert globales Verbot von Tabak-Werbung

In Westeuropa sinkt die Zahl der Raucher. Die Weltgesundheitsorganisation ist überzeugt, dass die Einschränkung von Tabak-Werbung dazu beigetragen hat. von Moritz Kohl

Kann Werbung tödlich sein? Millionen Menschenleben ließen sich retten, wenn weniger Reklame für Zigaretten und andere Tabak-Produkte gemacht würde. Das jedenfalls ist die Position der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die seit Jahren gegen Anzeigen, Plakate, Werbespots und Sponsoring-Aktionen für Zigaretten und andere Tabakprodukte kämpft. Ginge es nach den Experten der WHO, wäre Tabak-Werbung längst weltweit verboten.

Diese Forderung hat die WHO jetzt in ihrem vierten Bericht zur globalen Tabak-Epidemie, dem Report on the Global Tobacco Epidemic bekräftigt, der am heutigen Mittwoch veröffentlicht wurde. Darin ziehen die Gesundheitswächter auch eine Bilanz: Rund 2,3 Milliarden Menschen, fast ein Drittel der Weltbevölkerung also, würden mittlerweile von Maßnahmen zur Tabakkontrolle erreicht. In mehr als 70 Ländern, vor allem in Afrika und Südamerika, würde aber weiterhin fast nichts gegen den Tabakkonsum getan.

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177 Länder haben sich im Jahr 2005 bereits verpflichtet, Werbung, Promotion und Sponsoring für Tabak bis zum Jahr 2025 vollständig zu verbannen. Sie haben einen Rahmenvertrag der WHO – die Framework Convention for Tobacco Control (FCTC) – unterzeichnet und ratifiziert. In den Mitgliedsstaaten der Konvention soll der Tabakkonsum außerdem in den kommenden zwölf Jahren um ein Drittel gesenkt werden. Allein dadurch würden Millionen Menschen weniger an den gesundheitlichen Folgen von Tabakkonsum sterben, schreiben die Autoren des Berichtes.

177 Staaten wollen Tabak-Werbung bis 2025 verbieten

Der Tabakkonsum – und damit ist hauptsächlich das Rauchen von Zigaretten gemeint – sei der häufigste Grund für "vermeidbare Todesfälle".  Sechs Millionen solcher Todesfälle seien jährlich dem Tabak zuzuschreiben. "Jeder zweite Raucher wird an den Folgen sterben und zehn gute Lebensjahre einbüßen", sagt die Krebsforscherin Martina Pötschke-Langer, Leiterin des
 WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle in Heidelberg. Wer im mittleren Alter mit dem Rauchen aufhöre, könne seine Lebenserwartung deutlich verbessern. 

Leserkommentare
  1. Angesichts des derzeitigen Aufschreies ist es nicht veruwnderlich , wenn sofort ein paar Untestützer dieser ERziehungsdoktrin aufschlagen und sich dann danach tierisch echauffieren, sofern der Staat irgendwelche Daten sammelt.

    Tja, das ist modernes Staatsverständnis..toll, liebes Deutschland

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    Leider ist es so, dass die Politik selbst immer weniger Handlungs- und Gestaltungsspielraum hat. Viele Bereiche von Staat und Gesellschaft hat man dem "Markt" überlassen, gegensteuern ist praktisch unmöglich, will man nicht Steuerhinterziehung, Steuerflucht und das massenhafte Verlagern von Produktionsstandorten riskieren. Man kann nur noch reagieren - agieren und gestalten kann man schon lange nicht mehr.

    Angesichts so einer Entwicklung stellt sich natürlich dann die Frage, inwiefern Politik, die nichts mehr bewirken kann, noch legitimiert ist. Und da kommt dann die Frage ins Spiel, inwieweit die Politik in der Lage ist, sich neue Betätigungsfelder zu erschließen. Und da ist die "Besserung" der Bevölkerung durch staatliche Regelungen, gesetzliche Verbote und Direktiven ein ganz wichtiger Faktor.

    Übrigens: als man in den USA den Alkohol verbot, stellte man auf einem Mal zur allgemeinen Überraschung fest, dass man nun ein ganz anderes Problem hatte - mit der Organisierten Kriminalität.

  2. Mir sind all diese Großorganisationen suspekt. Wozu sollen die gut sein? Und was legitimiert sie, ihre Forderungen zu stellen?

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    Nichts. Rein garnichst. Eine Sekte, die sich international positioniert hat und eine internationale Gesundheitsbürokratie auf Steuerzahlerkosten aufbaut.

  3. wäre ja Unsinn zu vermuten, dass die geradezu lächerliche Besteuerung in westeuropäischen Staaten damit zu tun hat.
    Ich meine wenn man als Raucher 500 Euro im Monat für Glimmstängel ausgeben würde ist das noch zu verkrafte, aber wenn man auch noch die tolle Marlborowerbung weggenommen bekommt dann hört doch jeder sofort auf...

    2 Leserempfehlungen
  4. also keine Werbung - nichts.

    Und wenn wir nach einem Monat meinen es hat was gefehlt, dann denken wir noch einen Monat drüber nach und lassen es danach ganz bleiben.

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    • eSight
    • 10. Juli 2013 21:11 Uhr

    aber bitte auch den Lebensunterhalt für die Millionen Menschen, welche dann arbeitslos werden, weil der Konsum ebenfalls zurückgeht.

    • xila
    • 10. Juli 2013 19:19 Uhr

    Stammt die nachfolgende kühne Behauptung von Frau Dr. Pötschke-Langer?

    "Das Euro-Barometer der EU-Kommission ermittelte 2012, dass nur 14 Prozent der Briten und elf Prozent der Schweden täglich rauchen. Auch in Deutschland sinkt der Anteil der Raucher seit Jahren, liegt aber noch bei 26 Prozent."

    Es sind nämlich tatsächlich nicht 17, sondern 27 Prozent der Briten und 13 Prozent der Schweden. Siehe hier:

    http://ec.europa.eu/healt...

    Aber von Frau Dr. Pötschke-Langer ist man es ja gewöhnt, daß man ihr niemals auch nur ein Wort ungeprüft glauben kann.

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    • xila
    • 10. Juli 2013 19:53 Uhr

    Jetzt isses mir selber passiert, daß ich den Suggestionen der Desinformationsspezialisten aus Heidelberg auf den Leim gegangen bin. So kann's gehen. :-)

    Es heißt ja in dem Satz _tägliches_ Rauchen, und das kann natürlich sein, daß dies die korrekten Zahlen sind. Allerdings nur bei den Briten und den Schweden, denn die ihnen gegenübergestellte Zahl der deutschen Raucher ist schon die derjenigen, die in dem verlinkten Dokument angegeben haben, überhaupt zu rauchen. Und bei den Schweden müßte man fairerweise noch die 12 % hinzurechnen, die angeben, täglich Snus zu nutzen, was ich beim Durchscrollen gesehen habe. Das ist nämlich der einzige Grund, warum die Zahl der Raucher - tägliche und überhaupt - dort so niedrig ist. ;-)

    Woher die Zahl der täglichen Raucher bei den Briten und Schweden stammt, darüber darf allerdings weiterhin spekuliert werden. In dem verlinkten Dokument ist sie nicht enthalten. Die müssen wohl doch aus einer anderen Quelle stammen.

    In England und Irland ist, dank der geradezu grotesken Besteuerung auf Tabakwaren, jede zweite Zigarette ein Schmuggelstumpen.
    Das offiziell weniger Zigaretten gekauft wurden, heisst noch lange nicht, daß weniger geraucht wird !

  5. sind Psychoaktiv und ein Verbot lässt sich über die gleiche Logik wie ein Verbot von LSD, Ecstasy, Cannabis, Methamphetamin, Heroin und Kokain rechtfertigen.
    Nur sind die 3 Genannten Substanzen im Westen sogenannte Volksdrogen und werden nur deswegen anders behandelt.

    Zucker ist ein Nährstoff, wie Fett und Protein.
    Stärke ist auch nur Zucker.

    Bei Zucker kommt noch dazu, dass ein zu hoher Konsum erstmal nur den Konsumenten schädigt. Bei Tabak werden direkt Umstehende mit geschädigt. Das ist ein kleiner Unterschied oder?

    Sinnvoller fände ich jedoch ein Reinheitsgebot für Tabak (Nur Tabak sonst nichts). Dann wird vorallem das Rauchen für Anfänger unangenehmer.

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    • jokatz
    • 10. Juli 2013 22:24 Uhr

    ... und Alkohol ist auch ein Nährstoff...

    Verzeihen Sie, aber es gibt keine ernstzunehmende Studie, die nachweist, dass Passivrauchen schädlich ist. Schön nachzulesen bei Prof. Dr. Michael Siegel.

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