H7N7-VirenDie neue Vogelgrippe hat einen potenziell gefährlichen Verwandten

Forscher haben in China ein neues Influenzavirus entdeckt. H7N7 ist mit H7N9 verwandt und kann Säugetiere anstecken. Fraglich ist, ob es für Menschen zur Gefahr wird. von 

In China blicken Mediziner dem Winter mit Sorge entgegen. Sobald es kälter wird, droht nicht nur die nächste Krankheitswelle mit dem Vogelgrippe-Erreger H7N9, der bereits mehr als 40 Menschen getötet hat. Forscher fürchten auch, dass sich bald eine komplett neue Variante der Vogelgrippe auf den chinesischen Geflügelmärkten ausbreiten könnte: ein mit H7N9 eng verwandtes Virus des Typs H7N7. 

Der Zoologe Tommy Tsan-Yuk Lam von der Universität Oxford und sein Team haben den Erreger in Wasserproben auf Märkten in der Stadt Wenzhou entdeckt. Dort wird Geflügel aus der Provinz Zhejiang verkauft, die im Norden an Shanghai grenzt, dem Hauptverbreitungsgebiet des H7N9-Erregers. "Der Fund legt nahe, dass eine drohende Pandemie über H7N9 hinausgehen könnte", schreiben die Forscher im Magazin Nature.

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Wie sich im Tierversuch mit Frettchen herausstellte, kann H7N7 wie sein Verwandter H7N9 auch Säugetiere befallen. Als die Wissenschaftler die Frettchen mit dem isolierten Erreger ansteckten, fanden sie diesen wenige Tage später in den oberen Atemwegen, den Lymphknoten und auch in der Lunge der Tiere wieder. "Das zeigt, dass das Virus auch in Säugetieren eine sichtbare Infektion verursachen kann", heißt es in der Studie. 

Die Forscher vermuten, dass H7N7 diese Fähigkeit seiner genetischen Ähnlichkeit mit H7N9 verdankt. Als sie das Erbgut beider Virustypen aufschlüsselten und verglichen, stellten sie fest, dass sie von Erregern aus eurasischen Wildvögeln abstammten. Die Varianten haben also einen ähnlichen evolutionären Ursprung. Sechs ihrer jeweils acht Gensegmente sind komplett identisch. "Wenn das Virus sich in der Region ausgebreitet hat, ist es wahrscheinlich, dass es auch Menschen ansteckt", sagt Koautor Yi Guan von der Universität von Hongkong

H7N7 bereits in den Niederlanden

Ob und wie weit es bereits verbreitet ist, wissen die Forscher allerdings nicht. Die Proben waren im April dieses Jahres genommen worden, kurz bevor die meisten großen Geflügelmärkte in den betroffenen Regionen geschlossen und zahlreiche Hühner geschlachtet wurden. Es kann auch sein, dass das Virus längst ausgerottet ist. Dennoch dürfe man das Risiko durch das neue H7N7 laut Guan nicht unterschätzen.

Viren des Typs H7N7 hatten zuletzt 2003 bei der Geflügelpest in den Niederlanden 89 Menschen angesteckt. Die meisten erlitten eine Bindehautentzüdung, ein Tierarzt starb. H7-Viren sind nach Ansicht der Forscher grundsätzlich dafür bekannt, pathogene Phänotypen hervorbringen zu können und deshalb immer ein Grund zur Sorge.

Ob das neue Virus ebenso gefährlich für Menschen werden könnte wie H7N9, ist laut dem Virologen Thorsten Wolff vom Robert Koch-Institut trotzdem fraglich. Zum einen, weil die neuen H7N7-Viren in China und den älteren H7N7-Viren aus den Niederlanden nicht zwingend genetisch verwandt seien, also auch nicht unbedingt ähnliche biologische Eigenschaften hätten. Zum anderen, weil die Infektiosität der neuen Erreger bislang nur im Tierversuch nachgewiesen wurde. "Den Frettchen wurden hohe Dosen der Viren direkt in die Nase gespritzt – das zeigt noch nicht, ob dieses H7N7 auch über eine Tröpfcheninfektion von Geflügel auf Menschen springen kann", sagt er.

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Leserkommentare
  1. Noch 4 Wochen bis zum Herbstanfang und schon ist es wieder Zeit auf ein neues Killervirus einzustimmen? Werden wir dieses Jahr endlich alle sterben?

    3 Leserempfehlungen
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    • otto8
    • 21. August 2013 21:43 Uhr

    Es ist immer leicht, sich über angeblichen Alarmismus zu mokieren. Informieren Sie sich doch mal, was damals bei der Spanischen Grippe passiert ist. Ein letaler Erreger, der hochansteckend war und sich bei heutiger Mobilität noch rasanter verbreiten würde. Die Wissenschaft schaut nun klugerweise nach genau solchen Kandidaten. Alles andere hieße, die Lehren der Vergangenheit ignorieren.

    Es gibt Ereignisse, die treten häufig auf, richten überschaubaren Schaden an und sind daher für uns immer präsent. Und dann gibt es sehr seltene Ereignisse, die aber katastrophale Auswirkungen haben. Das zweite Risikoprofil scheint vielen Menschen intellektuelle Schwierigkeiten zu bereiten, insbesondere wenn der Ereignisverlauf nicht linear, sondern exponentiell vonstatten geht. Aus 40 Toten, die Ihnen evtl. lächerlich erscheinen, können dann sehr schnell mehrere Millionen werden.

    • adreng
    • 21. August 2013 21:04 Uhr

    Bei den Diskussionen über Veganismus und den Konsum von Tierprodukten sollte nicht vergessen werden, dass die vielen Nutztiere, die auf engem Raum gehalten werden (und für die konsumierten Riesenmengen an Fleisch, Milchprodukten und Eiern auf sehr engem Raum gehalten werden müssen), ein Brutherd für potenziell auch für Menschen gefährliche Viren sind. Wenn die meisten Menschen vegan leben würden, bestünde dieses Risiko nicht.

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    Veganismus.

    Allerdings: Es gibt Flächen. die sind erst dadurch nutzbar, dass der Mensch Tiere draufstellt.

    "Von den rund 5 Mrd. ha urbarem Land auf dieser Erde seien 3,4 Mrd. Weideland. Mehr als zwei Drittel der nutzbaren Flächen dienten also der Erzeugung tierischer Lebensmittel. Und das sei keineswegs Verschwendung, sondern eine ökologische Notwendigkeit. Diese Flächen seien für Ackerbau ungeeignet."

    Massentierhaltung ist nicht der einzige Weg, tierische Produkte zu erzeugen.

    http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Irrglaube-der-Veganer-Mehr-Ac...

    Auch die mittlerweile übliche Massenhaltung von Nutzmenschen - in Asien, aber auch zunehmend bei uns in den Städten ist sicher ein Risiko für Pandemien.
    Statistisch wird es mit der immer weiter wachsenden Weltbevölkerung immer wahrscheinlicher, dass eine Pandemie ausbricht.

    • otto8
    • 21. August 2013 21:43 Uhr

    Es ist immer leicht, sich über angeblichen Alarmismus zu mokieren. Informieren Sie sich doch mal, was damals bei der Spanischen Grippe passiert ist. Ein letaler Erreger, der hochansteckend war und sich bei heutiger Mobilität noch rasanter verbreiten würde. Die Wissenschaft schaut nun klugerweise nach genau solchen Kandidaten. Alles andere hieße, die Lehren der Vergangenheit ignorieren.

    Es gibt Ereignisse, die treten häufig auf, richten überschaubaren Schaden an und sind daher für uns immer präsent. Und dann gibt es sehr seltene Ereignisse, die aber katastrophale Auswirkungen haben. Das zweite Risikoprofil scheint vielen Menschen intellektuelle Schwierigkeiten zu bereiten, insbesondere wenn der Ereignisverlauf nicht linear, sondern exponentiell vonstatten geht. Aus 40 Toten, die Ihnen evtl. lächerlich erscheinen, können dann sehr schnell mehrere Millionen werden.

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    Antwort auf "Murmeltier?"
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    • roma 63
    • 21. August 2013 22:45 Uhr

    Was wissen Sie denn für interessante aufklärende Erkenntnisse hierzu beitragen zu können? Würde mich wirklich interessieren.
    Es gibt hierzu so viele widersprüchliche Aussagen und so wenige historische medizinische Aufzeichnungen der Ärzte, dass Ihre etwas dramatische Darstellung der angeblich hohen Legalität des Erregers doch mehr von Hypothesen getragen ist, denn von Gewissheiten.
    Eine etwas impfkritische Bemerkung hierzu: überzufällig häufig wurden damals gerade junge, gesunde Menschen befallen; die meisten zuvor geimpft, durch die gerade beginnenden Massenimpfungen. Zu bedenken ist auch die Zeit kurz nach dem 1. Weltkrieg, die geprägt war von Angst, Depression, Mangelversorgung, mehr Armut. Alles ein besonders guter Nährboden für Seuchen.

    Wann war die Spanische Grippe? 1918.
    Was war da gerade zuende? Genau, der Erste Weltkrieg.
    Was brachte der Erste Weltkrieg im Gegensatz zum Zweiten?
    Hunger in der Bevölkerung. Die Brotration im Deutschen Reich betrug zu diesem Zeitpunkt 150 Gramm/Person.
    Und diese Verhältnisse werden dann immer mit heute verglichen. Es ist ein Witz. Aber was will man machen, auf der einen Seite gibt es ein ein rein Erreger zentriertes Weltbild und auf der anderen Seite mag der Mensch es einfach: gut - böse, schwarz - weiß, Impfung - Virus.

    • roma 63
    • 21. August 2013 22:45 Uhr

    Was wissen Sie denn für interessante aufklärende Erkenntnisse hierzu beitragen zu können? Würde mich wirklich interessieren.
    Es gibt hierzu so viele widersprüchliche Aussagen und so wenige historische medizinische Aufzeichnungen der Ärzte, dass Ihre etwas dramatische Darstellung der angeblich hohen Legalität des Erregers doch mehr von Hypothesen getragen ist, denn von Gewissheiten.
    Eine etwas impfkritische Bemerkung hierzu: überzufällig häufig wurden damals gerade junge, gesunde Menschen befallen; die meisten zuvor geimpft, durch die gerade beginnenden Massenimpfungen. Zu bedenken ist auch die Zeit kurz nach dem 1. Weltkrieg, die geprägt war von Angst, Depression, Mangelversorgung, mehr Armut. Alles ein besonders guter Nährboden für Seuchen.

    Antwort auf "Drei Affen"
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    • otto8
    • 22. August 2013 14:51 Uhr

    a) 25 Mio. Opfer (konservative Schätzung) bei der Spanischen Grippe (SG) sind dramatisch genug. Angenommen, eine Pandemie infizierte ein Viertel der Weltbevölkerung (=1,75 Mrd.), und die Letalität läge bei nur 1%. Macht dann 17,5 Millionen Tote.

    b) Von der SG waren keineswegs allein Arme & Geschwächte betroffen. Sie schreiben ja selbst, dass gerade Menschen im besten Alter dran gestorben sind. Auch waren Hygienestandards, z.B. in den USA, auf hohem Niveau.

    c) Impfen schützt, aber eben nur selektiv. Ne Masernimpfung nützt wenig bei Pocken (die wir dank Impfen ausgerottet haben). Die Alten, die nicht von der SG betroffen waren, hatten sich durch einen ähnlichen Virus vorher immunisiert. Impfen führt den Effekt künstlich herbei. Das Immunsystem ist wie ein Gedächtnis, man kann es nicht genug trainieren (aber besser mit harmloserem Serum als dem Virus selbst). Und da's um Pandemie geht: Durchimpfung der Bevölkerung behindert die Verbreitung.

    d) Wenn "Angst, Depression, Mangelversorgung, (...) Armut" als erschwerende Faktoren hinzukommen, ist es besonders zynisch, als reicherer Teil der Welt auf sein Gesundheitsystem zu vertrauen und die Armen (= Mehrheit) verrecken zu lassen.

    f) Simple Wahrheit: Es gibt äußerst tückische Viren, denen kein noch so gesunder Mensch gewachsen ist. Meist können die sich nur begrenzt verbreiten (Ebola). Hohes Verbreitungspotenzial (wie bei Grippe üblich) + hohe Letalität sind ne seltene, aber üble Mischung. Solche Risiken darf man nicht ignorien.

  2. Der H7N7-"Ausbruch" fand zwischen Februar und Mai 2003 statt. Das ist die Jahreszeit, in der der Vitamin D3 Spiegel bei den Menschen, die sich nur auf die Sonneneinstrahlung des Vorjahres oder den Vitamin D Gehalt in normalen Nahrungsmitteln verlassen, am niedrigsten ist. Vitamin D ist an der Produktion von antiviralen und antibakteriellen Stoffen im Körper beteiligt. Wenn der Gehalt an Vitamin D im Körper niedrig ist, können sich Viren vermehren.

    Die Anwesenheit von Viren oder Bakterien im Körper reicht nicht aus um Menschen erkranken zu lassen. Es müssen weitere Faktoren hinzukommen.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3653782/

  3. Ich dachte immer, die ersticken dort an den eigenen Dämpfen und sind total rückschrittlich. Sind sie wohl doch nicht.

  4. Das nun neu entdeckte Influenzavirus H7N7 ist doch nur ein Beleg dafür, dass in den chinesischen Hühnerhaftanstalten nicht mit Medikamenten gewirtschaftet wird und das Produktionsgut mehr oder weniger sich selbst überlassen wird.

    Eigentlich sind sie mehr Bio, als die in unsere Werkshallen hergestellten Einachsern sein können. Die bekommen schon ab dem ersten Herstellungsschritt, dem Öffnen der Schutzverpackung, einen kräftigen Schluck Produktbeschleuniger um die Weiterverarbeitung zu vereinfachen und zu verbessern. Am Ende des Fabrikationsprozesses ist das Ablassen der Betriebsflüssigkeit Blut in Sondermüllbehältern und die maschinelle computergesteuert Zerlegung des Grundstoffes in mundgerechte Kleinteile. So veredelt geworden, wird es nett unter CO2-, N2- und/oder O2-haltiger Schutzatmosphäre mit chemischen Weichmachern kontaminierten und absorbierenden Erdölderivat für den gutgläubigen, ahnungslosen menschlichen Verzehr verpackt.

    Da lobe ich mir doch die chinesischen Hühner und Maschinenschrauben, die haben wenigstens keine/weniger geschmacksneutrale medizinische Präparate in ihrer Nutzmasse.

    Mit H7N7 und H7N9 werde ich schon fertig. Bis jetzt hat mich noch kein Vogel mordlüstern angefallen und auch den Versuchsfrettchen geht es gut. Das Beste am Artikel ist der Schluss. Der spart nämlich die vorhergehende pandemierende Einleitung aus.

    Eine Leserempfehlung
  5. Wann war die Spanische Grippe? 1918.
    Was war da gerade zuende? Genau, der Erste Weltkrieg.
    Was brachte der Erste Weltkrieg im Gegensatz zum Zweiten?
    Hunger in der Bevölkerung. Die Brotration im Deutschen Reich betrug zu diesem Zeitpunkt 150 Gramm/Person.
    Und diese Verhältnisse werden dann immer mit heute verglichen. Es ist ein Witz. Aber was will man machen, auf der einen Seite gibt es ein ein rein Erreger zentriertes Weltbild und auf der anderen Seite mag der Mensch es einfach: gut - böse, schwarz - weiß, Impfung - Virus.

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    Antwort auf "Drei Affen"
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    • MrWho
    • 22. August 2013 7:15 Uhr

    war 1918 1918... also etwa ein Jahrhundert her, als man im wesentlichen nur Hygiene/Antisepsis zur Bekämpfung von Infektionen kannte. Und diese, wie Sie schreiben, im Rahmen des ersten Weltkrieges und nachfolgenden Mangels bestimmt nicht überall oberste Priorität hatte.

    Heute haben wir Wirkmechanismen erforscht, können innerhalb kurzer Zeiträume Erreger identifizieren (die der Grippe-Familie sowieso) und auf Resistenzen zur Ermittlung des besten Therapeutikums testen und dieses relativ schnell herstellen und auch logistisch verteilen (zumindest in unserer ersten Welt).

    Damit möchte ich nicht zu einer Bevorratung von Tamiflu raten, ganz im Gegenteil, wir sind heute mehr denn je in der Lage, schnell auf Endemien, Epidemien und Pandemien zu reagieren, sollten sie auftreten. Dass sich ein paar Grippeforscher immer freuen, dass sie in den Medien auftauchen (Forschungsgelder), sollte nicht zur Hysterie verleiten.

    Dieses Virus ist zunächst einmal nur im Tierversuch, für diese Tiere, gefährlich. Es _könnte_ ähnlich gefährlich sein wie eines, für das es sehr engem Kontakt zu Tieren brauchte und das sonst nur eine Konjunktivitis hervorrief. Also vielleicht einfach mal Abstand halten oder andere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen?

    Diese Möglichkeit hat man durchaus auch im ländlichen China und auf chinesischen Geflügelmärkten. Und hatte man auch schon 1918.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte China | H7N9 | Niederlande | Pandemie | Virus | Vogelgrippe
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