DepressionOhnmächtig im Strudel negativer Gedanken

Keine psychische Erkrankung ist so häufig wie die Depression. Innere Leere, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen: Wer Anzeichen früh erkennt, kann das Leiden beherrschen. von 

"Inzwischen gehe ich so offen mit meiner Depression um, dass ich darüber reden kann", sagt Louisa Kaiser*. "Meine Umwelt aber verkraftet es häufig nicht, dass ich psychisch krank bin. 'Aber du bist doch total normal?', heißt es dann. Sie schauen mich mit großen Augen an, wenn ich von meiner Krankheit erzähle." 

Psychisch krank

Millionen von Menschen in Deutschland sind psychisch krank. Ob Depression, Sucht oder Angststörungen, die Zahl derer, die wegen seelischer Leiden Hilfe suchen, nimmt zu. Einige Studien gehen sogar davon aus, dass fast jeder im Laufe seines Lebens einmal davon betroffen ist – entweder selbst oder als Verwandter oder Freund eines Menschen, der erkrankt.

ZEIT ONLINE schildert in einer Serie die häufigsten psychischen Krankheiten. Vor allem junge Menschen trifft es. Betroffene und deren Angehörige beschreiben, wie die Erkrankung ihr Leben verändert hat, wie sie erkannten, dass sie krank sind, und wie sie nun damit umgehen. Experten geben Tipps, wie man mit psychischen Leiden zurechtkommt und welche Hilfsangebote es gibt.

Alle Folgen der Serie lesen Sie hier.

Die Teile der Serie

Alle Folgen der Serie Psychisch krank im Überblick:

Hintergrund: Kranke Seele – die deutsche Volkskrankheit

Depressionen: Ohnmächtig im Strudel negativer Gedanken

Schizophrenie: Wenn das Ich sich selbst attackiert

Sucht: Betäubt in eine andere Realität

Suizid: Sind Psychiater Schuld, wenn sich ihre Patienten töten? (aus ZEIT Nr. 37/13, Schweizausgabe)

Angehörige psychisch Erkrankter: Das Leid der anderen

Magersucht: Zu perfekt, um gesund zu sein

Angststörungen: Das Leben, erstarrt vor Todesangst

Protestaktion #isjairre: Ein Hashtag gibt psychisch Kranken eine Stimme

Bipolare Störung: Auf der Suche nach der gesunden Mitte

Bulimie:Ekel vor dem eigenen Körper

Psychisch krank und arbeiten: Mitten ins Leben (aus ZEIT Nr. 46/13)

Borderline: Immer auf der Kippe (aus ZEIT Nr. 47/13)

Schizophrenie-Therapie: Mit Computerspielen die Stimmen im Kopf besiegen

ADHS bei Erwachsenen:Bin ich ein Versager?

ZEIT-Unfrage:Wie lange mussten Sie auf einen Therapie-Platz warten?

Ein erster Band zur Serie "Psychisch krank" ist als E-Book erschienen.

Louisa Kaiser ist 27 Jahre alt, die Depression zieht sich seit mehr als zehn Jahren durch ihr Leben. Viele psychische Krankheiten sind stetige Begleiter. "Irgendwann ist es schwer, sich an den Alltag davor zu erinnern", sagt Kaiser. Aber mithilfe von Pyschotherapie oder Medikamenten ist es möglich, die Erkrankung schließlich als solche anzuerkennen und nicht sein gesamtes Leben durch sie bestimmen zu lassen. "Heute kann ich auch wieder lachen, ohne affektiert zu wirken. Die Depression ist ein Teil von mir, den ich akzeptieren muss."

Anzeige

Depressionen können jeden treffen, sie zählen zu den häufigsten psychischen Krankheiten in Deutschland. Eine von acht Frauen leidet im Lauf ihres Lebens daran, aber nur etwa einer unter 20 Männern. Typisch ist das episodenhafte Auftreten der Symptome – sie können für Wochen und Monate verschwinden und dann plötzlich wieder in voller Intensität da sein. Die Ursache dafür ist vermutlich ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn: Ein Mangel an Noradrenalin und Serotonin wird für die Symptome der Erkrankung verantwortlich gemacht. Zudem treten Depressionen oft in Verbindung mit anderen Krankheiten auf. 

Ist ein Mensch auffallend oft traurig und unzufrieden, kaum zu motivieren und desinteressiert können das erste Anzeichen sein. In diesen Phasen lassen sich Betroffene kaum aufmuntern, die negative Grundstimmung hält unabhängig von äußeren Ereignissen an. Depressive Menschen sind wie gelähmt. Sie fühlen sich innerlich leer, verbunden mit einer tiefen Hoffnungslosigkeit. Die schlechte Stimmung schlägt auch auf den Körper: Betroffene schlafen oft schlecht und haben kaum Appetit. Häufige Erkältung, Magenprobleme und Kopfschmerzen sind körperliche Leiden, die häufig mit einer Depression einhergehen – sind dann also psychosomatisch bedingt.

Manche greifen auch zu mehr Alkohol oder zu Medikamenten. Dies ist Teil der als ausweglos empfundenen Situation. "Ein Schub kündigt sich meist dadurch an, dass ich mich zurückziehe, mich immer öfter dabei ertappe, die Wand anzustarren, ja geradezu selbst zu erstarren", sagt Louisa Kaiser über ihre eigenen Gefühle.

Ständig niedergeschlagen, selbst ohne erkennbaren Grund

Bei ihr begann es mit 16 Jahren. Auslöser waren Probleme in der Familie oder durch die Pubertät, dachte sie zuerst. Vermutlich hatte beides Anteil, sagt sie heute. Bis dahin war sie eine Musterschülerin, brachte nur gute Noten nach Hause, sei "ehrgeizig, aber normal" gewesen. Sie war nie eine Außenseiterin, hatte Freunde, war teil der Klassengemeinschaft. Aber als sie dann doch aus der Reihe fiel, bröckelte diese Gemeinschaft. Von den Lehrern kam auch keine Hilfe. "Sie ignorierten mein Weinen, machten mich sogar noch weiter fertig", erzählt Kaiser. Der Vertrauenslehrer habe sich über ihren Plan, die Schule zu wechseln, nur lustig gemacht: "Wir haben schon Wetten abgeschlossen, wann du wieder zurück kommst."  

Serie Psychisch Krank
Seelische Leiden werden mehr und mehr zur Volkskrankheit. Klicken Sie auf das Bild, um zur Serie "Psychisch krank" zu gelangen.

Seelische Leiden werden mehr und mehr zur Volkskrankheit. Klicken Sie auf das Bild, um zur Serie "Psychisch krank" zu gelangen.  |  © www.photocase.de/LPL

Wenn sich die Stimmung immer weiter verschlechtert und die Gedanken immer wieder um dieselben Dinge kreisen, droht in schweren Phasen der Selbstmord. Jeder zweite Depressive hat irgendwann Suizidgedanken. 15 von 100 Personen mit einer schweren Depression versuchen dann tatsächlich, sich umzubringen. Kaiser würde diesen Schritt nicht wagen, "dafür ist mein Verantwortungsgefühl gegenüber Familie und Freunden zu groß", sagt sie. Aber theoretisch durchgespielt hat sie diesen Gedanken schon: "Natürlich habe ich mir überlegt: 'Wie würde ich es machen?'. Foren im Internet bringen die Betroffenen auch immer wieder auf solche Ideen. Deswegen halte ich mich bewusst davon fern. Natürlich wäre es einfacher, wenn ich nicht mehr da wäre, diese Krankheit nicht ertragen müsste." 

Leserkommentare
  1. Redaktion

    Liebe Leser,

    noch ein Tipp: Gerade erreicht mich eine Pressemitteilung, dass MDR INFO vom 26. August bis zum 1. September eine Themenwoche "Depression" anbietet – inklusive eines Telefonforums mit Experten.

    http://www.mdr.de/mdr-inf...

    8 Leserempfehlungen
  2. Nein, wir stopfen die Opfer des System mit Medikamenten voll und hoffen, dass noch genug zum Arbeiten vom Mensch übrig bleibt.

    Hat schon Erich Fromm gewusst und angeprangert, genutzt hat nix!

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das ist so nicht ganz richtig. Kann man zwar zu einem Teil schon sagen, dass die immer schneller werdende Gesellschaft bzw. das Sytem und der damit verbundene Druck für einen Anstieg dieser Krankheit sorgt, ist zum anderen Teil klar zu sagen, dass die Fortschritte der Psychatrie beim Erkennen der Krankheit und das immer breitere und stärkere Bewußtsein der Gesellschaft selbst beim Erkennen der Depression, dazu führt, dass die Zahlen immer mehr nach oben schnellen und diese mittlerweile als "Volkskrankheit" gilt. Wobei mir dieser Begriff etwas bagatelisierend klingt. Ich halte die Depression in ihrer Vollendung, aus eigener Erfahrung sprechend, als eine der gefährlichsten und tückischsten Krankheiten. Da sie halt tödlich enden kann. Wie im Artikel zu lesen ist, hat die Dame noch die Kraft gehabt, sich nicht versucht umzubringen. Von Verantwortungsgefühl gegenüber Familie und Freunden würde ich aber nicht sprechen, da sämtliche lebensbejahenden Gefühle und rationale Werte und Gedanken verloren gehen, wenn sich die Depression voll entfaltet. Einzig das Dunkle und die Vorstellung für immer dort verweilen zu müssen, herscht vor, bis man es nicht mehr aushält...

    Die richtigen Medikamente und Therapie, wenn man sie gefunden hat, sind da mehr als hilfreich und man ist froh, wieder, um mit ihren Worten zu sprechen, "für das System" da zu sein...! Insofern eines der schwächeren Zitate Erich Fromms.;)

    in allen Ehren, aber er war nicht "Dr. Allwissend".

    Vor zwei Monaten war ich in der Klinik Ehrenwall in Bad Neuenahr - Ahrweiler! Dort wurde ich wegen meiner Depression behandelt und von einem Medikament Abdosiert.Dieses geschah aus Ärztlicher Sicht(eine Information die ich mir aus mehreren Foren im Netz holte)viel zu schnell ging! Nun passierte was passieren mußte,ich verlor immer mehr an Kraft und Gewicht.Somiet konnte ich kaum noch an den Anwendungen die aus,Sport,Walking Körperwahrnehmung,Kunst in einem sehr kleinen Raum und zuallerletzt Ein Gespräch was maximal 50 min.dauert stattfinden.Nunhabe ich die Ärztin gebeten mich für drei Tage von den Anwendungen zu befreien ,da ich etwas Erholung von meinem Entzug des Medikaments benötigte.Dises wurde mir zugesagt,worüber ich sehr froh war,da ich am Leistungslimit angekommen war.Man muß dazu schreiben,das die Zeitfenster,von Anwendun zu Anwendung oft so klein sind,das man es gerade noch so zur nächsten schafft.Dann muß man ja auch noch zwischendurch zum Essen,was man oft gerade so schaft! Nach zwei Tagen wurde ich zum Gespräch gebeten um mir mitzuteilen,das ich von den Anwendungen nicht mehr frei gestellt werden kann.man muß sich dies mal vorstellen,es ging lediglich noch um einen Tag!Nun stellte man mich vor die Wahl,entweder wieder teilzunehemen,da die Klinik ansonsten mit der Krankenkasse ärger bekommen würde,oder zu gehen,oder wieder mit der Medikation höher zu gehen. Dies wollte ich auf keinen Fall,so blieb mir nichts anderes wie zu gehen! Schade eigentlich!

    Ich kann mich nicht erinnern, das während meines Klinikaufenthaltes iregndwer zu mir gesagt hätte, ich solle möglichst schnell wieder für das System das mich krank macht fit werden. Im Gegenteil: Mir wurde Achtsamkeit für mich selber beigebracht.
    Oder wie es meine Therapeutin sagte: "Sie sind hier um gesund zu werden, nicht um gesellschaftlich passend gemacht zu werden."

  3. Das ist so nicht ganz richtig. Kann man zwar zu einem Teil schon sagen, dass die immer schneller werdende Gesellschaft bzw. das Sytem und der damit verbundene Druck für einen Anstieg dieser Krankheit sorgt, ist zum anderen Teil klar zu sagen, dass die Fortschritte der Psychatrie beim Erkennen der Krankheit und das immer breitere und stärkere Bewußtsein der Gesellschaft selbst beim Erkennen der Depression, dazu führt, dass die Zahlen immer mehr nach oben schnellen und diese mittlerweile als "Volkskrankheit" gilt. Wobei mir dieser Begriff etwas bagatelisierend klingt. Ich halte die Depression in ihrer Vollendung, aus eigener Erfahrung sprechend, als eine der gefährlichsten und tückischsten Krankheiten. Da sie halt tödlich enden kann. Wie im Artikel zu lesen ist, hat die Dame noch die Kraft gehabt, sich nicht versucht umzubringen. Von Verantwortungsgefühl gegenüber Familie und Freunden würde ich aber nicht sprechen, da sämtliche lebensbejahenden Gefühle und rationale Werte und Gedanken verloren gehen, wenn sich die Depression voll entfaltet. Einzig das Dunkle und die Vorstellung für immer dort verweilen zu müssen, herscht vor, bis man es nicht mehr aushält...

    Die richtigen Medikamente und Therapie, wenn man sie gefunden hat, sind da mehr als hilfreich und man ist froh, wieder, um mit ihren Worten zu sprechen, "für das System" da zu sein...! Insofern eines der schwächeren Zitate Erich Fromms.;)

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Mabus
    • 22. August 2013 15:36 Uhr

    Ich litt selber etwas mehr als 10 Jahre lang an einer klinisch schweren Depression. Keine Schübe, sondern ein durchgehendes Tief. Nach immerhin 7 Jahren, mit 18, kam man dann darauf, dass ich vielleicht doch mal eine Psychotherapie und in psychiatrische Behandlung sollte.

    Was mich bei mir damals erstaunt hat war folgende Begebenheit: Erst nachdem keine Leistung in Form von Prüfungen auf der Uni kam (was auch zu erwarten war, war doch schon in meiner Gymnasialzeit erkennbar, dass es irgendwie mit Motivation zum Lernen oder für sonstwas nicht klappt) wurde überhaupt mal angenommen, dass da was "nicht stimmen" konnte. Nach diversen Intelligenz- und Begabungstests (mit Ergebnis, wie im Artikel, Hochbegabung) kam dann mal die Möglichkeit auf, dass ich mich einer psychologischen Untersuchung unterziehen könne.

    Nun gut. Was mir dann geholfen hat: Medikamentöse Behandlung (die ach so bösen Psychopharmaka Cipralex und Trittico), um den Serotonin und Noradrenalin-Spiegel mal hinzubekommen (sowie endlich, endlich wieder durchschlafen zu können) und bis jetzt andauernde psychotherapeutische Betreuung. Das Ganze half und hilft so weit, dass ich mich mittlerweile im Stande sehe, dieses Wintersemester das Projekt "Studium" wieder aufzunehmen

    Ich kann Betroffenen nur Folgendes raten: Eingestehen, dass es nicht gesund ist, wenn man sich in der Früh nicht im Spiegel ansehen kann oder die Augen von der Straße nicht hochkriegt. Und Hilfe suchen. Medikamente können helfen.

    Mabus

  4. bei mithin mehreren Menschen in meiner Umgebung habe ich das Gefühl, daß von Depressionen Betroffene davon sprechen, als ob es eine unheilbare Krankheit sei (was von Therapeuten natürlich bestätigt wird), gegen die sich nichts machen läßt und die höchstens behandelbar ist.

    Dieser Duktus findet sich auch im Artikel ("Die Depression ist ein Teil von mir, den ich akzeptieren muss.").

    Nun scheint mir als interessiertem Laien es doch schon so, als ob diese Haltung erstens unbegründet (da unbegründbar in einem solch komplexen System, wenn man Fälle von meßbaren neurologischen Störungen mal außen vor läßt) und zweitens arg kontraproduktiv. Es scheint, als ob da Leuten eine Krankheit eingeredet wird.

    Und als Hobbyzyniker scheint mir dies sogar sinnvoll, bindet es doch einen Patienten sehr langfristig an einen Therapeuten.

    Ist dieser Eindruck falsch? Wenn ja, würden mich die wissenschaftlichen Grundlagen interessieren. Falls also ein Fachmann/eine Fachfrau hier Quellen hätte, wäre ich dankbar.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...wo sie das her haben. Jeder seriöse Therapeut und Arzt wird ihnen garantiert nicht sagen, dass diese Krankheit unheilbar ist. Erst recht wird keinem diese Krankheit eingeredet... Das ist wahrlich etwas zynisch.;)
    Da von den Ärzten gegenüber den Krankenkassen, erst recht übrigens den privaten gegenüber, genau bewiesen werden muß, dass der Behandelnde krank ist.

    • Gibbon
    • 22. August 2013 16:07 Uhr

    einen Unterschied zwischen psychischen und physischen Erkrankungen zu machen. Depressionen haben natürlich sehr wohl eine körperliche Seite (und damit meine ich keine Folgesymptome in Form von Appetitlosigkeit oder ähnlichen) durch die im Hirn- und Hirnstoffwechsel vorliegenden Veränderungen.
    Man sollte sich also auch bei der Frage nach der Heilbarkeit an Stoffwechselerkrankungen orientieren. Ein gutes Beispiel wäre Diabetes mellitus. Es gibt zwei verschiedene Typen: Typ-1 ist insulinpflichtig (die insulinproduzierenden Zellen im Körper wurden zerstört) und nicht heilbar; Typ-2 (auch als Altersdiabetes bekannt) liegt meist eine Insulinresistenz zugrunde, d.h. mit geeigneten Maßnahmen wie Ernährung, Bewegung etc. kann die Insulinsensitivität wieder erhöht werden, so dass wieder normal gelebt werden kann.
    Manche Gehirnveränderungen sind dauerhaft oder auch genetisch begründet, so dass man tatsächlich mit ihnen leben muss. Andere sind veränderbar und damit potentiell heilbar. Da Depression eine so unterschiedlich ausgeprägte Krankheit ist, kann man nicht pauschal sagen, ob sie sich im Einzelfall heilen lässt oder nicht. Die Krankengeschichte im Artikel scheint mir jedoch eher auf eine nicht heilbare Form hinzuweisen, da sie in der Pubertät begonnen hat (da wird das Gehirn nochmal umgebaut und dabei können schon Fehler passieren oder schlicht genetische Einflüsse negativer Art wirken) und keinen konkreten Auslöser hatte (zumindest geht das aus dem Artikel nicht hervor).

    • cahtse
    • 22. August 2013 20:14 Uhr

    Guten Tag,

    das ist eine gute und berechtigte Frage. Was wohl mit "Die Depression als Teil von mir.." gemeint ist, ist folgendes:

    Man hat immer Rückschläge und die gilt es zu verarbeiten. Viele Patienten lassen sich durch einen schlechten Tag entmutigen. Das liegt meist darin, dass man denkt psychische Erkrankungen wären wie eine Kinderkrankheit einmal da und dann wäre man imun. Doch weder innerhalb einer depressiven Episode noch über die Jahre hinweg wird alles immer eitel Sonnenschein sein. Dementsprechend muss man auch negative Gedanken in ein Selbstkonzept integrieren. Man muss akzeptieren können, dass es manchmal eben einen schlechten Tag gibt und darum nicht alle Mühe umsonst war - und Mühe geben sich Patienten wahrlich große.

    Es geht also nicht darum Patienten zu "binden". Menschen die Hilfe benötigen, gibt es auch so genug. Die Wartelisten für einen Therapieplatz sprechen da Bände.

    Beste Grüße

  5. ...wo sie das her haben. Jeder seriöse Therapeut und Arzt wird ihnen garantiert nicht sagen, dass diese Krankheit unheilbar ist. Erst recht wird keinem diese Krankheit eingeredet... Das ist wahrlich etwas zynisch.;)
    Da von den Ärzten gegenüber den Krankenkassen, erst recht übrigens den privaten gegenüber, genau bewiesen werden muß, dass der Behandelnde krank ist.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Eine Frage"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aufgrund der Tatsache, daß - egal auf welche Studien google so kommt - ich einfach noch auf keinen einzigen empirischen Beweis gestoßen bin, daß Depression unheilbar sei - zumal Fälle, in denen Betroffene sagen, daß sie eben geheilt seien, dann abgetan werden als "dann war es keine echte Depression" (was dann als "no true scotsman"-Fehlschluss bezeichnet werden muß).

    Alles in allem scheint es mir, als ob es mit der Wissenschaftlichkeit im psychotherapeutischen Betrieb nicht allzu weit her ist (beispielsweise gibt es noch diverse praktizierende klassische Freudianer, obwohl dieses Set an Paradigmen schon lange nicht mehr als wissenschaftlich angesehen wird).

    Dazu sei aber gesagt, daß ich Laie bin und niemals in einer Psychotherapie war, also ist alles, was ich hier sage, nur These, Ansatz und Vermutung ist und ich mich gerne eines besseren belehren lasse. Daher die Frage nach Quellen.

    Eines aber weiß ich sehr sicher: keinem der depressiven Menschen in meinem Bekanntenkreis ging es durch eine Psychotherapie besser (während Medikamente und Selbsthilfegruppen sehr wohl Effekte zeigten). Ob dem allgemein so ist, dies ist wiederum eine andere Frage.

  6. aufgrund der Tatsache, daß - egal auf welche Studien google so kommt - ich einfach noch auf keinen einzigen empirischen Beweis gestoßen bin, daß Depression unheilbar sei - zumal Fälle, in denen Betroffene sagen, daß sie eben geheilt seien, dann abgetan werden als "dann war es keine echte Depression" (was dann als "no true scotsman"-Fehlschluss bezeichnet werden muß).

    Alles in allem scheint es mir, als ob es mit der Wissenschaftlichkeit im psychotherapeutischen Betrieb nicht allzu weit her ist (beispielsweise gibt es noch diverse praktizierende klassische Freudianer, obwohl dieses Set an Paradigmen schon lange nicht mehr als wissenschaftlich angesehen wird).

    Dazu sei aber gesagt, daß ich Laie bin und niemals in einer Psychotherapie war, also ist alles, was ich hier sage, nur These, Ansatz und Vermutung ist und ich mich gerne eines besseren belehren lasse. Daher die Frage nach Quellen.

    Eines aber weiß ich sehr sicher: keinem der depressiven Menschen in meinem Bekanntenkreis ging es durch eine Psychotherapie besser (während Medikamente und Selbsthilfegruppen sehr wohl Effekte zeigten). Ob dem allgemein so ist, dies ist wiederum eine andere Frage.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Keine Ahnung,..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mabasa
    • 07. September 2013 13:45 Uhr

    Gewissermaßen ist Ihr Einwand sicher berechtigt - nur kann man auch andersrum sagen dass ein so komplexes und so delikat ausbalanciertes System, sich kaum je in den ursprünglichen Zustand durch auf "Neuro-Bit-Ebene" doch sehr unselektive Mechanismen zurückversetzen ließe. Die Frage ist nur, welchen Zustand man in dieser Hinsicht als "normal" oder "gesund" bezeichnet. Letzten Endes sind die Grenzen fließend. Eine Stoffwechselstörung ist durch Medikamente ausgleichbar - aber das neuronale Netzwerk ändert sich durch eine länger bestehende Stoffwechselstörung auch:
    http://www.ncbi.nlm.nih.g...
    Sicher mag man einwenden, dass auch noch das Phänomen der Neuroplastizität existiert (andere Bereiche können bestimmte Funktionen ersetzen). Letzten Endes wird man vielleicht nie einen "Beweis" finden, solange man ja nichtmal weiß wo die Grenze zwischen "gesund" und "krank" ist; im Grunde kann man das heute nur für Extremfälle einigermaßen sinnvoll definieren.
    Das "nicht heilbar" habe ich aber auch so fast noch nicht gehört - mein Kenntnisstand ist, dass bei manchen (genetisch bedingt, abhängig von Begleiterkrankungen etc.) durchaus eine dauerhafte Remission erzielt werden kann. Man darf aber auch nicht vergessen, dass depressive Episoden auch ein Symptom andere psychischer Erkrankungen sein können - denn in dem Bereich sind Komorbiditäten relativ häufig, und das hat dann oft auch einen Einfluss auf die Prognose.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Psychisch krank
  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Depression | Erkältung | Gehirn | Krankheit | Medikament | Therapie
Service