VogelgrippeErstmals Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen

Forscher haben neue Hinweise gefunden, dass das H7N9-Virus von Mensch zu Mensch springen kann. Grund zur Panik gibt es nicht: Der Erreger ist nur begrenzt übertragbar.

Ein mit dem neuen H7N9-Virus infiziertes Mädchen in einem Krankenhaus in Peking

Ein mit dem neuen H7N9-Virus infiziertes Mädchen in einem Krankenhaus in Peking  |  © Suzie Wong/Reuters

Es gibt den ersten medizinisch nachgewiesenen Fall einer Übertragung der Vogelgrippe von Mensch zu Mensch. Chinesische Wissenschaftler machten ihn am Mittwoch öffentlich und bestätigten damit, was bereits seit einigen Monaten vermutet wird. Im April hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet, dass sich die Vogelgrippe in Einzelfällen unter engen Familienmitgliedern in China verbreitet hatte. Chinesische Wissenschaftler hatten zuvor bereits bezweifelt, dass Vögel die einzige Infektionsquelle sind.

Die neue Entwicklung sei "besorgniserregend" und müsse genau verfolgt werden, schrieben die Forscher nun in der Onlinefachzeitschrift BMJ. Einen Grund zur Panik sehen die Wissenschaftler aber nicht: Das Vogelgrippe-Virus H7N9 sei noch nicht in der Lage, sich zwischen Menschen stark auszubreiten, sagte der Epidemiologe Chang-jun Bao vom Gesundheits- und Vorsorgezentrum der ostchinesischen Provinz Jiangsu. Es überträgt sich in erster Linie vom Vogel auf den Menschen.

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Wissenschaftler hatten lange befürchtet, dass sich das Virus so verändern könnte, dass es leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. In ihrer neuen Studie beschrieben die chinesischen Wissenschaftler nun den Fall eines 60-jährigen Mannes, der im Krankenhaus starb, nachdem er sich mit dem Virus infiziert hatte. Offenbar steckte er seine 32-jährige Tochter damit an. Die Tochter, die sich über eine Woche lang um ihren Vater gekümmert hatte, starb ebenfalls im Krankenhaus.

Die Frau hatte der Studie zufolge keinen Kontakt zu möglicherweise infiziertem Geflügel. Daher sei die "wahrscheinlichste Erklärung" die Ansteckung über ihren Vater, der regelmäßig Geflügelmärkte besucht hatte, so die Forscher. Gentests zeigten auch, dass die Viren bei Vater und Tochter praktisch identisch waren.

Flexible Grippeviren

Grippeviren kommen in der Natur in unterschiedlichsten Varianten vor und sind auf verschiedene Wirte spezialisiert. Unter Menschen umgehende Influenza-Viren lösen jedes Jahr eine Grippewelle aus, die um den Erdball geht. Allein in Deutschland erkranken jährlich Hunderttausende bis über eine Million Menschen an einer echten Grippe.

Welcher Virus-Subtyp die Grippewelle dominiert, ist von Jahr zu Jahr verschieden. In der Saison 2009/2010 war es zum Beispiel A/H1N1, der unter dem irreführenden Namen Schweinegrippe bekannt wurde, weil er einst in Schweinen mutierte und sich zu einer von Mensch zu Mensch ansteckenden Form entwickelte. In der aktuellen Saison gehen nach Informationen des Robert Koch-Instituts weiterhin A/H1N1 und H3N2 zu etwa gleichen Teilen um, ein weiteres Drittel der Infizierten bekommen eine Grippe vom Typ B.

Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt, von denen es jeweils verschiedene Strukturen gibt.

Vogelgrippe-Varianten

In Einzelfällen können auf Vögel spezialisierte Influenza-Viren auch Menschen befallen. Die bekannteste für Menschen relevante Form ist A/H5N1.Sie ist seit 2003 immer wieder vereinzelt unter Menschen aufgetreten, vor allem in Ägypten, Indonesien und Vietnam – und zwar fast immer in Regionen, in denen Menschen in engem Kontakt mit infiziertem Geflügel leben, Tiere schlachten und das Fleisch selbst verarbeiten. Bis heute haben sich damit 648 Menschen infiziert, 384 starben daran (Stand Dezember 2013).

Der Erreger ist aber nach wie vor hauptsächlich ein Problem für Geflügelbauern und er löst keine großen Epidemien unter Menschen aus. Er bleibt eine Tierseuche, die nur in Ausnahmefällen Menschen betrifft. 

Erkenntnisse über das noch recht unerforschte Virus A/H7N9 schließen die Wissenschaftler weitgehend aus dem, was sie über A/H5N1 wissen. Bislang starben an dem neuen A/H7N9-Virus nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO über 40 Menschen, mehr als 140 haben sich infiziert.

Die Vogelgrippe A/H10N8 hat im Dezember 2013 erstmals nachweislich einen Menschen infiziert – und getötet.

Die Übertragungsmöglichkeit des Virus von Mensch zu Mensch bleibt dennoch begrenzt: Keiner der anderen 43 Menschen, die engen Kontakt zu den beiden Patienten hatten, darunter auch Krankenhauspersonal, steckte sich nach Angaben der Wissenschaftler an. Eine Erklärung könnte sein, dass es möglicherweise eine genetische Disposition für die Ansteckung gibt. Die schwer kranke Tochter konnte nicht mehr befragt werden. Daher schlossen die Wissenschaftler nicht völlig aus, dass sie sich anderweitig angesteckt haben könnte. Das jedoch schien den Forschern "weniger wahrscheinlich".

H7-Grippeviren verbreiten sich normalerweise unter Vögeln, die Untergruppe H7N9 war bis zum Ausbruch der Krankheiten in China nie beim Menschen festgestellt worden. Auch in anderen Vogelgrippe-Fällen des Typs H5N1 und H7N7 war es vereinzelt zu Mensch-zu-Mensch-Übertragungen gekommen, ohne dass dies zu einer Seuchengefahr für die Menschheit geworden wäre.

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Leserkommentare
  1. ich befürchte der auch dieses Jahr kommt ein Herbst. Die Pharmaindustrie rührt schon wieder die Marketingtrommel. Jedes Jahr das selbe.

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    ... bei der letzten Grippe-Hysterie, in der sich die Bundesregierung dazu hat nötigen lassen, eine unglaublich hohe Anzahl eines Impfmedikaments zu kaufen, dessen Bestand nicht einmal in Promille-Beriech genutzt wurde.

  2. Wie sein kann das solche Krankheiten überhaupt entstehen, ich befürchte
    das die Pharmaindustrie hier sehr viel mit wirkt.

    Bedenke man an das erlebte mit der Schweinegrippe.
    Immerhin verdienen sie mit Krankheiten ihr Geld und schlechten Produkte die andere teuer ablösen.

    Ich übrigens habe das vertrauen zu Pharmaindustrien verloren,
    das zeigt sich nämlich weltweit wie das Gesicht der Pharmaindustrie ist.

  3. Von den anfangs prognostizierten abermillionen Toten weltweit konnten dank Statistiktrickserei ein paar hundert, wohlmöglich paartausend Todesfälle zugeordnet werden.

    Immer noch WENIGER als ne normale Grippe, egal wie sehr man auch trickste.

    HEUTE daher immer noch von einem GEFÄHRLICHEN Virus zu sprechen ist schlichtweg das Niveau der Boulevardpresse!!!!!!

    H7N9 ist ein Rohrkrepierer....ausser man hängt am Tropfe der Pharmalobby!!!!!

    Zudem, ich wäre gar fast geneigt zu wetten das es MEHR IMPFTOTE gab als tatsächliche Opfer von H7N9.

    Nun, 1 Fall in China ( da wo die Säcke Reis welche umfallen gerne gezählt werden ) ist auch nicht wirklich die Macht.

    Besser wäre es dem Motto " Follow the money " journalistisch zu folgen. Das dürfte ergiebiger sein.

    Nur so am Rande, nebenbei

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    Redaktion

    ...ähnliche Langeweile lösen die ewig gleichen Kommentare und Verschwörungstheorien zu Berichten über neue Vogelgrippe-Fälle und die Forschung daran übrigens in der Wissenschaftsredaktion aus.

    Nichts für ungut.

  4. Redaktion

    ...ähnliche Langeweile lösen die ewig gleichen Kommentare und Verschwörungstheorien zu Berichten über neue Vogelgrippe-Fälle und die Forschung daran übrigens in der Wissenschaftsredaktion aus.

    Nichts für ungut.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Gääähhhhnnn"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nehmen wir beide es mit dem nötigen " Humor ".

    Egal wie auch immer - die abermillionen Opfer als Prognose ( Sie wissen es ) gab es als Medienmeldung.

    Passiert hingegen ist eher nix. ( Wissen Sie auch ).

    Daher ist es mehr als " normal " wenn weltweit eine langeweile aufkommt bei den Kommentaren.........es ist nämlich weltweit auch aufgefallen ;-))

    Wenn also in der ganzen grossen weiten Welt, über alle kulturhistorischen Grenzen hinweg, eine derartige Einigkeit herrscht.....ja dann....dann irren sich die Kommentatoren nicht sondern die Berichterstatter.

    In diesem Sinne
    Gruss!!!

    • mickz
    • 07. August 2013 17:14 Uhr

    ist die Übertragung keinesfalls - sie vermutet.

    Im übrigen schliesse ich mich durchaus nihil-est an

  5. Nehmen wir beide es mit dem nötigen " Humor ".

    Egal wie auch immer - die abermillionen Opfer als Prognose ( Sie wissen es ) gab es als Medienmeldung.

    Passiert hingegen ist eher nix. ( Wissen Sie auch ).

    Daher ist es mehr als " normal " wenn weltweit eine langeweile aufkommt bei den Kommentaren.........es ist nämlich weltweit auch aufgefallen ;-))

    Wenn also in der ganzen grossen weiten Welt, über alle kulturhistorischen Grenzen hinweg, eine derartige Einigkeit herrscht.....ja dann....dann irren sich die Kommentatoren nicht sondern die Berichterstatter.

    In diesem Sinne
    Gruss!!!

    Antwort auf "Gääähn..."
    • tsnud
    • 07. August 2013 18:16 Uhr

    auch wenn durch fehlgeleitete Marketingstrategien der Pharmaindustrie (Tamiflu) und dem glücklicherweise ausbleiben einer Epidemie oder gar Pandemie nun fälschlicherweise ein harmloses Bild überwiegt.

    Durch den dauerhaften antigen drift und shift kommt es ständig zur Neukombination von Grippeviren. Die Vogelgrippeviren sind beispielsweise an ihren Wirt gut angepasst und kaum schädlich, dadurch ist aber weltweit die Vogelpopulation durchseucht. In Risikozentren bspw. auf Fleischmärkten in Asien kommt es zum direkten Kontakt von Menschen, Schweinen und Vögeln. Das interessante hieran ist das das Schwein "kompatibel" zu Influenzaviren aus Menschen und Vögeln ist. d.h. im Schwein kommt es zum "shift" - der Rekombination der Viren so das ein neuer Virus enstehen kann der eine extreme Pathogenität und Infektiösität (H7 und H5) tragen kann. Durch den weiteren "drift" (hohe Mutationsrate) im Menschen kann kann dieser weiter auf diese Eigenschaften selektioniert werden.

    Historisch findet soetwas alle paar Jahrzente statt, 1889 (Subtyp A/H2N2), 1918 (Spanische Grippe), 1957 (Asiatische Grippe), 1968 (Hongkong-Grippe) und 1977 (Russische Grippe). Im Prinzip also längst überfällig. Auch wenn ich mit dem Methoden der Pharmaindustrie genauso unzufrieden bin wie viele andere, so ist mir als Molekularbiologe der sich etwas eingehender mit der Thematik beschäftigt hat das Damokles-Schwert das drohend über uns schwebt durchaus bewußt.

    Eine Leserempfehlung
  6. ... bei der letzten Grippe-Hysterie, in der sich die Bundesregierung dazu hat nötigen lassen, eine unglaublich hohe Anzahl eines Impfmedikaments zu kaufen, dessen Bestand nicht einmal in Promille-Beriech genutzt wurde.

    Antwort auf "Pfarmaindustrie"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, sdo
  • Schlagworte Weltgesundheitsorganisation | Geflügel | H5N1 | H7N9 | Krankenhaus | Krankheit
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