Vor dem Landgericht Göttingen hat der erste Prozess um den Organspende-Skandal der örtlichen Transplantationsmedizin begonnen. Zum Auftakt hat der angeklagte Mediziner alle Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 46-jährigen Arzt versuchten Totschlag in elf Fällen und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vor.

Der Mediziner soll manipulierte medizinische Daten an die zentrale Vergabestelle Eurotransplant gemeldet haben und so seinen Patienten bevorzugt Organe vermittelt haben. Dabei soll er in Kauf genommen haben, dass andere lebensbedrohlich erkrankte Menschen kein Spenderorgan erhielten und deshalb möglicherweise starben.

In einer schriftlichen Erklärung seiner Verteidiger bestritt der frühere Leiter der Göttinger Transplantationsmedizin, Manipulationen bei der Verteilung von Organen vorgenommen oder veranlasst zu haben.

Die Staatsanwältin forderte während der Verlesung der Anklage ein Berufsverbot für den Mediziner. Die Verteidigung bezeichnete die Vorwürfe dagegen als absurd. Selbst wenn wahrheitswidrige Angaben bei Eurotransplant gemacht worden wären, wäre dies kein Fall für den Strafrichter, weil es eine entsprechende Strafvorschrift zum maßgeblichen Zeitpunkt noch nicht gegeben habe.

Schon vor dem Bekanntwerden der Manipulation von Patientendaten, gab es in Deutschland zu wenige Organspender. Laut einem Bericht der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) ging die Zahl der Organspender im ersten Quartal 2013 von 281 um 18 Prozent auf 230 zurück.

Der Bundestag hat das Transplantationsgesetz inzwischen so geändert, dass die Manipulation von Krankenakten und Wartelisten eine Straftat darstellt. Ärzte, die Krankenakten ändern, um Patienten schneller zu einer Transplantation zu verhelfen, müssen mit einer Geldstrafe oder mit bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug rechnen.