KrankheitenMasern-Infektionen deutlich gestiegen

Bis September sind fast zehn Mal so viele Menschen an Masern erkrankt wie im ganzen letzten Jahr. Allerdings sind Schwankungen der Infektionszahl nicht ungewöhnlich.

Impfung eines 14 Monate alten Mädchens

Impfung eines 14 Monate alten Mädchens   |  © Geoff Cadick/AFP/Getty Images

In diesem Jahr hat es bisher 1.542 gemeldete Masernerkrankungen in Deutschland gegeben. Damit übersteigt die Zahl der Fälle bis zum 1. September den Wert des vergangenen Jahres fast um das Zehnfache, heißt es aus Kreisen des Bundesgesundheitsministeriums.

Allerdings schwanken die Infektionszahlen infolge größerer Epidemien im Jahresvergleich stark. 2012 gab es insgesamt 165 gemeldete Masernfälle. 2011 waren es 1.608 Fälle, im Jahr zuvor 780. Im Jahr 2001 wurden den Behörden noch 6.036 Fälle gemeldet, drei Jahre später waren es nur 123. Vor sieben Jahren stieg die Anzahl der Erkrankungen auf 2.308, zwei Kinder starben nach einer Epidemie in Nordrhein-Westfalen.

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Masernerkrankungen wurden in diesem Jahr bisher mit 711 Fällen am häufigsten in Bayern bekannt, gefolgt von Berlin (487) und Nordrhein-Westfalen (122), wie es unter Berufung auf das Robert Koch-Instituts weiter hieß.

Masern

Masern zählen zu den Viruserkrankungen. Der Erreger ist äußert empfindlich gegenüber Hitze, Licht und Desinfektionsmitteln. Übertragen wird er durch Tröpfchen – also bei engem Kontakt mit Infizierten. Es reicht meist aus, sich in einem Raum mit einem Menschen aufzuhalten, der das hochansteckende Virus in sich trägt.

Vor allen in Entwicklungsländern sind Masern weiterhin ein großes Problem. In Deutschland ist die Zahl der Ausbrüche zwar deutlich zurückgegangen. Seit den 1960er Jahren gibt es eine günstige und effiziente Impfung gegen den Erreger. Doch kommt es wiederholt zu regionalen Epidemien. Ausgerottet sind die Masern trotz der Bemühungen der Gesundheitsbehörden noch immer nicht.

Krankheitsverlauf

Erste Anzeichen sind Erkältungssymptome, wie Schnupfen, Husten und Fieber. In einer zweiten Phase der Erkrankung bildet sich ein Ausschlag mit rötlich-braunen Flecken. Ansteckend sind die Masern bereits etwa fünf Tage bevor der Hautausschlag zu sehen ist. Die Inkubationszeit nach einer Infektion beträgt acht bis zehn Tage.

Für das Jahr 2011 schätzt die Weltgesundheitsorganisation, dass 158.000 Menschen auf dem Globus an den Folgen der Infektion starben. Die meisten Toten sind Kinder unter fünf Jahren. Die Todesursache kann etwa eine durch das Virus hervorgerufene Hirnhautentzündung sein. Außerdem schwächt der Erreger das Immunsystem, wodurch Infektionen mit anderen Viren oder Bakterien schwerer verlaufen können. Dank der Impfung sank die Zahl der Todesfälle seit 2000 um mehr als 70 Prozent. Zuvor starben im Schnitt jedes Jahr bis zu 548.000 Menschen an den Folgen einer Masern-Infektion.

Impfung und Nebenwirkungen

Seit 1984 hat sich die Weltgesundheitsorganisation WHO zum Ziel gesetzt, die Masern durch konsequente Impfungen auszurotten. Der Impfstoff ist ein Lebendvirusimpfstoff, hergestellt aus abgeschwächten Masernviren. Er ist kombiniert mit abgeschwächte Mumps- und Rötelnerregern und wird daher als MMR-Impfstoff bezeichnet.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut empfiehlt eine erste Impfung für Kinder im Alter zwischen elf und 14 Monaten. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres (empfohlen im Alter von 15– 23 Monaten) soll auch die zweite MMR-Impfung erfolgt sein.

Auch weil viele Deutsche die Nebenwirkungen von Impfungen fürchten, ist die Impfquote hierzulande im Vergleich zu anderen europäischen Ländern geringer. Erst ab einer Quote von 95 Prozent gelten die Masern als ausgerottet. Die Stiko empfiehlt daher auch allen Menschen, die nach 1970 geboren worden sind eine Immunisierung mit der MMR-Vakzine, sofern sie nicht geimpft sind oder es nicht wissen.

Nebenwirkungen der Impfung sind selten. Bei etwa 5 von 100 Geimpften rötet sich die Einstichstelle in den ersten drei Tagen nach der Impfung oder schwillt etwas an. Kurzfristig kann hin und wieder leichtes Fieber auftreten, Kopfschmerzen, Mattigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden. Allergische Reaktionen auf den Impfstoff sind möglich, ebenso länger andauernde Gelenkentzündungen. Beides ist sehr selten. Als sehr seltene Nebenwirkung wird auch eine mögliche Hirnentzündung nach der Impfung diskutiert; weltweit sind diese nach Impfung in wenigen Einzelfällen beobachtet worden. Ein Zusammenhang mit der Impfung konnte jedoch nicht belegt werden.

Um die Masern auszurotten, müssen mindestens 95 Prozent der Bevölkerung immunisiert sein. Selbst dann erwartet das Robert Koch-Institut noch 80 Infektionen pro Jahr. Dies wäre aber weniger als eine Erkrankung unter einer Million Menschen. Dies wurde in Deutschland nie erreicht.  

Nach einer aktuellen repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums halten 78 Prozent der Bundesbürger eine Masernerkrankung bei Erwachsenen für gefährlich. Offizielle Empfehlungen für die Masernimpfung sind demnach bei 52 Prozent unbekannt, allerdings haben weit mehr Menschen davon gehört als noch im Jahr zuvor.

Änderung des Infektionsschutzgesetzes

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte kürzlich eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes angekündigt, um die Ausbreitung der Masern zu bekämpfen. Künftig könnten nicht geimpfte Schüler bei einem Ausbruch der Erkrankung in ihrer Schule befristet vom Unterricht ausgeschlossen werden.

Bisher gibt es diese Möglichkeit nur für kranke Kinder. Außerdem werde erwogen, die Gesundheitsämter zu verpflichten, schon bei der Aufnahme eines Kindes in den Kindergarten den Impfstatus abzufragen. Derzeit geschieht das erst zu Schulbeginn. Eine Impfpflicht kann laut Bahr nur das letzte Mittel sein.

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Leserkommentare
    • S.W.
    • 11. September 2013 7:52 Uhr

    Auch vor einiger Zeit wurde meine nichtgeimpfte Tochter bereits vom Unterricht ausgeschlossen, weil es Masern in der Schule gab. Das ist - zumindest in Berlin - nichts Neues.

  1. 2. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jk

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    • su_sumo
    • 11. September 2013 8:25 Uhr

    Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/jk

    • su_sumo
    • 11. September 2013 8:25 Uhr
    3. [...]

    Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/jk

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
    • su_sumo
    • 11. September 2013 8:32 Uhr

    Ich höre schon wie die Impfgegner marschieren......gleich wird das gebluber von der bösen Schulmedizin wieder losgehen. Wenn es nicht um Kinder gehen würde könnte man sich ja noch amüsieren. Nein da helfen keine Zuckerkügelchen.

    15 Leserempfehlungen
    • uman
    • 11. September 2013 8:44 Uhr

    Dieses Ziel setzt den Impfzwang voraus. Darüber gibt es aber keine ergebnisoffene breit angelegte, die Bevölkerung einbeziehende Diskussion. Ich wehre mich dagegen, dass über das Robert Koch Institut und die Gesundheitsämter eine Kampagne lanciert wird, die nichts anderes als bevormundend ist. Es gibt einen informierten Teil der Bevölkerung, der nicht unbedingt in jedem Fall gegen das Impfen ist, aber ein individuelles Entscheidungsrecht zu Wohl eines jeden einzelnen Kindes behalten möchte.

    2 Leserempfehlungen
  2. Zu #3

    Ich finde ihn amüsant. Morbide, aber amüsant und der Situation anscheinend sehr angemessen, wenn sich Eltern, deren Kinder von einer Impfung nichts zu befürchten haben, sich dieser verweigern und ihre Kinder in Gefahr bringen.

    Eine Impfungspflicht gerade bei so gefährlichen Krankheiten scheint ja offenbar das einzige Mittel zu sein, "aufgeklärte" Eltern dazu zu bringen, ihre Kinder zu schützen. Natürlich nur, solange nicht von einem Arzt bestätigt wurde, dass die Impfung für das Kind schädlich sein kann. Diese Fälle gibt es ja in der Tat und das muss auch berücksichtigt werden. Aber Eltern, für deren Kinder das nicht zutrifft und die sich einer Impfung verweigern, sollten alle entstehenden Folgekosten von aus der Verweigerung entstehenden Krankheiten selber tragen.

    10 Leserempfehlungen
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    • uman
    • 12. September 2013 9:55 Uhr

    Muss der Arzt beweisen, dass das Kind eine Impfung braucht und zwar in dem individuellen Fall oder müssen die Eltern begründen, dass das Schädigungsrisiko bei einer Impfung zu groß ist. Das wäre sicher ein weites Feld für die Betätigung von Juristen. Erst dann könnte über mögliche Sanktionen und Zwangsmaßnahmen diskutiert werden. Vorher sind das nur populistische Argumente, bei denen auch noch die Zustimmung organisiert wurde - nichts unübliches in Internetforen.

    Fest steht, dass es den Impfzwang heute schon gibt. In vielen Situationen müssen heute schon junge Eltern sehr gut aufgestellt sein, wenn sie dem vielseitigen Druck von Ärzten und pädagogischen Einrichtungen standhalten wollen.

    • Fabiana
    • 11. September 2013 8:58 Uhr

    Selbst war ich nicht geimpft, weil meine Eltern überzeugt waren, man wüchse an überstandenen („Kinder“)-Krankheiten. Die Masern habe ich dann wüst mit 15 bekommen – zum Glück ohne größere Komplikationen. Meine Selbsterfahrung ließ mich im Rückblick keinerlei besonderes Persönlichkeitswachstum erkennen (die Lektüre eines guten Buches, das Besuchen einer guten Ausstellung oder das Hören eines guten Konzerts bringen da ungleich mehr), daher sind meine Kinder geimpft. Staatlicher Zwang ist immer unangenehm und gefährlich, aber Epidemien eben auch. Daher halte ich die Quarantäne von nicht geimpften Kindern für einen annehmbaren Kompromiss.

    12 Leserempfehlungen
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    Die Freiheit des einzelnen hoert da auf, wo andere durch dessen Handeln gefaehrdet werden.
    Ich glaube ihnen, dass Ihre erkrankung mit 15 Jahren unangenehm war. Aber stellen sie sich vor, sie haetten sich stattdessen schon mit 8 Monaten angesteckt, dann haetten sie diesen Kommentar mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht schreiben koennen.
    Wer garantiert, dass die Eltern des Kindes, das wegen der fehlenden Impfung nicht zur Schule darf, dann nicht auf den Spielplatz lassen, oder zum Einkaufen mitnehmen, etc.? Infektionen von Babies (geimpft wird fruehestens ab 9 Monaten) enden meist mit einem spaeteren toedlichen Verlauf oder schlimmen Behinderungen.

    • Erniee
    • 11. September 2013 9:26 Uhr

    Solche Meldungen zu irgendwelchen angeblichen Epidemien werden fast regelmäßig verbreitet. Mal ist es die Grippe, dann Influenza, Vogel- und Schweinegrippe oder wie jetzt die Masern. Weitere Kommentare, warum das so ist erspare ich mir an dieser Stelle.

    Bei dem veröffentlichen Bericht fehlen die Zahlen, wie viele von den ganzen Masernfällen geimpft bzw. nicht geimpft sind. Dabei würde auch jeder Leser sehen können, dass auch bei Geimpften die Masern ausbrechen können. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Selbst die Kinderärzte wissen das. Von sich aus gibt das jedoch keiner gerne zu.

    4 Leserempfehlungen
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    - man muss nur mal danach suchen.... aber das tun Impfgegner nicht gerne.

    z.B. hier:
    Bundesgesundheitsbl 2013 · 56:1231–1237
    http://dx.doi.org/10.1007...
    Online publiziert: 29. August 2013

    "Unter rund 2200 Fällen im Al-
    ter von 1 bis 4 Jahren, die aufgrund von
    nationalen Impfprogrammen hätten ge-
    impft sein müssen, waren 75% ungeimpft
    [32]."

    Sogar mit Literaturangabe woher diese Zahlen stammen. (Der direkte Link in der online-Version funktioniert leider nicht, aber wenn man nach dem ECDC Surveillance Report sucht, findet man den relativ leicht. Hier gibt es dann auch Angaben, wie viele erst eine Impfung hatte, wie viele zwei, bei wie vielen der Impfstatus unbekannt war usw.

    Und dann betreibt man mal etwas Mathematik:

    2200 Fälle, davon 75% ungeimpft --> 1650 ungeimpfte gegen 550 geimpfte.
    Bei einer durchschnittlichen Impfrate bei Kleinkindern von ca. 90% gibt es 9 mal mehr geimpfte Kinder als ungeimpfte, trotzdem gibt es drei mal soviele erkrankte ungeimpfte Kinder als erkrankte geimpfte Kinder.
    Also sinkt das Risiko einer Erkrankung durch das Impfen auf 1/27 = ~4%

    Als Vergleich diese Literaturstelle:
    http://www.euro.who.int/_...
    Dort kommt die WHO auf eine Reduktion der Krankeitsfälle von 96,5% - was ja nun nicht allzu weit weg liegt von obiger Rechnung...

    Aber wie gesagt: Impfgegner sehen diese Zahlen nicht besonders gerne...

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