Was genau sind Masern?

Viele, die an Masern denken, stellen sich Kinder mit scheckig rotem Hautausschlag und ein bisschen Fieber vor. Allerdings sind die Masern keine reine Kinderkrankheit und auch nicht so harmlos, wie viele glauben. Sie werden durch Viren hervorgerufen und sind hochansteckend, auch für Erwachsene. Zwar überstehen die meisten eine Infektion unbeschadet, doch in einigen Fällen kommt es zu Komplikationen wie einer Lungen- oder Mittelohrentzündung oder schwerem Husten bis hin zur Bronchitis. Für einen von 1.000 bis 2.000 Patienten wird die Maserninfektion lebensgefährlich. Dann nämlich, wenn das Virus das Gehirn befällt. So eine Hirnhautentzündung kann auch Jahre nach der eigentlichen Maserninfektion noch auftreten.

Wie steckt man sich an?

Masernviren übertragen sich per Tröpfcheninfektion, wenn wir miteinander sprechen, jemand hustet oder die Erreger etwa über Händeschütteln weiter verbreitet werden. Besonders tückisch: Schon rund fünf Tage bevor Infizierte, wenn überhaupt, den typischen Hautausschlag bekommen, können sie andere unbemerkt anstecken. Dazu reicht es, sich im selben Raum aufzuhalten. Auch vier Tage nach den letzten spürbaren Beschwerden sind Kinder und Erwachsene noch für andere ansteckend.

Wo gehen die Viren in Deutschland derzeit am stärksten um?

Das Robert Koch-Institut hat in diesem Jahr bis in den September hinein bereits knapp 1.550 Masernfälle gezählt, die meisten davon in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Die Zahl ist damit um ein Vielfaches höher als im Jahr 2012. Damals gab es 165 registrierte Infektionen, im Jahr davor 1.608. Die jährlichen Schwankungen sind nicht ungewöhnlich und rühren auch daher, dass sich Masern, wenn sie einmal ausgebrochen sind, rasend schnell ausbreiten können. Zu Masernausbrüchen in Deutschland kommt es dort, wo besonders viele nicht ausreichend geimpfte Kinder und Erwachsene zusammentreffen, in Kitas, Schulen oder am Arbeitsplatz. Damit sich die Masern nicht ausbreiten können, müssten 95 Prozent der Bevölkerung über einen sicheren Impfschutz verfügen. Besonders häufig breitet sich die Infektion in Gegenden aus, wo Eltern die Masernimpfung für gefährlicher halten als die Erkrankung selbst.

Was hilft gegen die Masern?

Da Masern eine Virusinfektion sind, wirken Antibiotika nicht. Wer einmal erkrankt ist, kann nur noch die Symptome lindern – das Fieber senken zum Beispiel. Weil es auch gegen die möglichen schweren Komplikationen, die zu bleibenden Hirnschäden und im schlimmsten Fall zum Tod führen können, keine Therapie gibt, empfehlen Ärzte dringend eine Impfung. Immungeschwächte Menschen sind besonders gefährdet, durch eine Maserninfektion schwer krank zu werden.

Wann sollten Kinder geimpft werden?

Die Ständige Impfkommission und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen zwei Impfungen, die Kinder bis zum zweiten Lebensjahr erhalten haben sollten. In der Regel wird dabei ein Kombinationsserum gegen Masern, Mumps und Röteln gegeben, kurz MMR. Die einfache erste Spritze, die Kinder mit elf bis 14 Monaten bekommen, reicht bei vielen nicht aus, um wirklich vor einer Ansteckung zu schützen. Im Juli bemängelten Wissenschaftler vom Versorgungsatlas, dass viele Kinder in Deutschland zu spät geimpft würden oder die notwendige zweite Spritze überhaupt nicht erhalten. Der Versorgungsatlas basiert auf Daten der Krankenkassenabrechnungen von gesetzlich versicherten Patienten.