InfektionskrankheitenWie gefährlich sind die Masern?

Die Zahl der Maserninfektionen in Deutschland ist deutlich gestiegen. Wie riskant ist die Erkrankung und wer sollte sich jetzt impfen lassen? Die Fakten im Überblick von 

Impfung Masern Measles Infektion

In Mann wird in Mexico City gegen Masern geimpft.  |  © Tomas Bravo/Reuters

Was genau sind Masern?

Viele, die an Masern denken, stellen sich Kinder mit scheckig rotem Hautausschlag und ein bisschen Fieber vor. Allerdings sind die Masern keine reine Kinderkrankheit und auch nicht so harmlos, wie viele glauben. Sie werden durch Viren hervorgerufen und sind hochansteckend, auch für Erwachsene. Zwar überstehen die meisten eine Infektion unbeschadet, doch in einigen Fällen kommt es zu Komplikationen wie einer Lungen- oder Mittelohrentzündung oder schwerem Husten bis hin zur Bronchitis. Für einen von 1.000 bis 2.000 Patienten wird die Maserninfektion lebensgefährlich. Dann nämlich, wenn das Virus das Gehirn befällt. So eine Hirnhautentzündung kann auch Jahre nach der eigentlichen Maserninfektion noch auftreten.

Wie steckt man sich an?

Masernviren übertragen sich per Tröpfcheninfektion, wenn wir miteinander sprechen, jemand hustet oder die Erreger etwa über Händeschütteln weiter verbreitet werden. Besonders tückisch: Schon rund fünf Tage bevor Infizierte, wenn überhaupt, den typischen Hautausschlag bekommen, können sie andere unbemerkt anstecken. Dazu reicht es, sich im selben Raum aufzuhalten. Auch vier Tage nach den letzten spürbaren Beschwerden sind Kinder und Erwachsene noch für andere ansteckend.

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Wo gehen die Viren in Deutschland derzeit am stärksten um?

Das Robert Koch-Institut hat in diesem Jahr bis in den September hinein bereits knapp 1.550 Masernfälle gezählt, die meisten davon in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Die Zahl ist damit um ein Vielfaches höher als im Jahr 2012. Damals gab es 165 registrierte Infektionen, im Jahr davor 1.608. Die jährlichen Schwankungen sind nicht ungewöhnlich und rühren auch daher, dass sich Masern, wenn sie einmal ausgebrochen sind, rasend schnell ausbreiten können. Zu Masernausbrüchen in Deutschland kommt es dort, wo besonders viele nicht ausreichend geimpfte Kinder und Erwachsene zusammentreffen, in Kitas, Schulen oder am Arbeitsplatz. Damit sich die Masern nicht ausbreiten können, müssten 95 Prozent der Bevölkerung über einen sicheren Impfschutz verfügen. Besonders häufig breitet sich die Infektion in Gegenden aus, wo Eltern die Masernimpfung für gefährlicher halten als die Erkrankung selbst.

Was hilft gegen die Masern?

Da Masern eine Virusinfektion sind, wirken Antibiotika nicht. Wer einmal erkrankt ist, kann nur noch die Symptome lindern – das Fieber senken zum Beispiel. Weil es auch gegen die möglichen schweren Komplikationen, die zu bleibenden Hirnschäden und im schlimmsten Fall zum Tod führen können, keine Therapie gibt, empfehlen Ärzte dringend eine Impfung. Immungeschwächte Menschen sind besonders gefährdet, durch eine Maserninfektion schwer krank zu werden.

Wann sollten Kinder geimpft werden?

Die Ständige Impfkommission und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen zwei Impfungen, die Kinder bis zum zweiten Lebensjahr erhalten haben sollten. In der Regel wird dabei ein Kombinationsserum gegen Masern, Mumps und Röteln gegeben, kurz MMR. Die einfache erste Spritze, die Kinder mit elf bis 14 Monaten bekommen, reicht bei vielen nicht aus, um wirklich vor einer Ansteckung zu schützen. Im Juli bemängelten Wissenschaftler vom Versorgungsatlas, dass viele Kinder in Deutschland zu spät geimpft würden oder die notwendige zweite Spritze überhaupt nicht erhalten. Der Versorgungsatlas basiert auf Daten der Krankenkassenabrechnungen von gesetzlich versicherten Patienten.

Leserkommentare
    • TAR86
    • 11. September 2013 19:01 Uhr

    Obgleich beileibe kein Impfgegner, sondern eher Impfgegnergegner, muss ich den Umgang mit Zahlen kritisieren: wenn die schockierend hohe Zahl für die Hirnhautentzündung bei Ansteckung exakt genannt wird, erscheint es für eine Risikoeinschätzung notwendig, die entsprechende genaue Zahl bei dem Impfkomplikationen nicht zu verschweigen. Auch dann, wenn kein statistisch gesicherter Zusammenhang mit der Impfung besteht.

    3 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Lieber Leser,

    entsprechend valide Zahlen zu schweren Impfkomplikationen – und nur die sind an dieser Stelle im Vergleich zum Risiko der Hirnhautentzündungen infolge einer Maserninfektion interessant – gibt es leider nicht. Einige Experten geben das Risiko einer Enzephalitis nach MMR-Impfung zwar mit 1:1.000.000 an, aber es ist nicht einmal geklärt, ob ein Zusammenhang besteht, zwischen diesen Erkrankungen und der Impfung.

    Aber natürlich gibt es anerkannte Fälle von schweren Komplikationen nach Impfungen. Diese sind aber erwiesener Maßen erheblich viel seltener als schwere Verläufe einer Masernerkrankung. Ärzte argumentieren daher auch immer wieder mit dem sozialen Aspekt: Es ist wichtig, dass 95 Prozent der Bevölkerung einen Impfschutz haben, damit sich die schwer ansteckenden Masern nicht ausbreiten und viele Menschen gefährden. Dabei geht es nicht um den einzelnen, sondern um die Gemeinschaft.

    Ein guter Überblick findet sich auch hier:
    http://www.gesunde-kinder.at/impfwissen/wissenswertes/1_2_1.php?navid=8

    • Machia
    • 11. September 2013 20:20 Uhr

    bei unserem polyamoren Treffen von etwa 20 Personen, stellte sich die Frage, wer gegen Masern geimpft war. Diese war vor allem der Tatsache geschuldet, dass diese Krankheit sehr stark in der Schwulenszene in Berlin grassiert.
    Ich kann es einfach nicht fassen, dass wir nun wegen ein paar obervorsichtigen Eltern wieder Verhüten müssen!

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    Redaktion

    Lieber Leser,

    meinen Sie die Fälle von Meningokokken-Infektionen in Berlin? Dazu kann ich diesen Artikel empfehlen:

    http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2013-07/meningokokken-homosexualita...

    • jagu
    • 11. September 2013 20:23 Uhr

    Entsprechend der Zahlen erkranken bei den derzeitigen Zahlen 1-2 Personen schwerer - und wieviel erkranken durch/bei zigtausendfacher Impfung?

    Ich habe Masern wie alle meiner Freunde als Kind gehabt, es war eine Kinderkrankheit wie Mums, Röteln, Windpocken etc., unser Arzt war alles andere als beunruhigt.

    Verstehe auch nicht ganz, wieso eine Impfung zum Zeitpunkt der Infektion noch ungefährlich sein kann oder sogar noch helfen soll. Die Inkubationszeit und die Zeit bis Antikörper gebildet werden überschneidet sich dann mit der Infektion - die dann der Impfung stet einige Tage voraus ist?

    Warum fällt mir bei "Heinrich-Löffler-Institut" immer die Vogelgrippe, die infizierten Vögel rund um das Institut und das anschließende Millionengeschäft mit Tamiflu ein?

    3 Leserempfehlungen
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    .... 1-2 Personen erkranken richtig schwer. Dabei müssen sie bedenken,das wenn kein Mensch mehr Geimpft ist, die Opfer Zahlen dramatisch steigen.
    Ein Beispiel wäre z.B. Pakistan. Dort starben alleine dieses Jahr 100 Kinder an Masern.
    http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/ar...

    An einer Masern Impfung ist noch kein Mensch gestorben. So einfach ist das. Niemand bestreitet das es bei einer Impfung zu Nebenwirkungen kommen kann, diese sind aber wesentlich harmloser als tote Kinder. (von den vielen anderen schwerwiegenden folgen eines schlechten Verlaufs bei Masern ganz zu schweigen)

    Warum Menschen immer wieder in das Schema "Ich habe die Erfahrung gemacht das..." verfallen, verstehe ich nicht. Wiso glauben sie das sie und ihre Bekannten Repräsentativ sind? Und wo sehen sie hier den Wiederspruch? Schließlich verlaufen die Masern zumeist relativ harmlos.

    Eine Impfung ist schlicht das geringere Übel und wenn sich alle Menschen daran beteiligen würden, wäre die Krankheit bald ausgerottet und die Frage würde sich überhaupt nicht mehr stellen.

    Ein wirtschaftiches Argument:
    Was die böse Pharam Lobby angeht, die hier ja sehr viel Geld verdienen soll...
    Diese verdient mit Impfungen im Bereich Masern fast nichts, eine Behandlung erkrankter Kinder wäre für diese Firmen wesentlich lohnender.

    MfG

    • docaffi
    • 12. September 2013 9:28 Uhr

    wieviele Menschen in Deutschland Autofahren und dazu die Anzahl der Unfalltoten in Relation setzt, dann fragt man sich auch, ob die Gurtpflicht wirklich sein muss und warum soviel Geld für Airbags ausgegeben wird.
    Ihre Argumentation, dass Masern nicht gefährlich sei und deswegen nicht impfen ist nicht logisch. Es geht um Herdimmunität. Es geht darum, dass es nicht zu Epidemien kommt, jemehr Menschen geimpft sind. Also Ihr nicht geimpftes Kind profitiert sozusagen von meinem geimpften Kind. Wenn eine Epidemie ausbrechen würde, würde die Sterblichkeit durch Masern mit Sicherheit steigen.

    • tobmat
    • 12. September 2013 13:44 Uhr

    "Verstehe auch nicht ganz, wieso eine Impfung zum Zeitpunkt der Infektion noch ungefährlich sein kann oder sogar noch helfen soll. "

    Wenn sie den Artickel gründlich lesen würden, wäre ihnen aufgefallen das von eiere passiven Impfung die Rede ist. Dabei werden, wie im Artickel erklärt, Antikörper gesprizt. Diese bekämpfen die Infektion direkt. Der Nachteil ist, das dies nicht zu einer Immunreaktion führt und daher auch der Memorieeffekt wegfällt, und man passive Impfungen nur ein paar mal machen lassen kann, bis sich Abwehrreaktionen zeigen. Sie sind aber ideal wenn man sich gerade infiziert hat.

    • blockp
    • 11. September 2013 20:30 Uhr

    "... wo Eltern die Masernimpfung für gefährlicher halten als die Impfung selbst."

    wohl eher "als die Krankheit selbst."

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    Redaktion

    Danke - genau das war gemeint. Die Stelle wurde geändert.

    Schönen Abend.

  1. Redaktion

    Danke - genau das war gemeint. Die Stelle wurde geändert.

    Schönen Abend.

    Antwort auf "Korrektur"
  2. Redaktion

    Lieber Leser,

    meinen Sie die Fälle von Meningokokken-Infektionen in Berlin? Dazu kann ich diesen Artikel empfehlen:

    http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2013-07/meningokokken-homosexualita...

    Antwort auf "Letzte Woche "
    • unico
    • 11. September 2013 20:44 Uhr
    7. SSPE.

    immer tödlich. aktuelle Studien gehen von 1:10.000 Masern-Infektionen aus.
    https://de.wikipedia.org/wiki/SSPE#Subakute_sklerosierende_Panenzephalitis

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    • jagu
    • 11. September 2013 21:16 Uhr

    SSPE kann jedoch auf bei geimpften Kindern auftreten, die keinen bekannten Wild-Masernkontakt hatten...

    http://www.impfschaden.info/masern/sspe.html

    Ich glaub das Thema ist nicht ganz so einfach, wie es uns gerne verkauft wird.

    • jagu
    • 11. September 2013 21:16 Uhr

    SSPE kann jedoch auf bei geimpften Kindern auftreten, die keinen bekannten Wild-Masernkontakt hatten...

    http://www.impfschaden.info/masern/sspe.html

    Ich glaub das Thema ist nicht ganz so einfach, wie es uns gerne verkauft wird.

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    Antwort auf "SSPE."

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