Das neue Jahr wird großartig. Nein, "fantastisch" sei das passende Wort, sagt Tripp Keber. Am 1. Januar 2014 wird für den Geschäftsmann aus Amerika wahr, wovon er schon seit Beginn seiner Karriere träumt: In den US-Bundesstaaten Washington und Colorado darf Marihuana ganz legal an Erwachsene verkauft werden. Und Keber leitet Dixie Elixirs & Edibles, das als erstes Unternehmen eine Lizenz für den kommerziellen Vertrieb der Droge erworben hat.

In den meisten Staaten waren Anbau und Konsum von Marihuana bislang verboten. In 20 Staaten, darunter etwa Kalifornien, Hawaii und Arizona, gelten zwar Ausnahmen für "medizinische Zwecke", zum Beispiel als Schmerzmedikament oder Beruhigungsmittel. Colorado und Washington aber sind die ersten Staaten, die Cannabis für den alltäglichen Genuss legalisieren. Dank der Lockerung dürfen Firmen die Hanfgewächse demnächst im großen Stil anbauen und wie Alkohol oder Schokolade zu allen möglichen Produkten verarbeiten – laut Keber "eine Revolution für den Cannabismarkt".

In seiner Produktionsstätte in Denver müssen sich Freunde des Cannabis fühlen wie Charlie in der Schokoladenfabrik. In seiner Heimat wird Keber auch "Willy Wonka of Weed" genannt, nach der Figur aus dem Kinderbuchklassiker: "Cannabis-infused Vanilla Mints", Marihuana-Limonade und mit Hanf versetzte Badesalze stellt Kerber in der Dixie-Fabrik schon jetzt in Mengen her. Ab Januar wird man solche Produkte in Colorado wie Bier oder Wein im Laden kaufen können.

Ausgerechnet Cannabis, das der Hippiebewegung einst als Symbol der Rebellion gegen den Kapitalismus diente, scheint sich gerade als kommerzieller Kassenschlager zu entpuppen. "Cannabisfirmen wie wir werden in ein paar Jahren mit Bierbrauereien konkurrieren", sagt Keber. "Über kurz oder lang werden wir ihnen wahrscheinlich sogar die Kundschaft streitig machen."

Die Händler hoffen auf den "Green Rush"

Von Kerbers Cannabis-Allerlei, über Hanfautomaten bis hin zu Gras-Bewertungsportalen im Netz – die Vielfalt der Geschäftsmodelle ist groß. Gemeinsam ist all den Unternehmen die Hoffnung, dass der neue Hanfmarkt ab dem kommenden Jahr boomen wird. Die Geschäftsleute erwarten eine Art "Green Rush", der sie binnen Monaten reich machen wird. Illusorisch ist das nicht. Laut dem National Survey on Drug Use and Health (NSDUH) ist Marihuana in den USA die beliebteste illegale Droge. Im Jahr 2013 konsumierten mehr als sieben Prozent der über Zwölfjährigen regelmäßig Cannabis.

Auf dem Weg zum großen Geld müssen legale Cannabis-Händler allerdings deutlich größere Hürden nehmen als ihre Konkurrenten auf dem illegalen Markt – vor allem wenn sie die Pflanzen selbst anbauen. Denn der professionelle Hanfanbau ist eine Wissenschaft für sich. Um Cannabis im großen Stil, ertragreich und profitabel anzupflanzen, müssen die Hanfbauern die Bedürfnisse ihrer Pflanzen gut kennen. Damit sie gedeihen, sind vor allem die richtige Beleuchtung, Temperatur und Bodenbeschaffenheit entscheidend. In Colorado oder Washington gibt es zusätzlich Auflagen, nach denen Betreiber ihre Plantagen komplett videoüberwachen und regelmäßig kontrollieren lassen müssen.

Ein Großteil des auf dem Schwarzmarkt gehandelten Cannabis stammt aus Afghanistan, Marokko, Lateinamerika und Jamaika. Zum einen lässt es sich in diesen Regionen einfach im Freien auf dem Feld anbauen. Zum anderen bringen heiße und sonnige Klimaverhältnisse besonders harzreiche Pflanzen hervor, die große Mengen psychotroper Substanzen enthalten, die Cannabinoide. Sie sorgen für den Rausch. In dunkleren und kälteren Regionen – wie etwa den Niederlanden, Österreich und einigen US-Staaten – hat sich die Zucht aber größtenteils in Gewächshäuser verlagert, weil das natürliche Sonnenlicht nicht ausreicht, um die Pflanzen schnell und kräftig wachsen zu lassen.

Jungpflanzen brauchen pro Tag etwa 16 bis 20 Stunden Licht, um ihre innere Uhr auf "Sommer", also "Wachstum" einzustellen. Nach einigen Wochen verkürzen die Züchter die Beleuchtungszeit auf höchstens 12 Stunden pro Tag, um die Pflanzen zur Samenproduktion und Blüte zu bewegen. Auch die Lichtqualität ist bedeutsam, deshalb sind Gewächshäuser häufig mit verschiedenen Lampenarten ausgestattet: In der Wachstumsphase brauchen die Pflanzen Licht mit einem hohen Blauanteil, in der Blütephase rotes Licht. Wärmelampen sorgen außerdem für eine optimale Temperatur zwischen 20 und 28 Grad.