Von allen Sorgen befreit, entspannt oder rasend vor Glück – so unterschiedlich die Wirkungen von Alkohol, Cannabis und härteren Drogen wie Kokain oder Heroin sein mögen, ihr Reiz besteht oft im Unbekannten. "Ein halbes Gramm genügt für einen freien Nachmittag, ein Gramm fürs Wochenende, zwei Gramm für einen Ausflug in die Pracht des Orients, drei Gramm für eine dunkle Ewigkeit auf dem Mond." So beschrieb Aldous Huxley die fiktive Droge Soma in seinem Roman Schöne neue Welt. Der Rausch als "Trip", als Reise in eine Traumwelt.

Doch anders als Huxleys fiktive Wunderdroge, die keine Nebenwirkungen hat, endet ein echter Drogenrausch oft schlecht: Auf das Hochgefühl durch Kokain folgen Nervosität und Wahnvorstellungen. Die selige Zufriedenheit eines Heroinrausches wandelt sich schnell in eine Gier nach immer höheren Dosen. Die Trenddroge Crystal Meth verursacht Depressionen, Hirnschäden und zerstört die Blutbahnen. Selbst wer kifft, läuft Gefahr, Psychosen, Paranoia und Gedächtnisverlust zu erleiden.

Drogen schaden dem Körper und verändern den Charakter. Die meisten wissen das. Und trotzdem nehmen weltweit rund 27 Millionen Menschen regelmäßig illegale psychotrope Stoffe zu sich. Etwa zehnmal so viele tun das zumindest hin und wieder.

Das Verlangen nach Drogen ist nicht rational. Vernunftbetonte Gesetze, Verbote und Antidrogenkampagnen zeigen daher oft nicht die erwünschte Wirkung. "Der erhobene Zeigefinger hat kaum Einfluss auf die Konsumenten", sagt der britische Drogenexperte Adam Winstock vom King’s College London. "Moralpredigten lösen ihre Probleme nicht." Den Versuch, Menschen zu bekehren und komplett vom Drogenkonsum zu abzubringen, hält der Psychiater für zwecklos. "Stattdessen sollte man ihnen konkrete Informationen an die Hand geben, die ihnen helfen, ihren Konsum so sicher wie möglich zu gestalten und ihr Wohlbefinden so gut es geht zu schützen."

Genau das möchte Winstock mit dem Global Drug Survey erreichen. Die weltweite Befragung soll ein genaueres Bild von den Konsumenten, ihren Vorlieben und Ängsten sowie ihren positiven und negativen Erfahrungen mit verschiedenen Drogen zeichnen.*

Die Ergebnisse sollen einerseits zeigen, welche Konsummuster sich unter den Befragten bewährt oder ihnen besonders geschadet haben. Das Survey 2012 ergab etwa, dass Cannabis in synthetischer Form deutlich stärkere unerwünschte Wirkungen wie Paranoia hervorruft als natürliches.

Andererseits wollen die Forscher mit der Umfrage herausfinden, wie sich Gesetze und Verbote auf den Konsum auswirken. Im Jahr 2011 wurden die britischen Teilnehmer zum Beispiel gefragt, ob sie das Verbot der Partydroge Mephedron im Frühjahr 2010 davon abgehalten habe, diese zu nehmen. 33 Prozent antworteten mit "nein", zehn Prozent gaben sogar an, ihren Konsum seit dem Verbot gesteigert zu haben. Die Befragung ergab auch, dass sich die Reinheit der Droge nach dem Verbot verschlechtert hatte und der Preis durchschnittlich um die Hälfte gestiegen war. "Diese Informationen sind vor allem für politische Entscheidungsträger wichtig", sagt Winstock. "Sie helfen ihnen, die Konsequenzen solcher Verbote besser einzuschätzen."

Dass etwas getan werden muss, steht fest. In Europa nimmt die Zahl der Heroin-, Kokain- und Cannabissüchtigen zwar in einigen Ländern laut neuster Erhebungen ab. Doch der Konsum sei noch immer "auf einem historisch hohen Stand", erklärte die EU-Kommissarin Cecilia Malmström bei der Vorstellung des Europäischen Drogenberichts in Lissabon im Mai.