Die Menschen in den 33 am höchsten entwickelten Ländern der Welt nehmen immer mehr Tabletten gegen chronische Erkrankungen. Das zeigt der aktuelle OECD-Bericht Health at Glance ("Gesundheit auf einen Blick"), der am Donnerstag in London veröffentlicht wurde. Vor allem der Konsum von Antidepressiva ist demnach zwischen 2010 und 2011 stark gestiegen.

Im Schnitt stieg die Zahl der Tagesdosen von 35 auf 56 pro 1.000 Einwohner in den OECD-Ländern. Eine Dosis entspricht der Menge, die ein Mensch laut Verpackungsangabe pro Tag von einem Medikament nehmen soll. Da sich diese Angaben von Mittel zu Mittel unterscheiden, haben sich die Autoren auf diese Maßeinheit geeinigt.

Auch in Deutschland greifen deutlich mehr Menschen zu den umstrittenen Pillen. Seit dem Jahr 2000 habe sich der Antidepressiva-Konsum hierzulande verdoppelt, heißt es in dem Report. Er liegt mit 50 Tageseinheiten jedoch noch immer unter dem Durchschnitt.  

Dass Ärzte immer häufiger Antidepressiva verschreiben, führt die OECD unter anderem auf die Auswirkungen der Finanzkrise zurück. Es habe zwar schon vor der Krise 2008 einen Anstieg gegeben. "Aber der Konsum ist seitdem weiter schnell angewachsen", heißt es. Zudem würden Antidepressiva häufiger bereits für mildere Formen von Erkrankungen, etwa Angstzuständen oder Sozialphobien, verordnet.

Ähnlich verhält es sich mit Medikamenten gegen erhöhten Blutzucker. Hier liegt Deutschland mit 83 Tagesdosen pro 1.000 Einwohner an zweiter Stelle hinter Finnland und deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 60 Dosen. Den hohen Anstieg erklären die Autoren mit dem zunehmenden Übergewicht der Bevölkerung. Allerdings ist die in Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Ländern nicht auffällig gestiegen.

Der OECD-Gesundheitsbericht zeigt generell die Trends und Einflüsse im Bereich des Gesundheitszustands, der Gesundheitsleistungen und der Gesundheitspolitiken. Ein weiteres Ergebnis: In allen Ländern ist die Lebenserwartung in den vergangenen 40 Jahren gestiegen. Sie liegt jetzt fast flächendeckend bei mehr als 80 Jahren. Wer 65 Jahre alt geworden ist, kann im OECD-Durchschnitt als Frau sogar durchschnittlich noch auf weitere 20,9 Lebensjahre hoffen, als Mann auf 17,6 Jahre. In Deutschland liegen die Erwartungen dann noch bei 21,2 und 18,2 Jahren.