Greenpeace warnt vor mit Chemikalien belasteter Kinderkleidung. Die Umweltorganisation hat prüfen lassen, inwieweit sich fünf besonders bedenkliche Stoffe in Schuhen, Shirts und Badeanzügen verschiedener Hersteller nachweisen lassen. Im Fokus: Weichmacher, Hormone und als krebserregend geltende Stoffe. Die Ergebnisse wurden nun in der Studie Kleine Monster im Kleiderschrank vorgestellt.

Insgesamt hat Greenpeace zwölf verschiedene Marken untersuchen lassen. Laut der Studie stecken nicht nur in Billigkleidung Phthalate, PFC, zinnorganische Verbindungen, Antimon und Nonylphenolethoxylate (NPE). Auch in Produkten höherwertiger Modemarken finden sich zum Teil besorgniserregende Mengen solcher Chemikalien. Doch wie gefährlich ist die Kindermode nun tatsächlich?

Insgesamt wurden 82 Kleidungsstücke im Labor untersucht. Die Produkte stammten sowohl von preiswerten Marken wie Primark, teureren Marken wie Adidas als auch vermeintlichen Edelmarken wie Burberry. In allen Kleidungsstücken ließen sich Chemikalien finden, die im Verdacht stehen, negative Folgen für die Gesundheit zu haben. Allerdings sind die in der Kleidung nachgewiesenen Werte höchst unterschiedlich. Mal fanden sich durchaus problematische Mengen, mal waren es eher vernachlässigbare Konzentrationen, die keine direkte Gefahr bedeuten.

Ein Überblick, welche Chemikalienkonzentrationen tatsächlich gefährlich sein können:

Phthalate

Phthalaten in der Kleidung können tatsächlich ein Risiko darstellen. Die Chemikalien werden in der Industrie vorwiegend als sogenannte Weichmacher für Kunststoffe wie PVC, Nitrocellulose oder synthetisches Gummi verwendet. Die Umweltorganisation Greenpeace hat diese Stoffe auch in Aufdrucken von Kinderkleidung gefunden. Zahlreiche Phthalate hat die EU bereits als schädigend für die Fortpflanzung eingestuft, wobei sich dieser Effekt nur in Tierversuchen zeigte. Einigen dieser Stoffe wird zudem nachgesagt, dass sie Schilddrüse und Leber schädigen können. Für deutsche Verbraucher dürfte daher wichtig sein, dass Greenpeace in einem hierzulande vertriebenen Primark-T-Shirt für Kinder elf Gramm des Phthalats DEHP pro Kilogramm gefunden hat. Dabei ist in Spielzeug, das Kinder wohl ähnlich häufig in den Mund nehmen, weniger als ein Zehntel des gemessenen Wertes laut einer EU-Richtlinie erlaubt.

PFC

Als krebserregend gelten perfluorierte Chemikalien (PFC). Sie wirken sich zudem negativ auf die Spermienproduktion des Mannes aus. Darum ist seit 2006 EU-weit geregelt, dass in Textilien beispielsweise nur ein Mikrogramm Perfluoroctansulfonat pro Quadratmeter Stofffläche enthalten sein darf. Allerdings gilt diese Regelung bislang nicht für die verwandte Perfluoroctansäure, die ebenfalls zu den PFC zählt. Die amerikanische Umweltschutzbehörde Epa stuft jedoch beide Stoffe als ähnlich gefährlich ein. Forscher fordern daher, künftig die EU-Richtlinie auch auf die Perfluoroctansäure auszuweiten und den Grenzwert entsprechend anzupassen. Vor diesem Hintergrund ist beunruhigend, was Greenpeace in Adidas-Schwimmsachen fand: Die Konzentration der Perfluoroctansäure lag bei 15,3 Mikrogramm pro Quadratmeter. Das ist das 15-Fache des für Perfluoroctansulfonat erlaubten Grenzwerts. Allerdings lässt sich von der Höhe festgelegter Grenzwerte nicht auf eine direkte Gesundheitsgefährdung schließen. Die zugelassenen Höchstkonzentrationen sind von Staat zu Staat unterschiedlich und dienen dazu, die Belastung mit solchen Stoffen generell möglichst gering zu halten.

Zinnorganische Verbindungen

Zinnorganische Verbindungen können laut des Bundesinstituts für Risikobewertung das Immun- und Hormonsystem des Menschen gefährden. In sechs Kinderprodukten hat Greenpeace die Chemikalie nachgewiesen. Die gemessenen Werte überstiegen zwar keinen EU-Grenzwert, dafür aber teilweise Grenzen, die sich die Hersteller selbst auferlegt hatten. So fand Greenpeace beispielsweise in Puma-Schuhen bis zu 369 Milligramm Dioctyltin pro Kilogramm. Laut den eigenen Richtlinien sollte jedoch lediglich ein Milligramm dieser Verbindung pro Kilogramm enthalten sein. Wie auch bei anderen Chemikalien gilt auch hier: Erst eine Belastung in höheren Konzentrationen über einen längeren Zeitraum in Kombination mit anderen Einflüssen würde vermutlich krank machen. Wo genau diese Grenze liegt, lässt sich wissenschaftlich nicht festlegen. Daher ist es ratsam, potenziell giftige Stoffe dort, wo es geht, zu vermeiden.

Antimon

In großen Mengen kann Antimon zwar giftig für Leber, Nieren, Herz und Nervensystem sein. Die Mengen, die die Textilprüfer in den Polyesterbestandteilen von Adidas, Nike und anderen Marken nachgewiesen haben, liegen jedoch weit unterhalb dessen, was als besorgniserregend gilt – zumindest im Hinblick auf Kinderspielsachen. So wies ein untersuchter Adidas-Schwimmanzug einen Wert von 293 Milligramm pro Kilogramm auf. Das ist jedoch weit weniger als für Spielzeug erlaubt ist (560 Milligramm pro Kilogramm). Wobei auch hier der Grenzwert nicht bedeutet, dass alles, was darunter liegt, völlig unbedenklich sei. Es ist eine Grenze, auf die sich Gesetzgeber geeinigt haben. Es ist nicht die Zäsur zwischen harmlos und schädlich.

NPE

Die Industrie verwendet Nonylphenolethoxylate (NPE) unter anderem in Reinigungsmitteln. Reste des Stoffes sind deshalb auch oft in Kleidungsstücken nachweisbar. Den Trägern solcher Kleidung schaden diese Chemikalien nach bisherigen Erkenntnissen nicht. In dieser Hinsicht ist es zu vernachlässigen, dass im Rahmen der Greenpeace-Studie in Großbritannien rund 0,8 Gramm pro Kilogramm NPE in einem Burberry-T-Shirt gefunden wurden. Gelangen NPE allerdings in den Wasserkreislauf, können sie sich dort anreichern und den Hormonhaushalt von Lebewesen stören, die empfindlicher sind als der Mensch, etwa Fische. Die EU hat deshalb festgelegt, dass Stoffe, die zur Reinigung genutzt werden, nicht mehr als 0,1 Gramm NPE pro Kilogramm enthalten dürfen. Die Umweltschützer sorgen sich nun weniger um die Umwelt in den Import- als in den Herstellungsländern. Aufgrund der Konzentration in der Kleidung sei davon auszugehen, dass dort die Belastung mit NPE wesentlich höher sei als in der EU und das einheimische Ökosystem stark belastet würde.

Fazit

Trotz vieler Richtlinien und Gesetze enthält Kinderkleidung zum Teil auffällig große Mengen als bedenklich bekannter Chemikalien. Studien deuten zwar darauf hin, dass einige der Stoffe die Gesundheit schädigen können. Doch ab welcher Konzentration sie sich in welcher Form auf den menschlichen Körper auswirken und wie lange man ihnen dafür ausgesetzt sein müsste, ist nicht geklärt. Fakt ist, dass die Hersteller die offiziellen Grenzwerte meist eingehalten haben. Allein in Einzelfällen wurden sie überschritten.

Greenpeace befürchtet daher auch nicht, dass Kinder aufgrund der untersuchten Produkte in Gefahr seien. Die Organisation kritisiert vielmehr die Auswirkungen, die die Chemikalien auf die Natur in den Herstellerländern haben. Zwar hätten sich viele der Firmen dazu bereit erklärt, ohne gefährliche Chemikalien Kinderkleidung zu produzieren. Bislang sei das Versprechen jedoch oft nicht umgesetzt worden, wie der Test zeigt.