Ärzten und medizinischem Personal unterlaufen laut dem AOK-Krankenhausreport 2014 jährlich in etwa 188.000 Fällen Behandlungsfehler – das sind ein Prozent der insgesamt rund 18,8 Millionen Behandlungen in Krankenhäusern. Jährlich sterben in deutschen Kliniken dadurch etwa 18.800 Menschen.

In vielen Fällen seien Fehler vermeidbar, sagte Max Geraedts, Leiter des Instituts für Gesundheitssystemforschung der Universität Witten/Herdecke und Mitherausgeber des Reports. Als Beispiel nannte er einen Patienten, der eine Medikamentenallergie erleidet, von dieser Allergie wusste, aber vorher nicht dazu befragt wurde. Auch Hygienemängel, durch die sich etwa Operationswunden entzünden, seien vermeidbar.

Einige Krankenhäuser vernachlässigten aber die Händedesinfektion, mahnte Geraedts. Jährlich erleiden laut AOK rund vier Prozent der Patienten eine Krankenhausinfektion, etliche sterben daran.

Die Kasse kritisiert auch eine unterentwickelte Sensibilität der Krankenhausmitarbeiter für Fehler. Die Mitarbeiter müssten die Patientensicherheit stärker im Blick haben, verlangte Geraedts. Sie müssten dafür auch die vorhandenen Fehlerberichtssysteme besser nutzen.

Dabei gebe es durchaus Verbesserungspotenzial: Bei bis zu zehn Prozent aller Krankenhausbehandlungen gebe es unerwünschte Nebeneffekte, etwa allergische Reaktionen auf Medikamente. Knapp die Hälfte dieser Probleme gelte als vermeidbar, sagte Geraedts.

Wie gut eine Operation verläuft, ist Erfahrungssache – laut einer Studie hängt der Erfolg stark von der Häufigkeit ab, mit der Kliniken die jeweiligen Eingriffe vornehmen. Deutlich wird das in einem Vergleich: Das Fünftel der Krankenhäuser mit den wenigsten Eingriffen weist im Vergleich zum Fünftel mit den meisten Behandlungen eine um 37 Prozent höhere Rate an Wiederholungsoperationen auf.

© AOK, Screenshot: ZEIT ONLINE

Auch zu diesem Ergebnis kamen die Fachleute des Wissenschaftlichen Institutes der Krankenkasse, die für den Krankenhausreport 2014 die kasseneigenen Daten auswerteten. Als Beispiele nennen sie Hüftoperationen und die Versorgung von Frühgeborenen. Auch bei denen zeigt sich dieser Zusammenhang: Die Wahrscheinlichkeit, dass frühgeborene Babys sterben, liegt bei Kliniken mit weniger als 15 Fällen pro Jahr um 87 Prozent höher als bei Kliniken, die mehr als 45 Frühchen pro Jahr versorgen.

Für die AOK leiten sich daraus Konsequenzen für die Planung der Krankenhäuser ab. Wenig sinnvoll halten die Kassenvorstände, dass sich Kliniken als Generalisten verstehen, die jeden Behandlungsfall souverän meistern wollen. "Viele Krankenhäuser versuchen, sich zu ‚kleinen Universitätskliniken‘ zu entwickeln, die alles anbieten" sagte Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes. "Für eine hochwertige medizinische Versorgung ist jedoch Spezialisierung das Gebot der Stunde."

Kaum noch Geld für Krankenhäuser

Die Unternehmensführung leitet daraus die Notwendigkeit ab, Investitionen in die Krankenhäuser möglichst stark an regionalen Bedingungen und an den Behandlungserfolgen der Kliniken zu orientieren. "Wir brauchen in erster Linie eine intelligentere Krankenhausplanung, die sich am Bedarf der Patienten orientiert", sagte Deh. Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Gründung eines Qualitätsinstituts sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Für eine effektivere Krankenhausplanung müsse die Politik die Voraussetzungen schaffen. Um Versorgungsprobleme zu beseitigen, müsse sie aber einen Schritt weiter denken und die Krankenhauslandschaft modernisieren. Als ein Kriterium für Investitionen sieht der Kassenchef den Behandlungserfolg. "Die Investitionsentscheidungen der Länder und damit die Kapazitäten der Kliniken müssen stärker an die Qualität des einzelnen Hauses und an den tatsächlichen Bedarf in einer Region gekoppelt werden", forderte Deh.

Er beklagte, dass Kommunen in manchen Regionen kaum noch Geld für ihre Krankenhäuser hätten. Während die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen für Behandlungen in Kliniken von 2002 bis 2012 um 35 Prozent auf knapp 62 Milliarden Euro stiegen, sanken die Investitionen der Länder für die Krankenhäuser um 19 Prozent (auf 2,62 Milliarden Euro). Deh warb dafür, einen Strukturfonds aufzulegen, wie er in den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD angedacht war.