Rauchen soll unattraktiver werden, vor allem für Jugendliche. Mit deutlicher Mehrheit hat das EU-Parlament für eine neue Tabakrichtlinie gestimmt, mit der sich die Länder der Europäischen Union künftig an strengere Regeln bei Verpackung und Inhalt ihrer Produkte halten muss.

Spätestens 2017 müssen abschreckende Bilder auf den Zigarettenschachteln zu sehen sein. Die Warnhinweise sollen künftig 65 Prozent der Vorder- und Rückseiten von Zigarettenschachteln bedecken. Solche Hinweise gibt es bereits heute, sie sind aber wesentlich kleiner. Derzeit bedecken die Bilder 30 Prozent der Packungsvorderseite und 40 Prozent der Rückseite.

Verharmlosende Beschreibungen wie "mild" oder "natürlich" sind in Zukunft untersagt. Zudem sollen bestimmte Aromastoffe verboten werden. Aromen wie Vanille oder Schokolade mildern den bitteren Geschmack des Tabaks und erleichtern deshalb vor allem Jugendlichen den Einstieg ins Rauchen. Besonders gefährliche Zusatzstoffe, die Krebs erregen, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzungsfähigkeit einschränken können, sollen ganz aus Tabakprodukten verschwinden.

Bei Mentholzigaretten gilt eine Übergangsfrist von vier Jahren, sie sollen ab 2020 ganz verboten werden. Im Falle von E-Zigaretten sollen die Mitgliedsländer selbst entscheiden, ob diese künftig nur noch in Apotheken erhältlich sind.

Ausnahmen für Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak

Die neuen Vorschriften gelten nach Angaben des Europaparlaments für rund 90 Prozent aller Tabakprodukte. Das betrifft neben klassischen Zigaretten auch Zigarettenfeinschnitt und Wasserpfeifentabak, der vor allem bei Jugendlichen beliebt ist. Für Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak reichen hingegen weiter die bisher vorgeschriebenen Warnhinweise.

Schätzungen zufolge sterben pro Jahr 700.000 Menschen in der EU an den Folgen des Rauchens. Die Vereinbarung ist das Ergebnis von langen Verhandlungen zwischen Unterhändlern des Parlaments und den EU-Staaten.  

Gesetz könnte schon Ende März in Kraft treten

EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg, der die Reform vorgeschlagen hatte, sagte: "Indem die Regeln sicherstellen, dass Tabakprodukte wie Tabakprodukte aussehen und auch so schmecken, werden sie dazu beitragen, dass weniger Menschen in der EU mit dem Rauchen anfangen."

Mit dem Votum des Parlaments ist das Gesetz beschlossen. Die EU-Staaten müssen zwar noch zustimmen, dies gilt aber als Formalie. Die Neuregelung tritt in Kraft, sobald sie im Europäischen Amtsblatt veröffentlicht wurde – was bis Ende März geschehen dürfte. Die EU-Staaten haben anschließend zwei Jahre Zeit, um die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.