"Wir waren Menschen zweiter Klasse", flüstert Shoso Kawamoto in den Besprechungsraum des Peace-Memorial-Museums hinein. Mehrmals in der Woche kommt der 80-Jährige zum bekanntesten – und bedrückendsten – Touristenziel von Hiroshima, um seine Geschichte zu erzählen, die mit dem Atombombenabwurf vom 6. August 1945 beginnt. 600 Meter über der Stadt detonierte sie, schickte Hunderttausende in den Tod und provozierte das Ende des Zweiten Weltkriegs. "Mit einem Mal war mein Zuhause zerbombt, meine Eltern tot."  

Zwölf Jahre alt war er damals. Bis Ende 1945 starben rund 1.000 Kinder, durch Folgen der Strahlung oder an Unterernährung. Jahre später, als Kawamoto und die anderen jungen Überlebenden der Hiroshima-Bombe das Erwachsenenalter erreicht hatten, stellte sich das Leben für sie als besonders schwierig heraus. Sie waren stigmatisiert.

Hibakusha nannte man sie, Explosionsbelastete. "Wir hatten Probleme überall. Einen Job zu finden oder zu heiraten, weil es hieß, dass unsere Strahlenbelastung gefährlich und ansteckend sein könnte", sagt Kawamoto. "Ich wollte mich damals umbringen, ich war ratlos." Mit 30 Jahren verließ er angesichts der Perspektivlosigkeit Hiroshima und zog ins 150 Kilometer östlich gelegene Okayama. Dort, wo niemand seine Herkunft kannte, fand er Arbeit in einem Restaurant.

Nicht nur der Name Fukushima ist negativ belegt

Knapp sieben Jahrzehnte nach Hiroshima könnte sich die Geschichte der Hibakusha durch Fukushima wiederholen. 300.000 Menschen mussten vor drei Jahren wegen der Strahlung ihre Heimat verlassen. Nur rund die Hälfte konnte bisher zurückkehren. Früher galt Fukushima als Hochburg des Fischfangs wie auch der Samurai-Geschichte und damit des Tourismus.

Heute ist der Name Fukushima negativ belegt. Und diejenigen, die aus der Präfektur Fukushima kommen, ja aus der gesamten Region Tohoku, sind es ebenfalls.

"Wir haben klare historische Präzedenzien dafür, dass die Zukunft der Menschen in der Region Tohoku vorhersehbar ist", sagt der amerikanische Historiker Robert Jacobs, der an der Hiroshima-City-Universität forscht und weltweit als Experte für Hibakusha gilt. Das Phänomen wurde nicht nur nach den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki beobachtet, sondern auch dort, wo in den vergangenen Jahrzehnten Kernwaffentests durchgeführt wurden. Wann immer dafür Bewohner aus der Testgegend umgesiedelt worden wurden, stießen sie in ihrer neuen Heimat auf Vorbehalte. Das Stigma lastete auf ihnen wie ein Fluch.