Fast 60 Prozent des Grundwassers in China sind von schlechter oder sehr schlechter Qualität – es enthält teils riesige Mengen Schadstoffe und ist zu verschmutzt zum Trinken. Das ist das Ergebnis eines Jahresberichts des chinesischen Umweltministeriums. Der Untersuchung zufolge war das Wasser an 59,6 Prozent der Stellen, an denen Proben genommen wurden, belastet. 2012 waren es 57,4 Prozent. Grund für die Verschmutzung sind dem Bericht zufolge der exzessive Gebrauch von Düngemitteln, die Industrialisierung und die schlechte Beseitigung von städtischem Müll.

Chinas Wirtschaftsboom hat im ganzen Land zu starken Umweltschäden geführt. Die Luft und das Wasser sind stark verschmutzt, viele große Städte leiden unter extremem Smog. Auch die Böden sind belastet: Fast ein Fünftel des Ackerlands ist mit nicht organischen Elementen wie Kadmium vergiftet, teilte das Umweltministerium vor Kurzem mit. 

Erst im März hatte Ministerpräsident Li Keqiang auf Druck der Bevölkerung einen "Krieg gegen Umweltverschmutzung" ausgerufen. Dazu gehört auch eine transparentere Informationspolitik. Mit dem Bericht zur Wasserverschmutzung reagiert die chinesische Regierung auf die Forderung, Daten zur Umweltverschmutzung bekannt zu machen. Bereits im letzten Jahr hatte sie begonnen, Luftverschmutzungswerte für viele chinesische Städte öffentlich zu machen.  

Das Problem der Trinkwasserverschmutzung war erst vor Kurzem in den Fokus gerückt, als Anfang April in der westlichen Stadt Lanzhou ein extrem hoher Benzolanteil im Trinkwasser gemessen wurde. Aus einer Pipeline war Öl ins Trinkwasser gelangt, die Stadtverwaltung soll die Bevölkerung aber tagelang nicht über die Belastung informiert haben. Auch der Fall einer Fabrik im Osten des Landes, die ihr unbehandeltes Abwasser in den Boden pumpte, sorgte für Aufsehen. Örtliche Behörden dementierten die Berichte.