Drogen in Deutschland - Viele Drogenkonsumenten sind unauffällig und zufrieden

Nehmen Sie Drogen? Das hat ZEIT ONLINE im November 2013 die Leser gefragt und sie aufgerufen, von ihren Erfahrungen zu berichten. Mehr als 22.000 Menschen in Deutschland haben sich an der anonymen Befragung beteiligt. Daraus ist der ZEIT-ONLINE-Drogenbericht entstanden, die größte Studie zum alltäglichen Drogenkonsum, die je in Deutschland durchgeführt wurde. 

Wir wollten wissen, wie Menschen legale und illegale Drogen nutzen, wann, wie häufig und welche Folgen damit für sie verbunden sind. Zudem machten die Umfrage-Teilnehmer Angaben, wie viel Geld sie für Alkohol, Zigaretten, Cannabis, Ecstasy, Kokain oder andere Drogen ausgeben.

Ziel des Online-Fragebogens war nicht, zu ermitteln, wie hoch der Anteil der Drogen konsumierenden Deutschen ist. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ. Mehr zu den Methoden finden Sie hier. Vielmehr richteten sich die Fragen gezielt an diejenigen, die regelmäßig zu legalen oder illegalen Drogen greifen.

Ein realistischer Blick in Deutschlands Drogenalltag

Der ZEIT-ONLINE-Drogenbericht gibt einen detaillierten Einblick, welche Drogen derzeit in Deutschland genutzt werden, von welchen Menschen und warum. Nur selten tauchten in bisherigen Studien zum Drogenkonsum diejenigen auf, die mit Drogen glücklich leben und zurechtkommen. Oft werden Therapeuten, Kliniken und Bundesbehörden befragt, sobald es um Drogenkonsum mit schwerwiegenden Folgen geht. Dabei werden vor allem Menschen statistisch erfasst, die süchtig geworden sind oder erkrankten, mit den entsprechenden psychischen und körperlichen Folgen bis hin zum Tod.

Alle Hintergründe, Grafiken und Ergebnisse zum ZEIT-ONLINE-Drogenbericht © ZEIT ONLINE

Der ZEIT-ONLINE-Drogenbericht basiert auf der Auswertung des Fragebogens unserer Kooperationspartner des Global Drug Survey (mehr zum GDS hier, zu den Methoden hier). Die weltweit größte Online-Umfrage zum alltäglichen Drogenkonsum fand in diesem Jahr erstmals auch in Deutschland statt. ZEIT ONLINE veröffentlicht die Ergebnisse exklusiv. 

Die Auswertung der Daten ist vorläufig und kann sich noch verändern. Weltweit haben 78.820 Menschen an der Befragung des Global Drug Survey 2014 teilgenommen. ZEIT ONLINE konzentriert sich auf die Daten aus Deutschland. Hierzulande nahmen mehr Menschen teil als in jedem anderen Land.

Welche Drogen werden genommen?

Die 22.359 deutschen Teilnehmer des ZEIT-ONLINE-Drogenberichts wurden gefragt, welche Drogen sie im Jahr vor der Umfrage konsumiert und welche sie mindestens einmal in ihrem Leben ausprobiert hatten. 

Im Monat vor dem Global Drug Survey hatten 54 Prozent der Teilnehmer mindestens eine illegale Droge genommen. 41 Prozent beschränkten sich in diesem Zeitraum auf legale Drogen wie Tabak und Alkohol. Das heißt aber nicht, dass mehr als die Hälfte aller Deutschen illegale Drogen genommen hat – denn die Ergebnisse sind nicht repräsentativ für ganz Deutschland (warum nicht?). 

86 Prozent gaben an, im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine illegale Droge probiert zu haben. Ein Viertel hat schon mal halluzinogene Pilze genommen (Magic Mushrooms), 12 Prozent haben Azteken-Salbei geraucht oder gekaut und 11 Prozent haben etwa Muskatnüsse geraucht oder in berauschenden Mengen gegessen.

718 Teilnehmer (3 Prozent) haben im vergangenen Jahr Kräutermischungen, Badesalze oder Raumerfrischer gekauft. Die gefährlichen Legal Highs werden zum Teil als Alternative zu verbotenen Drogen angeboten. Ihre Inhaltsstoffe sind oft unbekannt. 792 Teilnehmer (4 Prozent) haben im vergangenen Jahr Pulver geschnupft oder eingenommen, ohne zu wissen, was es war.

19 Prozent nahmen im letzten Jahr verschreibungspflichtige Medikamente, die auch als Rauschmittel verwendet werden.

Während die Behörden eine Zunahme des Verkaufs, des Konsums und der Produktion von Crystal Meth in Deutschland feststellen, ist die synthetische Droge unter Drogenkonsumenten offenbar noch nicht sehr weit verbreitet. Crystal Meth zählt zu den Amphetaminen, zu denen auch Speed gehört. Das kristalline Pulver schädigt den Körper rasch und kann schwere Schäden auslösen. Weniger als 100 Teilnehmer des Global Drug Surveys haben diese Droge genommen, 16 Prozent (3.671 Menschen) nahmen in den zwölf Monaten vor der Umfrage überhaupt Amphetamine, die meisten als Speed in Pulverform (84 Prozent). 

Mehr als jeder zehnte Umfrage-Teilnehmer (12 Prozent) wurde im vergangenen Jahr von der Polizei wegen Drogen durchsucht. 

Etwas mehr als die Hälfte aller Menschen, die den Global Drug Survey ausfüllten, machte sich Sorgen über den Alkohol- und Drogenkonsum eines Freundes.

Alle Ergebnisse des ZEIT-ONLINE-Drogenberichts finden Sie hier in der Übersicht. Die Auswertung konzentriert sich auf die am häufigsten konsumierten Drogen. Das sind Alkohol (Ergebnisse hier), Tabak (hier), Cannabis (hier), Ecstasy (hier) und Kokain (hier).

Update: Der Global Drug Survey 2015 hat begonnen. Nehmen Sie bis zum 20. Dezember 2014 an der weltweit größten Umfrage zum Drogenkonsum teil und helfen Sie mit, Drogenkonsum sicherer zu machen (Lesen Sie hier mehr).

Die Ergebnisse werden wir Ihnen im Sommer 2015 exklusiv auf ZEIT ONLINE vorstellen. Folgen Sie der Umfrage auch auf Twitter via #GDS2015 und @GlobalDrugSurvy. Berichte und Hintergründe zum Thema auf ZEIT ONLINE finden Sie hier.