Alkohol ist einer der gefährlichsten Stoffe, die es gibt. Die Droge sei tödlicher als Aids und Tuberkulose zusammen, berichten die Autoren des weltweiten Statusreports zu Alkohol und Gesundheit 2014 (WHO, 2014). Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sie Daten und Fakten aus allen 194 Mitgliedsländern der Vereinten Nationen gesammelt. Sie konstatieren: 5,9 Prozent aller Todesfälle weltweit seien direkte Folge von Alkoholkonsum oder von Gewaltakten und Verkehrsunfällen, die Betrunkene verursachen. Die Immunschwächekrankheit Aids sei im Vergleichsjahr 2012 die Todesursache für 2,8 Prozent aller Verstorbenen gewesen, Tuberkulose für 1,7 Prozent.

Wer regelmäßig Bier, Wein und Schnaps trinke, erhöhe nicht nur sein Risiko an Krebs oder Leberzirrhose zu erkranken, auch rund 200 weitere Leiden werden von Alkohol mit verursacht. Doch die Droge schadet nicht nur dem Einzelnen, sondern auch der Gesellschaft. Seelische, körperliche und sexuelle Gewalt vor allem in Familien und Partnerschaften, Unfälle und Verbrechen unter Alkoholeinfluss sind in vielen Ländern und vor allem in Europa und Deutschland Alltag. Auch die wirtschaftlichen Schäden sind groß, denn übermäßiges Trinken macht viele krank.

"Es muss mehr getan werden, um die Bevölkerung vor den negativen gesundheitlichen Folgen des Alkoholkonsums zu schützen", sagte der WHO-Experte Oleg Tschestnow. Die Analysen der WHO, die sich auf den seit 1996 durchgeführten Global Survey on Alcohol and Health berufen, zeigen zwar, dass die konsumierte Alkoholmenge in Europa, Afrika und Amerika in den vergangenen fünf Jahren stabil geblieben sei. Allerdings bedeute dies gleichbleibend hoch. Besonders in Südostasien sowie in Ländern des westlichen Pazifiks haben dagegen mehr Menschen im gleichen Zeitraum zu alkoholischen Getränken gegriffen als zuvor.

Die Fakten des Berichts zeigen die verheerenden Wirkungen von Alkohol.

  • Etwas mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung trinkt (38,3 Prozent). Im Schnitt konsumiert jeder davon 17 Liter reinen Alkohol pro Jahr.
  • 5,1 Prozent der weltweiten Krankheitslast und körperlichen Beeinträchtigungen hängen mit Alkoholkonsum zusammen.
  • Bier, Wein und Schnaps verursachen bereits unter jüngeren Menschen gefährliche körperliche Schäden bis hin zum Tod: 25 Prozent aller weltweiten Todesfälle in der Altersgruppe von 20 bis 39 Jahren stünden mit Alkohol in Verbindung.
  • Weltweit sind deutlich mehr Männer als Frauen von Alkoholmissbrauch betroffen. Bei 7,6 Prozent aller 2012 gestorbenen Männer und bei vier Prozent der Todesfälle unter Frauen war Alkohol beteiligt.
  • 16 Prozent aller Alkoholtrinker ab 15 Jahren sind regelmäßig volltrunken.

Deutsche trinken besonders viel

Der höchste Alkoholverbrauch pro Person findet sich in Europa. Zwischen 2008 und 2010 lag der Schnitt für die Bevölkerung ab 15 Jahren in ganz Europa bei 10,9 Litern jährlich. Vor allem in Deutschland ist der Konsum seit Jahren hoch (WHO, 2014). Nach den Daten der WHO trank umgerechnet jeder Deutsche ab 15 Jahren zuletzt (2008 - 2010) im Schnitt 11,8 Liter reinen Alkohol pro Jahr.

Aktuellere Daten legte kürzlich die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen vor. Aus dem Jahrbuch Sucht 2014 gehen genauere Zahlen für Deutschland hervor (DHS, 2014). Sie sind nicht weniger beunruhigend:

  • Im Jahr 2012 konsumierte demnach jeder Deutsche mindestens 9,5 Liter reinen Alkohol (umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung).
  • Mehr als die Hälfte des Alkohols (53,1 Prozent) wird als Bier getrunken, fast ein Viertel (23,5 Prozent) als Wein.
  • Etwa 10 Millionen Deutsche trinken in gesundheitlich riskanter Weise. Das heißt für Männer: zwei Gläser und für Frauen ein Glas Bier (0,25 Liter) täglich.
  • Knapp 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig.
  • Jedes Jahr kostet die Behandlung alkoholbedingter Krankheiten fast 27 Milliarden Euro.