Klaus König ist aufgebracht. Die Entrüstung des Steinbacher Frauenarztes richtet sich gegen eine Broschüre zweier Krankenkassen, der Techniker Krankenkasse (TK) und der Barmer GEK. Mit ihr wollen sie ihre Mitglieder über Gebärmutterhalskrebs aufklären. Doch genau das, täten sie nicht, sagt König. Während die Krankenkassen die Wirkung einer sinnvollen Impfung infrage stellen, nennen sie Yoga und naturheilkundliche Verfahren als Alternative zu einer Operation, sollten sich bei einer Frau die Zellen der Gebärmutter auffällig verändert haben. König und weitere Kollegen halten das für unverantwortlich und haben deshalb nun offiziell Beschwerde eingereicht.

Laut der Krebsregisterdaten des Robert-Koch-Instituts erkranken in Deutschland jährlich etwa 4.700 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Damit ist es eine seltenere Krebserkrankung*. Sie wird zumeist von einer Infektion mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) ausgelöst. Gegen dieses Virus richtet sich die Impfung, von der es in der Broschüre heißt, es sei nicht "genug geklärt", ob sie junge Mädchen und Frauen vor krankhaften Veränderungen schützt.

"Das ist falsch, unredlich und verunsichert die Mädchen und ihre Eltern", schimpft König. Deswegen hat der Berufsverband der Frauenärzte, dem König angehört, Mitte April die Broschüre aus dem Jahr 2011 beim Bundesversicherungsamt gemeldet. Die Krankenversicherungen kämen ihrem Auftrag, die Gesundheit ihrer Versicherten zu schützen, nicht nach, würden sie gar gefährden, erklärt der Präsident des Berufsverbands Christian Albring.

Die TK selbst zeigt sich unbeeindruckt. Was in der Broschüre steht, sei nicht falsch. "Wir wollen den Patienten in die Lage versetzen, informiert in das Gespräch mit einem Arzt zu gehen. Dazu gehört auch eine Risikoabwägung", sagt Michaela Hombrecher, Sprecherin der TK.

Nun ist nicht wirklich falsch, was dort geschrieben steht, aber eben auch nicht richtig. Erstens greifen die Krankenkassen auf Informationen zurück, die längst überholt sind. Andere werden irreführend ausgelegt.

Die HPV-Impfung schützt und ist sicher

Seit Jahren überzeugen etliche Studien die Zulassungsbehörden, dass die HPV-Imfpung schützt und sicher ist. Sowohl das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut, die Ständige Impfkommission (Stiko) des deutschen Referenzzentrums für Infektionskrankheiten und der Ausschuss von Ärzten und Krankenkassen, der darüber entscheidet, welche Leistungen von den Krankenkassen übernommen werden, erkennen sie an. Demnach sollen Mädchen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren sowie vor dem ersten Sex geimpft werden, also vor der ersten möglichen Infektion.

"Die Impfung schützt vor Infektionen mit den gefährlichsten Stämmen des Erregers, 16 und 18, die 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen sowie Genitalwarzen verursachen", erklärt Lutz Gissmann vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Rechne man hinzu, dass sie auch vor weiteren Erregertypen schützt, steigere sich der Schutzeffekt auf 80 Prozent.

Eine positive Wirkung belegen unter anderem Studien aus Australien und Dänemark. In Australien ist die Impfung breit akzeptiert. Mehr als 70 Prozent der Mädchen schützen sich dort seit 2007 auf diese Art vor den Viren. Wissenschaftlich begleitet wird die Impfung von einem Netzwerk. Die Ergebnisse zeigen: Unter den geimpften Mädchen verschwinden Genitalwarzen vollständig(Hammad Ali et al., 2013). Zu einem vergleichbaren Resultat kommt eine Anfang Mai veröffentlichte Untersuchung aus Dänemark (Baldur-Felskov et al., 2014).

Hierzulande ist weniger als die Hälfte der Mädchen und jungen Frauen bereit, sich impfen zu lassen. Irreführende Berichte von Todesfällen, Multiple Sklerose und anderen neurologischen Erkrankungen, die die Impfung auslösen soll, schrecken sie unter anderem ab. Und die Krankenkassen, die den Schutz vor Gebärmutterhalskrebs als nicht abschließend bewiesen darstellen.