Stevia verarbeitender Betrieb in Asuncion, Paraguay © Norberto Duarte/AFP/Getty Image

Wo sich die Natürlichkeit von Steviazusätzen als Finte erweist, bleibt dem Verbraucher immerhin die Hoffnung auf gesundheitliche Effekte. "Keine Kalorien" erscheint da schon mal als guter Anfang, zumindest dann, wenn Stevia ansonsten keine schädlichen Wirkungen entfaltet. Dessen völlig sicher ist sich die Forschung allerdings nicht. Zwar konnten Versuche an den üblichen Labortieren bislang keine gefährlichen Nebenwirkungen belegen. Noch kurz bevor sich auch die Europäer für die Zulassung gereinigter Stevia-Extrakte entschieden, meldeten Experten in den USA trotzdem Zweifel an der Harmlosigkeit der konzentrierten Steviolglykoside an.

Aus gutem Grund: Wann immer ein Stoff aus seinem natürlichen Kontext gelöst und in industriellen Produkten eingesetzt wurde, durften Ernährungsforscher durchaus böse Überraschungen erleben. Selbst Fruchtzucker, der natürlicherweise alle erdenklichen Obstsorten süßt, hat sich in konzentrierter Form als regelrecht gefährlich erwiesen, weil er weit schneller dick macht als normaler Zucker. Manche Experten halten Fruktose sogar für krebserregend.

Konzentrierter Stevia-Sud reduziert die Fruchtbarkeit

In den Sechzigern gingen Wissenschaftler Berichten nach, denen zufolge indigene Frauen in Paraguay das Süßkraut auch als Verhütungsmittel nutzen. Wie die Forscher an Ratten zeigten, reduziert ein konzentrierter Sud aus getrockneten Steviablättern die Fruchtbarkeit von gesunden Weibchen tatsächlich – um 70 bis 80 Prozent. Was das für den Menschen bedeutet, ist bislang unklar. Weshalb für Stevia trotz seiner fernen pflanzlichen Quelle nicht viel anderes gilt als für die künstlicheren Standard-Süßstoffe: Es ist eine Chemikalie, über deren Wirkung auf den Menschen noch nicht alles bekannt ist.  

Bekannt und belegt ist dafür, dass sämtliche Süßstoffe im Kampf gegen Übergewicht und Fettleibigkeit scheitern. Und zwar unabhängig davon, ob sie nun annähernd natürlichen Ursprungs oder rein synthetisch sind. Der Verzicht auf Zucker durch Ersatzstoffe reicht allein nicht aus, um die Fettpolster schrumpfen zu lassen. Das schafft nur eine ausgewogene Kombination aus Bewegung und grundsätzlicher Ernährungsumstellung.