Ein Forscher testet in Guéckédou eine Blutprobe auf Ebola-Viren. ©Misha Hussain/Reuters

Diesmal ist vieles anders – anders als bei früheren Ausbrüchen, anders als es Mediziner normalerweise für diese tödliche, aber gut zu beherrschende Krankheit kennen. Ebola grassiert in ungekanntem Ausmaß in den drei westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone. Die Epidemie sei "völlig außer Kontrolle geraten", sagte Bart Janssens, Einsatzleiter der Ärzte ohne Grenzen vergangene Woche. Was ist passiert?

Mehr als sechs Monate sind seit dem ersten Ebola-Fall vergangen. Doch die Zahl der neuen Infektionen nimmt nicht ab, wie es sonst normalerweise geschieht, wenn Quarantäne-Maßnahmen greifen. Inzwischen gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO 528 Menschen, die im Verdacht stehen, sich mit dem Virus infiziert zu haben. 337 von ihnen sind bereits gestorben. Der aktuelle Ebola-Ausbruch ist damit wohl der schlimmste, seit das Virus 1976 erstmals in Zaire auftauchte. Westliche Experten sind zunehmend rat- und machtlos.

Der Virologe Stephan Becker von der Universität Marburg versucht mit Kollegen aus ganz Europa die Krankheitswelle vor Ort einzudämmen. In Guéckédou, einem der Brennpunkte der Epidemie, hat das Team ein mobiles Labor eingerichtet, um Fälle möglichst schnell zu diagnostizieren. An für sich ist klar, wie sich Ebola überträgt und sich beherrschen lässt. Zwar gibt es keinen Impfstoff gegen den Erreger, doch durch gezielte Quarantäne der Betroffenen und Schutzkleidung für die Behandelnden lassen sich weitere Ansteckungen verhindern. Denn das Virus wird vor allem durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen.

Das Misstrauen ist der größte Gegner

Dafür müssen Fälle aber erkannt und gemeldet werden. Angehörige und andere Nahestehenden, die engen Kontakt zu einem Infizierten hatten, müssen sich in die Obhut von Ärzten begeben und sich ebenfalls vorsorglich in Quarantäne gehen. Genau das geschieht aber anscheinend nicht. "Was die Behandlung so schwer macht, ist vor allem das Misstrauen, das uns, anderen Ärzten und der WHO aus der Bevölkerung entgegenschlägt", sagt Becker.

Die WHO versucht, wie auch während zurückliegender Ebola-Ausbrüche, die Menschen mit einer intensiven Kampagne über die Krankheit und die Übertragungswege aufzuklären. In den sozialen Netzwerken hat sie dafür den Hashtag #AskEbola etabliert. Trotzdem laufen diese Maßnahmen ins Leere, da in Westafrika schlichtweg die Erfahrung mit Ebola fehlt. Das Virus tauchte bislang vor allem in Zentralafrika auf, in Guinea und seinen Nachbarländern war es nie Thema. "Viele Leute glauben nicht, dass man diese merkwürdige Krankheit mit westlichen Methoden eindämmen kann. Sie denken, dass das Ganze ein Fluch ist und hoffen, er lasse sich durch Zauberei wieder aufheben", sagt Becker.