Sie treiben Sport, rauchen und trinken weniger und gehen regelmäßig zu ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen: Den allermeisten Kindern und Jugendlichen in Deutschland geht es gesundheitlich gut. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, kurz KiGGS, des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI). 

94 Prozent der 2009 bis 2012 befragten Eltern halten den Gesundheitszustand ihrer Kinder demnach für gut oder sehr gut. "Erhöhte Risiken tragen vor allem Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status", sagte RKI-Präsident Reinhard Burger. Etwa 16 Prozent der Kinder haben ihren Eltern zufolge ein chronisches Gesundheitsproblem. Nur etwa jedes fünfte Kind wird dadurch aber eingeschränkt, Dinge zu tun, die Gleichaltrige tun können. Insgesamt haben in 167 Städten und Gemeinden 12.368 Mädchen und Jungen mit ihren Eltern am zweiten Teil der Langzeitstudie teilgenommen (KiGGS Welle 1, 2014).

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Zu den häufigsten Erkrankungen unter Kindern und Jugendlichen zählen Allergien. 9,1 Prozent leiden an Heuschnupfen, sechs Prozent haben die Hauterkrankung Neurodermitis, 4,1 Prozent kämpfen mit Asthma.
  • Dank Impfungen sind Keuchhusten und Windpocken nur selten ein Problem, die Zahl gefährlicher Masernerkrankungen ist aber seit Jahren zu hoch.
  • 15,5 Prozent der Ein- bis 17-Jährigen hatten innerhalb eines Jahres Unfälle und mussten deshalb zum Arzt. 
  • Jedes fünfte Kind (20,2 Prozent) zwischen drei und 17 Jahren zeigt Hinweise auf psychische Störungen. Jungen (23,4 Prozent) sind dabei häufiger betroffen als Mädchen (16,9 Prozent). Ärzte oder Psychologen diagnostizierten fünf Prozent eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS).

Mehr als drei Viertel treibt regelmäßig Sport

Viele Kinder und Jugendliche verhalten sich auch gesundheitsbewusster als noch vor rund zehn Jahren. Zwar rauchen zwölf Prozent der Elf- bis 17-Jährigen in Deutschland, weniger als die Hälfte aber täglich. Noch dazu halbierte sich insgesamt die Raucherquote fast seit der letzten Befragung von 2003 bis 2006. Damals hatten noch 20,4 Prozent der Jugendlichen angegeben, zu rauchen. Als Grund für die sinkende Zahl der jungen Raucher nennen die Autoren höhere Tabaksteuern und neue gesetzliche Regelungen für den Nichtraucherschutz.

Auch der Alkoholkonsum ging zurück: Waren es vor sechs Jahren noch 62,8 Prozent, gaben nun 54,4 Prozent der Jugendlichen an, schon einmal Alkohol getrunken zu haben. Einen riskanten Alkoholkonsum stellten die Autoren bei einem von sechs Jugendlichen im Alter von elf bis 17 Jahren fest. Dabei sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern auszumachen: Unter 14- bis 17-jährigen Jungen ist regelmäßiges Rauschtrinken stärker verbreitet als unter gleichaltrigen Mädchen.

Wichtig für einen gesunden Lebensstil ist auch Bewegung. Mehr als drei Viertel, nämlich 77,5 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen, treiben regelmäßig Sport. Knapp 60 Prozent sind in einem Sportverein aktiv. Einen Unterschied machen Alter und Sozialstatus der Befragten aus: Jüngere Kinder sind häufiger und länger aktiv als ältere Kinder und Jugendliche; Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus machen seltener und weniger Sport und sind weniger häufig Mitglied in einem Sportvereinen als Gleichaltrige mit höherem Sozialniveau. Verbringen Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 17 Jahren häufig Zeit vor dem Bildschirm, sinkt die Chance, dass sie Sport treiben.

91,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen gehen einmal pro Jahr zum Arzt – 8,7 Prozent mehr als noch zu Zeiten der ersten Befragungsrunde. Als Erklärung dafür nennen die Autoren zusätzlich eingeführte Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen. Die nächste Datenerhebung mit dem Titel KiGGS Welle 2 soll im September 2014 beginnen.