Das perfekte Medikament wäre eines ohne Nebenwirkungen. Doch so ein Mittel gibt es nicht. Arzneistoffe verändern die Biochemie des Körpers. Ohne Nebenwirkung keine Wirkung. Genau wie Drogen – was ursprünglich nichts anderes als "Heilkraut" heißt – nehmen wir sie für den positiven Effekt. Schlimmstenfalls machen sie abhängig, wie manch heftiges Schmerzmittel. Hohe Dosen können langfristig ganze Organe schädigen. Und manches, was als Rauschmittel gilt, ist auch Arznei. Wie Cannabis. Als Droge verboten, können die Inhaltsstoffe des Hanfs vielen Kranken helfen.

1. Die Heilkraft des Hanfs ist seit Jahrtausenden bekannt.

Seit Jahrtausenden kennen verschiedene Kulturen die Pflanze mit den Blättern, die sich wie Finger einer Hand von ihren Stielen spreizen. Schon in der Steinzeit nutzten Chinesen Cannabis auch als Heilmittel (Spicer, 2002). Heute steht das Hanfblatt vor allem für das Klischee kiffender oder Marihuana-Tee-schlürfender Menschen, die sich lediglich berauschen wollen.

2. Cannabinoide lindern vor allem Schmerzen.

Recht gut erforscht ist Cannabidiol (CBD), einer von einigen Dutzend auch pharmakologisch wirksamen Hanfinhalten. CBD hemmt nachweislich Entzündungen (Booz, 2011) und wirkt entspannend. Der Hauptbestandteil von Cannabis, das Delta-9-Tetrahydrocannabinol, kurz THC, kann nicht nur berauschen, sondern auch Krämpfe von Multiple-Sklerose-Patienten lindern. Gegen Schmerzen hilft es teils ähnlich gut wie manch zugelassenes Medikament (Martín-Sánchez et al., 2009). Besonders eignet es sich zur Therapie chronischer Schmerzen, die auf Nervenschäden zurückgehen (Rahn & Hohmann, 2009). Oft gibt es für diese Patienten keine andere wirksame Therapie oder Arznei mehr.


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Die appetitanregende Wirkung der Moleküle hilft Aidskranken, womöglich greift THC sogar direkt den Erreger der Immunschwäche an (Lutge et al., 2013). Krebspatienten, die eine Chemotherapie machen müssen, bekommen in einigen Fällen Cannabis-Wirkstoffe. Sie dämpfen die schweren Nebenwirkungen der vielen Arzneien, die Tumoren im Körper attackieren (Cridge & Rosengren, 2013; Velasco et al., 2012). 

Die Hanfinhalte können zudem womöglich die Therapie vieler weiterer Krankheiten fördern, von Tourette (Müller-Vahl, 2013) bis hin zu Bewegungsproblemen und dem Augenleiden Grüner Star (Glaukom). Von positiven Effekten durch Joints und inhalierte Bestandteile des Hanfs berichten vereinzelt auch Allergiker und Menschen mit Depressionen oder der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (ACM-Mgazin, 2014). Ehe sich Cannabinoide als Arznei für diese Fälle etablieren könnten, wären aber Studien mit deutlich mehr Teilnehmern nötig. 

3. Weltweit gibt es nur drei Cannabis-Medikamente.

Einige Medikamente auf Basis von THC und CBD haben Arzneibehörden bereits freigegeben. In den USA dürfen Mediziner etwa Marinol-Kapseln an Aids- und Krebspatienten verschreiben, die an Übelkeit leiden. Das Mittel regt den Appetit an und enthält vor allem aus THC-Moleküle, als Wirkstoff Dronabinol genannt, die zum Teil im Labor zusammengefügt werden.

Ein zweites Mittel, ebenfalls für Aidspatienten, wird unter dem Handelsnamen Cesamet verkauft, sein Wirkstoff Nabilon wird komplett künstlich hergestellt.  

Epidiolex, ein drittes THC-Medikament, muss erst noch klinisch getestet werden. Es basiert auf Cannabidiol und soll Kindern gegeben werden, die an einer sehr seltenen und schweren Form von Epilepsie leiden (Dravet-Syndrom).