Ein Seuchenspezialist in Sierra Leone © Baz Ratner/Reuters

Wie lange wird die Ebola-Epidemie noch andauern? Können Mediziner die Ausbreitung stoppen? Die ernüchternde Antwort: Es wird noch mindestens ein halbes Jahr dauern. Weitere Menschen werden sich in Westafrika mit dem tödlichen Virus anstecken. Vielleicht wird Ebola weitere Länder betreffen. Nach Guinea, Sierra Leone, Liberia und Nigeria ist die Seuche nun auch im Senegal aufgetreten.

Der schwerste Ausbruch aller Zeiten

Im Vergleich zu anderen Krankheitserregern, etwa Grippeviren, breitet sich das Virus zwar immer noch langsam aus. Aber auch zu schnell, als dass es sich wirklich aufhalten ließe. Bislang hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) knapp mehr als 3.000 Ebola-Fälle erfasst. Hinzu kommt eine Dunkelziffer aus nicht gemeldeten Infizierten, die viermal so hoch sein könnte.

Schon jetzt handelt es sich um die größte Ebola-Epidemie aller Zeiten. Im Dezember 2013 fing sie an. Zum Vergleich: Seit das Virus im Jahr 1976 zum ersten Mal bei Menschen entdeckt wurde, gab es weltweit etwa 1.600 registrierte Ebola-Todesfälle.

Die WHO informiert regelmäßig über die Zahl der Verdachtsfälle, bestätigte Erkrankungen und die Anzahle der Verstorbenen. Inzwischen geht die Organisation davon aus, dass sich rund 20.000 Menschen angesteckt haben werden, bis die Epidemie vorüber ist – und zwar bei einigermaßen gut funktionierender Seuchenbekämpfung.

Ebola tötet mindestens jeden Zweiten

Der Erreger bildet mit dem Marburg-Virus die Familie der Filoviren. Je nach Herkunft unterscheidet man fünf Spezies von Ebola-Viren: Zaire, Sudan, Bundibugyo, Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) und den auf den Philippinen vorkommenden Reston-Stamm. Lediglich die Reston-Variante ist für den Menschen ungefährlich.

In den anderen Fällen liegt die Sterblichkeitsrate je nach Ebola-Typ bei 50 bis 90 Prozent. Das heißt, mindestens jeder zweite Infizierte stirbt. Der aktuell in Westafrika umgehende Erreger ist eine Form des Zaire-Stamms, rund 55 Prozent der Erkrankten überleben nicht.

Ansteckung über Blut, Schweiß und Speichel

Übertragen wird Ebola über Körperflüssigkeiten (Blut, Schweiß, Urin, Speichel). Das Virus verbreitet sich nicht durch die Luft, wie etwa eine Grippe. Doch enges Zusammenleben in der Familie reicht, um sich anzustecken. Besonders dort, wo es keine oder nur schmutzige sanitäre Anlagen gibt und die Menschen ohnehin unter schlechten hygienischen Bedingungen leben, ist das Infektionsrisiko hoch.

Nur ein Bluttest macht die Diagnose eindeutig

In der ersten Phase verläuft eine Ebola-Erkrankung ähnlich einer Grippe: mit hohem Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall und Erbrechen. Da diese Symptome auch denen von Malaria, Typhus, Cholera und anderen in Westafrika häufig auftretenden Krankheiten ähneln, ist die Diagnose anfangs schwierig. Später – ab Tag fünf bis sieben – kommt es zu inneren Blutungen. Schließlich versagen die Organe, was zum Tod führen kann.

Ärzte müssen also zunächst andere Krankheiten ausschließen. Besteht weiter der Verdacht auf Ebola, sind Bluttests nötig. Um sich nicht selbst anzustecken, müssen Ärzte und Helfer Mundschutz, Handschuhe und Schutzanzüge tragen. In den Seuchengebieten ist diese Ausrüstung nicht überall verfügbar.

Gegen Ebola gibt es keine zugelassene Therapie

Hat sich ein Mensch einmal infiziert, bleiben Ärzten kaum noch Möglichkeiten, die Krankheit aufzuhalten. Ein wirksames Arzneimittel gibt es bislang nicht. Die Ärzte in Westafrika können derzeit also nur die Symptome ihrer Patienten behandeln und deren geschwächte Körper stärken. Viele Erkrankte warten tagelang vergeblich vor den notdürftig ausgestatteten Seuchenstationen darauf, aufgenommen zu werden.