In Westafrika breitet sich die Ebola-Epidemie trotz aller Bemühungen von Ärzten und Hilfsorganisationen weiterhin aus. Die Zahl der Neuinfektionen in den betroffenen Regionen ist stark gestiegen. Nach aktuellen Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden allein zwischen dem 8. und 12. Juli in allen drei Ländern 85 neue Ebola-Fälle verzeichnet, 49 von ihnen stammen aus Sierra Leone. Innerhalb dieser Zeit starben in der gesamten Region 68 Patienten.

Ärzte ohne Grenzen bereitet vor allem die Lage in Sierra Leone Sorge. Erst vor zwei Wochen hat die Hilfsorganisation dort im Osten ein neues Behandlungszentrum eröffnet. Seitdem hätten die Mitarbeiter 70 Patienten mit Ebola-Symptomen behandelt, heißt es in einer Pressemitteilung. In den kommenden Tagen werde mit einem Anstieg der Patientenzahlen gerechnet, da Teams damit begonnen haben, gezielt nach erkrankten Personen zu suchen.

Die Zahl der Neuerkankungen muss demnach nicht zwingend gestiegen sein. Sondern: "Wir haben noch immer keine Ahnung, wie viele Dörfer betroffen sind", sagt die Einsatzleiterin Anja Wolz. Die Organisation rechne aber noch mit zahlreichen weiteren Fällen.

Kurz erklärt - Wie das Ebola-Virus sich verbreitet

Vergangenen März waren zum ersten Mal Menschen in den Wäldern des südlichen Guineas an Ebola erkrankt. Der Erreger war bislang in Westafrika unbekannt. Viele Erkrankte und ihre Angehörigen dachten, dass das Fieber Symptome einer Malaria seien. Wohl infizieren sich auch zahlreiche Menschen, weil sie Verstorbene berühren und zum Abschied küssen.

Angst vor dem fremden Erreger

Ebola ist äußerst gefährlich für den einzelnen, lässt sich jedoch oft rasch kontrollieren, sobald Infizierte isoliert werden. Viele Betroffene und ihre Angehörigen kommen aus Dörfern in den westafrikanischen Ländern. Auf der Suche nach besserer medizinischer Versorgung trugen sie die Seuche in größerer Städte, ohne es zu wissen.

Aus Angst vor dem fremden Erreger haben sich viele Patienten versteckt. Priester bitten an manchen Orten um himmlischen Beistand, und besorgte Menschen haben mehrfach Ärzte und Pfleger angegriffen, die ihnen zu Hilfe eilten. In einem Ort in Sierra Leone steckten Menschen eine Klinik in Brand. Sie befürchteten, die den Patienten verabreichten Medikamente seien tatsächlich der Auslöser der Krankheit. Aktivisten und Helfer internationaler Organisationen versuchen, über Ebola aufzuklären – insbesondere auf dem Land, wo viele Analphabeten leben.

Mittlerweile verstärken die Gesundheitsbehörden und die WHO ihre Teams, die in der Region Kontaktpersonen von Erkrankten aufsuchen und auf Symptome untersuchen. "Wir stehen unter starkem Zeitdruck: Je länger es dauert, Kontaktpersonen von Erkrankten zu finden und sie über Wochen hinweg zu untersuchen, desto schwieriger wird es, den Ausbruch in den Griff zu bekommen", erklärt Wolz.

Elfenbeinküste verweigert Landsleuten Einreise

In einer übereilten Aktion, um eine weitere Ausbreitung der Ebola-Epidemie zu verhindern, haben die Behörden der Elfenbeinküste derweil Hunderten Landsleuten die Einreise verweigert. Sie wollten aus dem benachbarten Liberia in ihre Heimat zurückkehren. Die rund 400 ivorischen Flüchtlinge seien völkerrechtswidrig an der Rückkehr gehindert worden, sagte Mohammed Touré vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Das UNHCR organisiert die Rückführung der Flüchtlinge, die in den Jahren 2010 und 2011 vor der Gewalt nach den Wahlen in der Elfenbeinküste nach Liberia geflohen waren.

Der ivorische Regierungssprecher Bruno Koné rechtfertigte das Handeln: "Alle müssen Verständnis zeigen", sagte er. "Wir sind mit der größten Pandemie konfrontiert, die unsere Region seit Langem erlebt hat." Damit dürfe nicht nachlässig umgegangen werden. UNHCR-Vertreter Touré weckte wegen der offenen Grenze indes Zweifel an der Darstellung, dass die Flüchtlinge wirklich wegen Ebola-Bedenken abgewiesen worden seien.