Vor wenigen Tagen noch dachte der Arzt Kent Brantly, er werde sterben. In Westafrika hatte sich der freiwillige Helfer mit dem Ebola-Virus angesteckt. Gegen den Erreger gibt es bislang weder eine Impfung noch eine Therapie. Je nach Virus-Typ sterben 60 bis fast 90 Prozent der Infizierten in nur wenigen Tagen. Brantlys Zustand hatte sich rasant verschlechtert. Der 33-Jährige litt an Fieber, Erbrechen und Durchfall, wurde schwächer, bis er nicht mehr laufen konnte.

Doch dann kam "die Rettung", wie es nun heißt: Laut des Nachrichtensenders CNN erhielten Brantly und seine ebenfalls infizierte Kollegin, die Krankenpflegerin Nancy Writebol, ein Medikament, das in den USA gerade entwickelt wird: ZMapp. Es steckt noch in der frühen Testphase. Noch nie wurde seine Wirksamkeit, geschweige denn mögliche Nebenwirkungen, an Menschen ausprobiert. Nur wenigen Affen hatte man es im Labor zu Versuchszwecken verabreicht (Pettitt et al., 2014). Die Studien reichen aber bei Weitem noch nicht aus, um sagen zu können, ob das Mittel die Überlebenschancen nach einer Ebola-Infektion erhöhen kann oder um mögliche Risiken abzuschätzen. Bisher hatten die Wissenschaftler auf Grundlage ihrer Daten noch nicht einmal eine klinische Studie an Menschen angemeldet. Eine Zulassung von "ZMapp" als Ebola-Therapeutikum ist nicht in Sicht.

Angesichts ihrer aussichtslos erscheinenden Lage stimmten die infizierten Helfer aus den USA trotzdem zu, sich dem riskanten Experiment zu stellen und nahmen das Mittel, das ihnen Ärzte der amerikanischen Gesundheitsbehörden NIH angeboten hatten. ZMapp wurde dazu gut gekühlt nach Westafrika geschickt – mit einer Ausnahmegenehmigung.

Dem Arzt ging es abrupt besser

"Bereits eine Stunde, nachdem er das Mittel bekommen hatte, normalisierte sich seine Atmung", berichtet CNN. Der Ausschlag am Körper habe sich zurückgebildet, am nächsten Morgen habe Brantly aufstehen und duschen können. Tatsächlich verbesserte sich sein Zustand so schnell, dass der Arzt am vergangenen Samstag nach Atlanta geflogen werden konnte. Dort wird er nun in der Klinik der Emory-Universität unter strengster Quarantäne weiter behandelt. "Es ist ermutigend, dass es ihm besser zu gehen scheint", sagte der Direktor der US-Seuchenbehörde CDC, Tom Frieden, dem Sender CBS.


Am Dienstag soll die erkrankte Krankenschwester Writebol ebenfalls dort aufgenommen werden. Bei ihr hatte das Medikament offenbar weit schlechter angeschlagen als bei ihrem Kollegen. Sie bekam eine zweite Dosis verabreicht, was den Transport in die USA ermöglicht hat.

Für Afrikas Ebola-Patienten gibt es keine letzte Rettung

Eine Geschichte, die Hoffnung auf ein Ende der bislang größten Ebola-Epidemie weckt. Das ist angesichts der Lage nur verständlich. Und doch ist es verfrüht, von einer Heilungschance für alle zu sprechen.  

Rund 1.600 Menschen sind bisher in Westafrika an Ebola erkrankt, mindestens 887 sind gestorben – die Dunkelziffer an nicht entdeckten Fällen nicht einbezogen. Ihnen können die Ärzte in Guinea, Sierra Leone, Liberia und seit Kurzem auch Nigeria bisher kein Medikament anbieten. Sie behandeln nur Symptome, versuchen die Infizierten zu isolieren und – zum Teil vergeblich – die Ausbreitung der Seuche einzudämmen.

Dabei gibt es durchaus vielversprechende Forschungsansätze für Impfungen und Medikamente (Marzi & Feldmann, 2014) – doch weil der Markt dafür fehlt, wurden sie nie zur Marktreife gebracht. Mehrere Mittel mit unterschiedlichen Wirkstoffen erzielten gute Ergebnisse in Tierversuchen. "Sinnvoll eingesetzt könnten sie jetzt zumindest besonders gefährdete Gruppen wie Ärzte zusätzlich schützen", sagte etwa der Virologe Heinz Feldmann im Interview mit ZEIT ONLINE. Und so wurde zuletzt immer häufiger die Forderung laut, die bei Weitem nicht ausgetesteten Stoffe vor Ort einzusetzen.