Die Gefahr ist unsichtbar, das Virus gefährlich, im Zweifel tödlich. Es ist verständlich, dass sich viele Menschen Sorgen machen, was der schlimmste Ebola-Ausbruch nicht nur für die Menschen in Westafrika bedeutet. Doch viel Unsicherheit und Halbwahrheiten schüren unnötige Ängste.

Die Ebola-Seuche wird nicht in Europa ausbrechen

Kommt Ebola nach Deutschland? Was ist mit der Frau, die am Dienstagmittag in einem Jobcenter im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg zusammengebrochen ist? Wenn sie das Virus in sich trägt, droht dann Deutschland, gar Europa der internationale Seuchenfall? Die Antwort lautet Nein.

Selbst wenn Menschen, die sich angesteckt haben, nach Deutschland einreisen, ist das Netz des Seuchenschutzes so engmaschig, dass schon Verdachtsfälle schnell erkannt werden. Diese Menschen werden rasch isoliert und behandelt, wie auch die Frau aus Berlin. So war schon am Nachmittag klar: Die Erkrankte hat wohl einen schlichten Magen-Darm-Infekt.

Da hatten die Seuchenschützer schon begonnen, zurückzuverfolgen, wer mit der vermeintlich Infizierten Kontakt hatte. Auch sie wurden zunächst beobachtet und unter Quarantäne gestellt (Lesen Sie hier, was im Falle eines Verdachts passiert). Die Abläufe haben funktioniert.

Die Angst, die Seuche könne sich unbemerkt in Europa ausbreiten, ist unberechtigt. Zwar ist Ebola hoch ansteckend, aber erst, wenn Erkrankte erste Symptome wie etwa Fieber haben. Dann sind sie meist zu schwach, um noch zu reisen. Die WHO hält selbst Flugverbote nach und aus Westafrika für unnötig. Der Erreger überträgt sich nicht über die Atemluft wie etwa die Grippe, sondern nur über Körperflüssigkeiten. Zudem erschwert es internationalen Helfern die Arbeit, wenn medizinische Mitarbeiter und auch Ausrüstung für Quarantänemaßnahmen nicht mehr über den Luftweg nach Westafrika transportiert werden dürften.

Das Virus ist gefährlich für Einzelne, aber harmlos für die Masse

Der Ebola-Erreger lässt sich mit strikter Quarantäne und strenger Hygiene gut eindämmen, eben weil er sich nur über direkten Kontakt verbreitet. Das heißt, erst wer beispielsweise mit Speichel, Erbrochenem oder Blut eines Erkrankten in Berührung kommt, kann sich mit dem Virus anstecken.

Einmal erkrankt, liegt die Sterblichkeitsrate je nach Ebola-Typ zwischen 50 und 90 Prozent. Es gibt fünf Varianten: Zaire, Sudan, Bundibugyo, Côte d-Ivoire (Elfenbeinküste) und den Reston-Stamm. Letzterer ist für Menschen ungefährlich. Hohe Todesraten gab es während früherer Ausbrüche, etwa im Kongo 2002. In Westafrika breitet sich derzeit ein Zaire-Stamm aus, die Sterblichkeit liegt bei rund 55 Prozent. Es stirbt damit jeder zweite Infizierte.

Es ist der schlimmste Ausbruch, weil Ebola den Menschen fremd ist

Ebola ist das erste Mal in Westafrika ausgebrochen. Ein Problem: Nach zahlreichen Bürgerkriegen gibt es in Westafrika keine flächendeckende medizinische Versorgung, geschweige denn eine funktionierende Seuchenkontrolle. Die Menschen dort kennen die Erkrankung nicht, die unscheinbar mit hohem Fieber, Durchfall und Mattheit beginnt.

Daher ist es problematisch, dass in Ländern wie Liberia, Sierra Leone und Guinea Kranke meist zu Hause gepflegt werden. Schweiß, Exkremente, Erbrochenes und Blut der Infizierten können Ebola auf gesunde Angehörige übertragen. Ohne deren Wissen und ohne, dass jemand davon erfährt, bis es zu spät ist.

Der erste Patient war ein Zweijähriger, der sich über Buschfleisch infiziert hat. Viele Bewohner der betroffenen Länder wissen das jedoch nicht. Was sie sehen, sind vermummte Fremde – Helfer und Mediziner –, die in ihre Dörfer kommen und Mütter, Väter, Kinder in Quarantänezonen fortbringen. Die meisten Familienangehörigen sehen sie nie wieder, oft nur im Leichensack.

Das ist für viele nicht hinnehmbar. Sie verstehen nicht, dass ein Sieg über die Epidemie es erfordert, alle Kranken und Infizierten zu isolieren. Deshalb wehren sie sich, überfallen Hilfslager, greifen Ärzte und Helfer an und holen Menschen, die infiziert sein könnten, aus Isolierstationen.

Aufklärung ist das Einzige, was helfen kann. Doch momentan scheinen sich die Menschen schneller zu infizieren als es gelingt, sie zu warnen. Ebola wird wohl noch längere Zeit in Westafrika bleiben.